Die letzte Quest des Dakar-Champions

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Nasser Al-Attiyah liebt es schmutzig.

Der Katari wühlt sich seit rund einem Jahrzehnt mit unterschiedlichen Gefährten über Schotterpisten, durch Sanddünen oder enge Schlammtrassen in Wäldern.

Bei den Olympischen Spielen in London wird er sich die Hände nicht schmutzig machen. In London geht er im Tontaubenschießen auf seine erste Goldmedaille los.

„Erinnerungen auslöschen“

Für Al-Attiyah sind es bereits die fünften Olympischen Spiele. „Wie viele Athleten kommen schon auf fünf Olympiateilnahmen? Das ist schon ein Erfolg für sich“, betont der 41-Jährige stolz.

Doch für den Katari, der 2008 in Peking sogar als Fahnenträger seines Landes fungieren durfte, ist Dabeisein längst nicht mehr alles. Bei zwei  15. Plätzen in den Skeet-Bewerben 1996 und 2008 hat Al-Attiyah zwei Top-Platzierungen (Sechster 2000 und Vierter 2004) zu Buche stehen.

Besonders  die „Blecherne“ in Athen wurmt den ehrgeizigen Sportsmann noch immer: „Ich brenne darauf, die schlimmen Erinnerungen an den Verlust der Bronzemedaille im Shoot-Off endlich auszulöschen.“

„Ich habe den entscheidenden Schuss damals nur um einen Wimpernschlag zu spät gesetzt und das schmerzt mich heute noch“, gesteht er. Im Duell um Bronze mit dem Kubaner Juan Miguel Rodriguez hatten beide Kontrahenten damals von 150 Schüssen nur drei daneben gesetzt. Im Shoot-Off musste sich All-Attiyah aber mit 9:10 geschlagen geben.

Von der Rennstrecke ans Gewehr

„Seither will ich nichts mehr als diese Olympische Medaille“, erklärt der 41-Jährige. „Ich habe auch 20 Jahre lang von einem Sieg bei der Rallye Dakar geträumt, ehe ich mir diesen im Vorjahr endlich erfüllen konnte.“

Sein Triumph beim Rallye-Klassiker bedeutete tatsächlich die Krönung seiner bisherigen Motorsport-Karriere. Seit rund zehn Jahren treibt sich der Katari erfolgreich in diversen Offroad-Rennen herum. Sechs durch den Motorsport-Weltverband FIA vergebene Titel in vier verschiedenen Rennserien (darunter auch den WM-Titel der seriennahen Autos 2006) hat Al-Attiyah bis heute zu Buche stehen.

2012 ist er in der Rallye-WM unterwegs, im baugleichen Auto wie Rekord-Weltmeister Sebastien Loeb. Mit Platz vier bei der Portugal-Rallye im April bewies er auch dort sein Talent.

Olympische Spiele statt Rallye-WM

Für die Olympischen Spiele nimmt sich Al-Attiyah eine Auszeit vom Rallye-Zirkus. Den siebenten WM-Lauf in Neuseeland (Ende Juni) lässt er zu Vorbereitungszwecken auf London aus.

Dem Edelmetallgewinn ordnet er heuer alles unter: „Ich werde mich für diese Olympische Medaille ans Limit pushen und mit meinem Trainer und dem Physiotherapeuten alles in der Macht stehende tun. Nach 20 Jahren im Sport kenne ich meinen Körper gut und weiß, was es braucht um Erfolg zu haben.“

Olympia-Quali mit Weltrekord

Sein Olympia-Ticket buchte er mit einem Weltrekord: Bei den Asien-Meisterschaften traf er im Jänner 150 von 150 Tontauben und schloss damit zu einem elitären Kreis auf. Vor ihm war das in der Geschichte des Sports erst zwei Athleten gelungen.

Zu den Meisterschaften war er übrigens erst kurzfristig von der Dakar aus Südamerika angereist, wo er wenige Tage zuvor seinen Hummer nach einigen Defekten abstellen musste.

Mit dem Weltrekord in der Tasche ist Al-Attiyah im Skeet-Bewerb einer der großen Gold-Favoriten. Für Katar, das erst seit 1984 an Olympischen Spielen teilnimmt, wäre es erst das dritte Edelmetall. Leichtathlet Mohamed Suleiman (1500 Meter) holte 1992 in Barcelona ebenso Bronze wie Gewichtheber Said Saif Asaad (bis 105 Kilo) in Sydney 2000.

Michael Höller

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