Österreichs neue Olympia-Hoffnung

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Mit dem Gewinn des Austria-Top-12 am Montag in Wels hat Amelie Solja erstmals in Österreich Tischtennis-Schlagzeilen geschrieben, deren mehr sollen folgen.

Die noch bis zum 29. September 20-jährige gebürtige Deutsche ist seit dem Frühjahr österreichische Staatsbürgerin, will für ihre neue Heimat auch international anschreiben.

In näherer Zukunft ist das außer auf Pro-Tour-Ebene im nächsten Frühjahr in der Olympia-Qualifikation möglich.

Tischtennis im Blut

Solja ist Teil einer Tischtennis-Familie. Ihr Vater Pavel stammt aus Tschechien, spielte dort in der nationalen Liga.

Mutter Dagmar war im deutschen A-Kader und die derzeit auf Weltranglistenplatz 100 liegende 17-jährige Schwester Petrissa hat im Jänner in der Werner Schlager Academy (WSA) das europäische Jugend-Top-10 gewonnen.

Dort will am Freitag auch Amelie Solja auf sich aufmerksam machen, als zweitbeste der teilnehmenden Österreicherinnen in der Weltrangliste steht sie per Wildcard fix im Hauptbewerb.

Zurück unter die 100

"Es kann aber durchaus sein, dass ich in meinem ersten Match Außenseiterin bin", meinte die beim TTC Villach in der Bundesliga spielende Solja am Mittwoch zwischen zwei Trainingseinheiten in der WSA.

Da der Cut für den Hauptbewerb bei 51 liegt, drohen der derzeit im Ranking auf Position 132 liegenden Solja einige Top-100-Spielerinnen.

In die Top 100 will aber auch sie wieder, im Jänner 2008 lag die noch bis Jahresende in U21-Bewerben spielberechtigte Akteurin exakt auf Rang 100.

Keine Perspektive mehr

Angesichts ihrer Erfolge ist Solja das allemal zuzutrauen. 2007 wurde sie Jugend-WM-Dritte, 2008 gar -Zweite - für eine Europäerin ein sensationeller Erfolg.

In der allgemeinen Klasse erreichte sie 2008 in St. Petersburg mit der Weißrussin Tatjana Kostromina das EM-Doppel-Viertelfinale. Bis dahin hatte sie einige Nationalteam-Einsätze absolviert.

Doch im März 2009 kam der Schock. "Ich habe eine Mail vom deutschen Verband erhalten, dass ich keine Perspektive mehr habe, nicht zu Training und Turnieren kommen brauche."

Nicht üblich

Auslöser war das Verbot ihrer auf der Rückhand gespielten Noppen im Juli 2008, Solja entschloss sich daraufhin zu einem wenig gebräuchlichen, sehr glatten Rückhand-Belag.

Das machte ihr Spiel noch unorthodoxer, für den deutschen Verband offenbar zu sehr. "Fast niemand auf der Welt spielt sonst wie ich. Daher tun sich alle mit meinem Spiel sehr schwer."

Einige beachtliche Pro-Tour-Ergebnisse bestätigen das. Solja musste jedenfalls handeln, fand zu Villach und letztlich zur Staatsbürgerschaft.

Li Qiangbing Feuer machen

"Mein Traum ist, international zu spielen", gab die in Wörth am Rhein bei Karlsruhe aufgewachsene Solja an. "Und ich möchte mich für die Olympia-Qualifikation empfehlen."

Liu Jia ist über die Weltrangliste qualifiziert, bleibt für die ÖTTV-Damen maximal ein Platz im Einzel frei. Derzeit sieht es aus, als ob außer Li Qiangbing vom 11. bis 15. April in Luxemburg Solja in die Europa-Qualifikation um weitere London-Plätze geschickt wird.

Außenseiterchancen hat die 17-jährige Sofia Polcanova, eine gebürtige Moldawierin.

Literarische Ader

Bei EM und WM ist Solja für Österreich erst ab 2018 spielberechtigt. "Das muss ich akzeptieren", sagte sie trocken. Sie trainiert bei Linz AG Froschberg, wohnt auch dort.

"Ihre Schwester Petrissa auch manchmal", verriet Froschberg-Manager Günter Renner. Privat sieht Solja nur Tischtennis-Videos, mit einem Trainingscamp im August in China hat sich ihr ein Traum erfüllt.

Und sie schreibt ein Buch - über ihr Tischtennis-Leben. "Schriftstellerin wäre ein schöner Beruf. Ich könnte Romane erzählen vom Tischtennis."

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