Diskus-Riese Mayer: "Gibt kein schöneres Gefühl!"

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Die heiße Phase hat längst begonnen: Gerhard Mayer steckt mitten in der finalen Vorbereitung auf seine zweiten Olympischen Spiele.

„Ich absolviere gerade meinen letzten intensiven Wurfblock“, trainiert der Niederösterreicher noch bis 4. August in der Heimat.

Zwei Tage später findet dann sein Wettkampf statt. Die Entscheidung für die relativ knappe Anreise traf der Diskus-Riese ganz bewusst, erzählt er im Gespräch mit LAOLA1.

„Das Dorf ist sicher ganz schön, aber es kann dort auch sehr stressig werden. Da bereite ich mich lieber in Ruhe daheim vor.“

Entwarnung bei der Bettlänge

Wobei das mit der Ruhe relativ ist. „Freunde, Verwandte und Bekannte, alle sprechen mich darauf an. Aber irgendwie bin ich bis jetzt noch nicht an den Punkt gekommen, an dem es mich nervt“, lacht Mayer.

Weniger lustig fand der 1,91-m-Hüne die Nachricht, dass die Betten im Olympischen Dorf nur 1,73 m lang sind. Mittlerweile gab es Entwarnung von Clemens Doppler, dem größten Athleten im ÖOC-Team.

„Am Anfang hat es mich ein bisschen erschreckt, aber vielleicht wäre es sogar ein Vorteil für mich gewesen. Weil meine Konkurrenten sind größer und schwerer als ich, die haben schon bei normalen Betten Probleme.“

Gefühl zählt mehr als Weite

An der Zielsetzung hat sich nichts geändert, Betten-Vorteil hin oder her: Mayer möchte am 6. August ins Finale der besten Zwölf einziehen.

„Ich trainiere jetzt seit einem Jahr für diese Spiele, die große Anspannung baut sich seit zwei, drei Monaten auf. Wenn ich in den Ring steige, weiß ich, dass ich super drauf bin“, hofft der 32-Jährige, dass ihm der Diskus gleich im ersten Versuch gut von der Hand geht.

Ein toller Wurf definiert sich für Mayer aber weniger über die Weite, als über das Gefühl. „Wenn ich spüre, dass ich das Optimum herausgeholt habe, dass es nicht besser gegangen wäre, dann bin ich zufrieden.“

Zwischenschritt Meistertitel

Bei den Staatsmeisterschaften am vergangenen Wochenende hat der ÖLV-Rekordler seinen x-ten Titel geholt. Dass er mit 60,08 Metern deutlich unter seiner Bestmarke blieb, kostet Mayer ein Lächeln.

„Das war nur ein Zwischenschritt aus dem Training heraus, noch dazu nach der intensivsten Woche vor London“, hat er bereits beim Einwerfen gesehen, dass die Form passt.

Beide Versuche gingen deutlich weiter als seine drei Würfe im Wettkampf, dennoch wurde er einmal mehr Staatsmeister außer Konkurrenz: der Zweite warf in Klagenfurt 12,15 m kürzer!

"Alle Augen auf mich gerichtet"

Bleibt noch die Frage nach dem Druck auf seinen breiten Schultern. Immerhin wird die ganze Welt zuschauen, sollte es Mayer ins Diskus-Finale schaffen.

„Ich habe drei Würfe und drei Mal eine Minute, in der alle Augen auf mich gerichtet sind. Ein schöneres Gefühl gibt es nicht.“

Aber kann man dieses Gefühl überhaupt genießen? „Ich versuche es, denn diese Eintrittskarte habe ich mir mit 20 Jahren hartem Training erkauft.“

 

Stephan Schwabl

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