Großbritannien trägt nach verpasstem Rad-Gold Trauer

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Auf diesen Fall war Großbritannien nicht vorbereitet. Stadtgespräch war am Tag danach in London nicht, wer das olympische Straßenrennen der Herren gewonnen hat, sondern dass es Nationalheld Mark Cavendish verloren hat.

Der Großteil seiner Landsleute war davon ausgegangen, dass der Weltmeister das 250 km lange Rennen gegen 150 Konkurrenten im Vorbeifahren gewinnt - sie wurden eines Besseren belehrt.

Es bleiben "nur Tränen"

Nach dem Eröffnungstag der Spiele standen die Briten ohne Medaille da. Die BBC analysierte in stundenlangen Diskussionssendungen noch am Sonntag, warum es für Cavendish nicht gereicht habe. "Alptraum", titelte der "Sunday Mirror".

"Für Großbritannien bleiben nur Tränen", ergänzte das Konkurrenzblatt "Sun". Cavendish wurde zum Opfer seiner eigenen Stärke sowie jener seines Teams um die Tour-de-France-Dominatoren Bradley Wiggins und Christopher Froome.

Alle gegen die Briten

"Es ist verrückt, das ganze Feld ist gegen uns gefahren", beschwerte sich Cavendish. "Die anderen sind auch ohne Sieg glücklich, solange nur wir nicht gewinnen."

Tatsächlich haben die Briten und ihr Profiteam Sky, für das auch der Österreicher Bernhard Eisel in die Pedale tritt, in den vergangenen Wochen und Monaten den Radsport dominiert. "Wir müssen das Verhalten der anderen als Kompliment sehen. Es ist ein Zeichen, wie stark wir sind", sagte Cavendish.

Aufbrausender Weltmeister

Der leere Blick des Weltmeisters war auf der Insel das meistgezeigte TV-Bild des ersten Olympia-Tages. Einen britischen Journalisten beschimpfte der Superstar, weil er zu fragen gewagt hatte, ob die Tour de France vielleicht doch nicht die richtige Vorbereitung gewesen sei.

"Er ist oft aufbrausend und impulsiv. Aber gerade das macht bei ihm im Sprint den Unterschied aus", beschrieb Eisel seinen Freund und Zimmerkollegen.

Radrennen nicht planbar

Die schnellsten Beine im Profiradsport hat Cavendish ohne Frage. Damit hat er es aber nicht immer leicht gehabt, erinnerte Eisel. "Er ist ein herzensguter Mensch", betonte der Steirer.

"Aber er hat mit dem ganzen Druck erst umgehen lernen müssen, wie ein Wunderkind behandelt worden zu sein." Vor Heim-Olympia hätte der Druck nicht mehr größer sein können. Der 27-Jährige und sein Team zerbrachen daran - ein Beweis dafür, dass Radrennen nicht planbar sind.

Wiggins ist enttäuscht

"Ich bin unglaublich enttäuscht für Cav", betonte Wiggins, als erster britischer Tour-Sieger der neue Volksheld. Am Mittwoch könnte er seine Landsleute mit Gold im Zeitfahren entschädigen, zumal sein schärfster Rivale Fabian Cancellara von einem Sturz im Straßenrennen zurückgeworfen wurde.

Der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger von Peking 2008 erlitt zwar keine Knochenbrüche, will aber nicht vor Montag über seinen Start im Kampf gegen die Uhr entscheiden.

Zurück ins Rampenlicht

Zurück ins Rampenlicht katapultierte sich Alexandre Vinokourov. Der 38-jährige Kasache, der seine Karriere im Vorjahr bereits zum wiederholten Mal beenden wollte, gewann fünf Jahre nachdem er bei der Tour des Fremdblutdopings überführt worden war sensationell Gold.

"Ich habe dieses Kapitel hinter mir gelassen", betonte Vinokourov, der 2000 in Sydney bereits Olympia-Silber geholt hatte.

"Gold glänzt nur schwach"

Die Schlagzeilen machte aber auch am Tag seines vielleicht größten Triumphes die Vergangenheit - vor allem in Deutschland, wo Vinokourov schon seit seiner Zeit beim Team Telekom/T-Mobile (2000-2005) an der Seite von Jan Ullrich nicht als sauberster aller Athleten gilt.

"Dieses Gold glänzt nur sehr schwach", meinte etwa die "B.Z." aus Berlin. Am Mittwoch ist dafür endgültig Schluss. Nach dem Zeitfahren beendet der umstrittene Vinokourov seine Karriere.

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