Tennis-Endspiele versprechen Historisches

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Das Traum-Finale aus Sicht der Gastgeber der XXX. Olympischen Sommerspiele im Herren-Tennis ist perfekt:

Exakt vier Wochen nach dem Wimbledon-Endspiel, das mit dem siebenten Titel für Roger Federer geendet hatte, stehen sich der Schweizer und der Schotte Andy Murray auf dem "heiligen" Rasen von Wimbledon erneut gegenüber.

Diesmal geht es allerdings um weit mehr als einen Grand-Slam-Titel, hoffen doch beide auf den Olympiasieg.

Episches Match von Federer

Andy Murray rang am Freitagabend den als Nummer zwei gesetzten Serben Novak Djokovic nach exakt zwei Stunden mit 7:5,7:5 nieder.

Bereits zuvor hatte sich Federer in einem epischen Match, das der Weltranglisten-Erste erst nach 4:26 Stunden mit 3:6,7:6(5),19:17 gegen Juan Martin Del Potro aus Argentinien gewann, seine erste olympische Einzelmedaille gesichert.

In einem mitreißenden Match rang der Eidgenosse den an diesem Tag besonders stark agierenden Südamerikaner nieder und hofft nun nach dem Gold im Doppel von 2008 auf sein erstes Einzel-Gold.

Del Potro "noch nie so stark"

Der sportliche Federer hatte im Moment des Triumphes auch wieder Mitgefühl für den Gegner.

"Ich war für ihn sehr traurig", sagte Federer, "es war eine sehr emotionale Umarmung. Er sollte sehr stolz auf seine Leistung sein, ich habe ihn noch nie so konstant stark gesehen, schon gar nicht auf Rasen", lobte der "Rasen-König" seinen Kontrahenten.

Er selbst war freilich äußerst glücklich. "Ich bin natürlich enorm froh. Das ist die erste Medaille für die Schweiz und das hat mich durch das Match getragen. Emotional bin ich aber völlig erschöpft, weil ich so häufig gegen den Matchverlust servieren musste", erinnerte Federer an den extrem langen dritten Satz.

Es war überhaupt das längste Drei-Satz-Match in der offenen Profi-Ära.

Persönlicher "Golden Slam"

Federer fehlt damit nur noch ein Sieg zum einzigartigen Double in der Tennisgeschichte, dem Doppelschlag "Wimbledon und Olympia-Gold in Wimbledon", dem vielleicht wertvollsten Erfolg seiner unvergleichlichen Karriere, in der er Erfolge an der Church Road ohnehin über alles stellt.

Mit einem Finalerfolg würde er sich nicht nur seinen Bubentraum erfüllen, sondern auch den persönlichen "Golden Slam" vollenden.

Seit London 2005 die Spiele zugesprochen erhielt, ist man sich in Tennis-Kreisen der Einmaligkeit dieser Gelegenheit für die aktuelle Tennis-Generation bewusst.

Federer denkt nicht an Historie

Federer hat versucht, in den Wochen nach seinem Triumph bei den All England Championships nicht regelmäßig daran zu denken:

"Nach Wimbledon war ich in der Euphorie über den Titel, die Rückeroberung der Nummer 1 und das Erreichen des Rekords von Pete Sampras. In den Ferien habe ich praktisch gar nicht daran gedacht. Ich tue es erst so richtig, seit ich hier bin. Wenn ich mich tagtäglich damit beschäftigt hätte, hätte das viel Energie gekostet", weiß Federer.

Lächeln statt Tränen

Nun hat Murray am Sonntag im Finale, in dem im Gegensatz zum bisherigen olympischen Turnier wieder auf drei Gewinnsätze (best-of-five) gespielt wird, die Chance, Federer seinen großen Traum zu vermasseln.

Noch vor vier Wochen hatte er die Tränen ob des verpassten ersten Grand-Slam-Triumphs für sich und ein Land, das seit 1936 auf einen Grand-Slam-Titel wartet, auf dem Center Court nicht zurückhalten können.

Möglicherweise hat gar Murray am Ende ein Lächeln auf den Lippen.

Auch Damen-Endspiel hochklassig

Schon am Samstag kommt es zu einem ebenfalls hochklassigen Damen-Endspiel: French-Open-Siegerin Maria Sharapova trifft auf die vor vier Wochen zum fünften Mal zur Wimbledonsiegerin gekürte Serena Williams.

Es ist ein Finale der Topstars dieses Sports, Sharapova ist gar die bestbezahlte Sportlerin der Welt. Für die Russin ist es ebenso wie für den US-Star die Chance, ihren bisherigen Karriere-Grand-Slam zum "Golden Slam" zu veredeln.

Sharapova könnte sich zudem im Falle von Olympia-Gold wieder zur Nummer 1 der Welt küren, da Victoria Azarenka schon im Halbfinale ausgeschieden ist.

Azarenka war gegen Williams beim 1:6,2:6 in 63 Minuten chancenlos, und auch Sharapova konnte beim 6:2,6:3 über Landsfrau Maria Kirilenko Kräfte sparen.

Für die Halbfinal-Verlierer ist im Gegensatz zu vor vier Wochen das Turnier aber noch nicht vorbei. Azarenka und Kirilenko bzw. Djokovic und Del Potro spielen am Wochenende noch um Bronze.

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