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Blake fügt Bolt schwere Niederlage zu

Und plötzlich gibt es einen ernstzunehmenden Konkurrenten.

Ein Abend in Kingston hat die Ausgangslage vor den Olympischen Spielen in London schwerwiegend verändert.

Ein Ausrufezeichen

Die Frage, wer den 100-Meter-Sprint gewinnen würde, stellte sich nicht. Sondern nur, in welcher Fabelzeit Usain Bolt die Strecke hinter sich bringen kann.

Doch bei den jamaikanischen Trials hat Yohan Blake ein Ausrufezeichen gesetzt. Und was für eines!

Klar, der 22-Jährige holte im Vorjahr bereits WM-Gold in dieser Disziplin. Doch das in Abwesenheit des großen Dominators, der wegen eines Fehlstarts disqualifiziert worden war.

Bolt hinkt nur hinterher

Diesmal aber hat der Youngster den Superstar in einem gemeinsamen Rennen besiegt. In sensationeller Manier.

„9,75, das ist überwältigend!“, konnte er die Zeit, mit der er die Ziellinie überquerte, selbst kaum fassen. Das macht ihn hinter Bolt (9,58), Tyson Gay (9,69) und Asafa Powell (9,72) zum viertschnellsten Mann aller Zeiten.

Und Bolt? Der hinkte hinterher. 9,86 Sekunden – für 99 Prozent der Sprinter eine Glanzzeit, für den 25-Jährigen aber gerade einmal Durchschnitt. Und das wenige Wochen vor Olympia.

Keine Lockerheit, keine Späßchen

Es war nicht der „Lightning Bolt“, den man kennt, der an diesem Abend in Kingston antrat. Schon im Semifinale konnte er nicht überzeugen, die Lockerheit fehlte, keine Späßchen vor dem Start, todernste Miene.

Zwei Mal kam der Superstar richtig schlecht aus den Startblöcken. „Ich musste das ignorieren“, sagte er nur. Zum Sprechen war ihm nicht zumute. Ein Shakehands mit Blake, ein paar Klapse auf den Hinterkopf der restlichen Läufer – auch Powell, der in 9,88 Dritter wurde, und weg war er.

"Er wird es überleben"

Sein Trainer Glen Mills nahm es da schon lockerer: „Er ist ein harter Keks. Ich denke, er wird es überleben.“ Doch die Gelassenheit des Coaches hat einen guten Grund: Er trainiert auch Blake.

Der Weltmeister ist auf einen Schlag zum ernsthaften Mitfavoriten auf Olympisches Gold geworden. „Gar kein Druck“, sagt er dazu nur. Kein Wunder, denn der lastet schwerer denn je auf Bolt.

Im Damenrennen triumphierte Fraser-Pryce in neuem Landesrekord, die bisherige Saisonbestmarke von Carmelita Jeter (USA/10,81) verbesserte sie deutlich.

Gatlin verzichtet auf Trials-Start

In der gesamten Geschichte jemals schneller waren bisher lediglich die US-Sprinterinnen Florence Griffith-Joyner (10,49), Carmelita Jeter (10,64) und Marion Jones (10,65). Platz zwei ging an die zweifache Olympiasiegerin über 200 m, Veronica Campbell-Brown (10,82). Das dritte Olympia-Ticket ergatterte Kerron Stewart (10,94).

Bei den US-Trials in Eugene verzichteten über 200 m der WM-Zweite Walter Dix und Justin Gatlin auf einen Start in den Vorläufen. Sie werden somit in London über diese Strecke nicht auf Olympiasieger und Weltrekordler Bolt treffen.

Die beste Zeit erzielte Wallace Spearmon mit 20,17 Sekunden. Bei den Frauen liefen die Weltjahresbeste Sanya Richards-Ross (22,15) und die dreimalige Weltmeisterin Allyson Felix (22,30) souverän ins Finale.

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