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Jack Johnson: Soul-Surfer mit Gitarre in Wiesen

Parallelen zwischen Wiesen und Oahu zu finden ist schwierig.

Hier das 2.800-Einwohner-Dorf im Bezirk Mattersburg. Beschaulich, idyllisch und für seine besonders roten Erdbeeren bekannt.

Dort, das in diesem Fall tausende Kilometer entfernt ist, die mit einer knappen Million Einwohnern drittgrößte der acht hawaiianischen Hauptinseln.

Honolulu, die Hauptstadt des 50. US-Bundesstaates, ist auf Oahu, Pearl Harbor und natürlich jede Menge Traumstrände, zum Beispiel in Waikiki, die Jahr für Jahr tausende (vornehmlich japanische) Touristen nach Hawaii locken.

Abgehärtet am North Shore

Bei den Touristen-Surfern ist vor allem Pupukea sehr beliebt, die Strände an der Westküste der Insel bieten perfekte Bedingungen für Wellenreiter.

Hier hat auch Jack Johnson seine ersten Turns in den Pazifischen Ozean gezogen, im Alter von fünf Jahren.

Aber schon bald zog es ihn an den North Shore, wo die Brandung am größten ist, die Wellen so brutal sind wie nirgendwo sonst.

"Es hat mich übel erwischt"

In diesen Bedingungen perfektionierte Johnson früh seinen Surfstil. Noch vor dem Abschluss der High-School hatte er einen Ausrüster-Vertrag mit Quiksilver.

Mit nur 17 Jahren ist er bis heute der jüngste Finalist bei den Pipe Trials, einem der größten Surf-Contests weltweit.

Aber dann, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, wurde das aufstrebende Talent abgeworfen, ausgerechnet von einer Welle.

„Ich hatte einen bösen Wipe-Out und lag mehrere Monate im Krankenhaus. Es hat mich übel erwischt, mit etlichen Knochenbrüchen und Schädelbasisbruch“, erinnert sich der heute 36-Jährige nur zu gut an die Zeit, die er ans Krankenbett gefesselt war.

"Die Leichtigkeit war weg"

„Es war für mich das erste Mal, dass ich die volle Wucht des Elements zu spüren bekam, das bis dahin mein zweites Zuhause war.“

Schwerverletzt hatte Johnson Zeit zum Nachdenken. Über seine Zukunft und die Angst davor.

„Als ich wieder aufs Brett gestiegen bin, war die Leichtigkeit von vor dem Unfall weg. Das hat mir den Entschluss, Hawaii zu verlassen, sehr erleichtert.“

Durch einen Zufall

Johnson schrieb sich an der University of California ein, um Film zu studieren. Mit Filmen wie „Thicker than Water“ oder „September Sessions“ sorgte er für Aufsehen in der Surf-Szene.

Dass er am Ende des Tages aber als Musiker Karriere machen würde, hat Johnson einem Zufall zu verdanken. Wie so vieles in seinem Leben.

„Es war alles eine Verkettung von Zufällen. Auf Hawaii hat mich ein Typ angesprochen, ein Surfer wie ich, der meinte, dass ihm meine Platte gut gefallen hätte und ob ich bald etwas Neues herausbringen würde. Ich wusste nicht wovon er sprach, ich hatte bis dahin gar kein Album veröffentlicht.“

"Ich hatte keine Ahnung"

Erst später wurde Johnson klar, dass der Surfer den Soundtrack von „Thicker than Water“ meinte, der im Internet bereits als Bootleg einiges an Aufmerksamkeit erregt hatte.

„Ich war der einzige, der davon keine Ahnung hatte. Aber durch das positive Feedback habe ich mich das erste Mal ernsthaft mit der Idee auseinandergesetzt, weiter Musik zu machen.“

100 Wochen in den Charts

Seit seinem 14. Lebensjahr spielt Jack Johnson Gitarre. Was mit „One“ von Metallica, „Father and Son“ von Cat Stevens und vielen schiefen Tönen begann, ist heute eine Weltkarriere.

2001 erschien das erste Album „Brushfire Fairytales“, der Rest ist Geschichte. In seinem Plattenstudio auf Hawaii hängen Platin- und Gold-Schallplatten aus der ganzen Welt.

In Österreich waren seine Alben insgesamt 100 Wochen in den Charts. Mit seinem aktuellen Album „To the Sea“ kommt Johnson - mit Special Guest Milow - am Donnerstag nach Wiesen in die „Ottakringer-Arena“ (Tickets gibt's hier).

Gelogen wird nicht

Auf der CD macht „JJ“ eine Reise zu seinem Innersten und zurück und nimmt seine Fans und Zuhörer ein Stück mit. „I can’t tell you anything but the truth“ singt der vielseitige Künstler und bringt es damit auf den Punkt.

Jack Johnson will seine Fans nicht belügen, ihnen nichts vormachen oder vorspielen. Wo Jack Johnson draufsteht, ist Jack Johnson drin.

Egal ob auf seinen Platten, seinen Filmen, beim Surfen oder auch bei den verschiedensten Non-Profit-Projekten.

Und wenn er sagt, dass er selbst nicht glauben kann, was er da losgetreten und welche Aufmerksamkeit er durch die Musik bekommen hat, dann ist auch das ehrlich gemeint.

Stephan Schwabl

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