Neue Leistungszentrum und mehr Jugendförderung

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Der achte Platz von Hürdensprinterin Beate Schrott überstrahlt die Bilanz des österreichischen Leichtathletikverbandes (ÖLV) bei den Olympischen Spielen in London.

Damit vielversprechende Talente in Zukunft noch zielgerechter gefördert werden können, nimmt der ÖLV eine Neustrukturierung vor.

Ab Herbst wird es in Österreich zwei Bundesleistungszenten geben und dazu vier Bundesstützpunkte. Dort sollen die Athleten jene Rundumbetreuung bekommen, wie sie in anderen Ländern längst zum Standard gehört.

Sportliche und geistige Ausbildung

Ein Bundesleistungszentrum wird im Raum Wien mit Südstadt und Schwechat angesiedelt, eines im Raum Linz. Standorte für die Bundesstützpunkte sind Dornbirn, Innsbruck, Salzburg-Rif und Graz.

"Wichtig war uns, dass Heeressport-Leistungszentren und Universitäten oder Fachhochschulen in der Nähe sind, damit die Sportler ihren Ausbildungen nachgehen können", sagte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber im Gespräch mit der "APA".

Inbegriffen soll die Betreuung der Athleten im medizinischen und physiotherapeutischen Bereich sein, die dringend gebündelt und verbessert gehöre.

Mehr hauptberufliche Trainer

Evaluiert werden soll auch das Nationaltrainer-System, mehr Hauptamtlichkeit sei dringend notwendig, da wird man auf Unterstützung von Bund und Land angewiesen sein.

"Fast alle Trainer haben einen Hauptberuf, zum Beispiel Philipp Unfried oder Gregor Högler, die den Sport mehr oder weniger in ihrer Freizeit machen. International betrachtet geht das nicht mehr", sprach Gruber nur zwei der vielen Idealisten an.

Unfried trainiert Schrott, Högler die Werfergruppe mit Gerhard Mayer (Diskus), Elisabeth Eberl und Elisabeth Pauer (beide Speer).

Talente müssen mehr gefördert werden

Die sechs Zentren sollen auch mit den Landesleistungszentren gekoppelt sein, wo gezielt Nachwuchsarbeit gemacht werden soll.

"Man darf nicht nur die Spitze betreuen, sondern auch die Nachwuchskaderathleten. Der Talentepool muss größer werden. Alle Orte haben zum Beispiel auch ein Sport-BORG", sagte Gruber.

Gruber begrüßt die zuletzt getätigten Aussagen von ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, der Bedarf an der Weiterentwicklung der Olympiazentren sieht.

"Das deckt sich mit unserer Idee. Wir möchten uns mit dem ÖOC zusammensetzen und gemeinsam an einem Strang ziehen. Ich bin überzeugt, dass es nur so weitergeht. Man muss die Ressourcen bündeln, die finanziellen und die personellen. Man braucht sich nur Deutschland ansehen. Dort gibt es 23 Zentren, alle Athleten sind dort und haben Rundumbetreuung."

ÖLV-Olympia-Bilanz

Die sieben Österreicher in London schnitten unterschiedlich ab. "Das Team hat sich ganz gut präsentiert. Sensationell war Beate Schrott, sehr gut Ivona Dadic, solide Gerhard Mayer und Andrea Mayr. Mehr erwartet haben wir uns von Andreas Vojta und Elisabeth Eberl", bilanzierte Gruber. Günther Weidlinger schied am Schlusstag im Marathon mit einer Verletzung aus.

Mit dem Finaleinzug in der absoluten Weltklasse angekommen sei Schrott, ihr stehen nun Türen und Tore zu den größten Meetings offen.

"Bei der EM in Helsinki hat ihr als Vierte eine Hundertstel gefehlt. Sie hat gesagt, wer weiß, wofür es gut war. Jetzt wissen wir es, es hat ihr in London den Finaleinzug gebracht", meinte Gruber und lobte seine selbstkritische Athletin:

"Es hat sie gewurmt, dass im Finale eine 13er-Zeit stand. Ich bin überzeugt, dass sie noch viele Erfolge haben wird."

Aufsteigerin des Jahres

Die 18-jährige Siebenkämpferin Dadic kam als 25. bis auf 24 Punkte an ihren ÖLV-Rekord heran, für Gruber ist sie "die Aufsteigerin des Jahres".

Die vom oberösterreichischen Landestrainer Wolfgang Adler (ist für viele Sportler zuständig und soll Assistenz bekommen) betreute Athletin wird ab Oktober ihre Grundausbildung beim Bundesheer absolvieren.

Im Marathon wurde Andrea Mayr 54., ihre Zeit von 2:34:51 Stunden war die fünftschnellste einer Österreicherin überhaupt und wäre gemessen an den Umständen (u.a. 100 Höhenmeter) und dass alle Teilnehmerinnen ein paar Minuten liegen gelassen haben eine 2:30 wert.

Eberl fehlte die Praxis

Gerhard Mayer (24.) fehlte mit 60,81 m der tolle Wurf der Helsinki-EM (Achter), für den Finaleinzug wäre eine Weite von 63,55 notwendig gewesen, die er 2011 und 2012 noch nicht erbracht hat.

Es war vom Niveau her einer der besten Diskuswettkämpfe überhaupt. "Er muss kontinuierlich weiterarbeiten, dass er wieder in den Bereich seiner persönlichen Bestleistung von 65,24 m kommt", sagte Gruber.

Eberl fehlte nach ihrer Knie-Operation im Juni die Wettkampfpraxis (37.), Vojta schied im 1.500-m-Vorlauf als Gesamt-36. aus.

"Eine gründliche Analyse ist noch nicht erfolgt. Offensichtlich waren die zwei Unterbrechungen des Höhentrainings nicht optimal", meinte Gruber.

Vojta darf noch lernen

Die erste Unterbrechung war die EM in Helsinki, in der ein starker Vojta ins Finale einzog. Die zweite war jene für Olympia-Einkleidung und Verabschiedung.

"Er hat noch keine umfangreiche Höhentrainingserfahrung. Er hat zuletzt eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Aber er ist auch erst 23 Jahre und darf noch lernen."

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