Eisel ganz persönlich: Meine Gold-Favoriten im Check!

Aufmacherbild

Hört man sich nach den Gold-Kandidaten für das Straßen-Radrennen um, kriegt man hier in London allerorts die üblichen Verdächtigen präsentiert.

 

Auch von Österreichs Team-Hälfte Bernhard Eisel. „Mark Cavendish, Fabian Cancellara und Peter Sagan“, hat der Steirer ein Trio ganz oben auf der Rechnung.

 

„Insgesamt haben rund 30 Fahrer Chancen auf eine Medaille“, schickt der 31-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 nach.

 

Seine eigenen Gold-Kurs beziffert er mit 10 Prozent, „je nachdem wie sich das Rennen entwickelt. Bei Olympia ist alles eine Spur kleiner, das macht es schwieriger, das Feld zu kontrollieren“, weiß Eisel.

 

Für LAOLA1 nimmt der Road Captain vom Team Sky und Edelhelfer von Mark Cavendish die Gold-Favoriten unter die Lupe!

MARK CAVENDISH

 

Teamkollege, Freund und auf Trainingslagern auch einmal Bettnachbar. Kaum jemand kennt den amtierenden Weltmeister so gut wie der Steirer. Schon bei der Tour de France war Olympia das große Thema.

 

„Natürlich fährt das im Hinterkopf bei ihm mit, seit einem Jahr wird daheim über nichts anderes gesprochen.“ Die beiden Etappensiegen zum Ende der Frankreich-Rundfahrt waren ein letzter wichtiger Motivationsschub.

 

„Wahnsinn, was da gerade in England abgeht. Die Zeitungen sind voll mit Cavendish und Wiggins, das hat es vorher nicht gegeben.“ Die Taktik des Team UK ist voll auf den Sprint-Superstar von der Isle of Man ausgerichtet. „Alle fahren für Cav!“

FABIAN CANCELLARA

 

Der Schweizer räumte vor vier Jahren in Peking doppelt ab. Silber auf der Straße und Gold im Zeitfahren. 2012 möchte „Fabü“ den goldenen Doppelpack!

 

Dafür – und weil er zum zweiten Mal Vater wurde – ist Cancellara vorzeitig aus der Tour de France ausgestiegen, um sich daheim auf seine Olympia-Mission vorzubereiten.

 

„Fabian ist bei den großen Wettkämpfen immer in Top-Form und nach dem vorzeitigen Ende der Klassiker-Saison (nach Sturz, Anm.) und dem verfrühten Abschied von der Tour noch dazu frischer als die meisten“, so Eisel.

 

Hinzu kommt das starke Schweizer Team: „Mit Gregory Rast und Michael Albasini hat er zwei erfahrene Leute an seiner Seite, da ziehen alle an einem Strang.“

PETER SAGAN

 

Radsport-Insidern ist der Slowake längst ein Begriff, gilt er doch nicht erst seit dem Gewinn des Grünen Trikots für den Punktebesten bei der Tour de France als heißeste Aktie für die Zukunft.

 

Mit drei Etappen gewann er ebenso viele wie Superstar Cavendish. Für Eisel ist klar: „Sagan kann ohne Druck fahren. Gold wäre natürlich ein Super-Coup, wenn er Zweiter oder Dritter wird, ist es schön. Aber Grün nimmt ihm keiner mehr weg.“

 

Dass der 22-Jährige aus Zilina mit den Velits-Brüdern Martin und Peter zwei erfahrene Leute an seiner Seite hat, ist für den Steirer kein Nachteil.

 

Auch wenn ihm seine Landsleute auf der Zielgeraden den Sprint nicht anfahren werden: „Aber nach 260 km wird keiner mehr einen Zug haben – und den brauchst du dann auch nicht mehr!“

 

 

Mit Außenseiter-Chancen gehen ins Rennen:

VINCENZO NIBALI

 

Bei den Italienern konzentriert sich alles auf den Dritten der Tour de France. Für Bernhard Eisel ganz logisch: „Der Rest ist ja gesperrt!“

 

Nibali müsste die Entscheidung allerdings schon früher herbeiführen. „Er muss wieder etwas probieren, wie bei der Tour. Da ist er brav gefahren, aber bei Olympia zählen andere Dinge.“

JOHN DEGENKOLB

 

Im Vorjahr war der Deutsche noch Teamkollege des Steirers bei HTC-Highroad. „Er hat sicher die Qualitäten für eine Überraschung.“ Für sein großes Ziel Olympia „opferte“ der 23-Jährige sogar seine Tour-Premiere.

 

Der Abstand von nur fünf Tagen zwischen Ankunft in Paris und Kampf um Gold in London war Degenkolb zu wenig. „Beides zu hundert Prozent geht nicht.“ Stattdessen hat er sich in der Höhe von Livigno vorbereitet.

 

Dass die Form stimmt, hat der Profi von Argos-Shimano bei der Polen-Rundfahrt bewiesen. „Da hat er eine Etappe gewonnen“, hat Eisel die deutsche Hoffnung am Zettel.

TOM BOONEN

 

Auch der Belgier hat die Tour de France zugunsten von Olympia aus seinem Rennkalender gestrichen. Aktuell wird der 31-Jährige von einer gebrochenen Rippe gehandicapt.

 

Aber „Tom Turbo“ wird trotzdem starten: „Es ist nicht perfekt, aber meine Beine fühlen sich gut an!“ Eisel zeigt sich überrascht, dass Boonen so offen mit seiner Verletzung umgeht, wenngleich „schon länger gemunkelt“ wurde.

 

Hinzu kommt, dass die rekordverdächtige Siegesserie bei den Frühjahrs-Klassikern auch schon wieder eine Zeit lang her ist. „Die Form von damals hat er sicher nicht mehr“, mutmaßt Eisel.

LUIS LEON SANCHEZ

 

Der spanische Zeitfahrmeister gewann bei der Tour de France eine Etappe.

 

„Er ist richtig gut in Form“, traut Eisel dem Namenskollegen von Titelverteidiger Samuel Sanchez, der nach seinem Schlüsselbeinbruch in Frankreich fehlen wird, den Gold-Coup zu.

 

Kleines Manko: Die Teamkollegen der einst großen Radsport-Nation lassen zu wünschen über: „Sanchez ist der einzige Spanier, auf den man aufpassen muss!“

EDVALD BOASSON HAGEN

 

„Edi ist ein Riesen-Radfahrer und ein super Typ!“ Der schnelle Norweger zählt zu den ganz dicken Kumpels von Berni Eisel im Team Sky. „Bei der Tour war er immer vorne dabei, hat wichtige Dienste geleistet.“

 

Schon alleine deshalb würde es der Steirer dem 25-Jährigen aus der Wintersport-Hochburg Lillehammer gönnen, noch einmal vorne mitzumischen.

 

„Auf meiner ganz persönlichen Liste zählt er sicher zu den Top-Favoriten.“

 

Stephan Schwabl

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen