Tag des Kaffees: Sud-Leserei im Lebens-Elexier

Aufmacherbild
 

Die Wohnung von Bernhard Sieber ist (quasi) aufgeräumt, das Wohnzimmer von Sonnenstrahlen geflutet.

Doch das ist alles Nebensache, denn die Musik spielt in der Küche.

LAOLA1 hat sich anlässlich des Tags des Kaffees am 1. Oktober beim österreichischen Ruder-Aushängeschild zu einem eben solchen eingeladen.

Abseits seiner sportlichen Leidenschaft ist der 24-Jährige nämlich ein ausgesprochener Kaffee-Gourmet. Sogar einen Barista-Kurs absolvierte der Wiener, der damit praktisch ein perfekter Gesprächsparnter ist, um über die Verbindung von Sport und jenem Getränk, welches der Legende nach die Türken bei deren zweiten Belagerung nach Wien brachten, zu philosophieren.

Zurück in Siebers Küche

In der Ecke steht sie. Eine silber-glänzende Kaffee-Maschine mit einem orangen und einem grünen Lämpchen.

„Das ist eine ECM“, erklärt der im Präsentations-Modus agierende Sieber. Eine italienische Kaffee-Maschine, die in Deutschland produziert wird, stellt sich bei weiterem Zuhören heraus. „Ohne viel Schnick-Schnack, einfach nur Kaffee“, erläutert der Leichtgewichts-Ruderer, der mit Bruder Paul im Doppel-Zweier U23-Weltmeister 2012 wurde.

Da die Dame des Hauses, Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits in einem Trainingslager ist, kann Sieber beim Vorführen seiner Barista-Qualitäten – den Kurs bekam er von seinem Freundeskreis zur Sponsion geschenkt – ohne Rücksicht auf Verluste schalten und walten. So wirkt es zumindest.

Atmen muss er

Als erstes gehen wir der wichtigsten aller Fragen des Tages nach. Wie macht man guten Kaffee?

Vorneweg: Auf die Bohne kommt es an. Sieber räumt zwei verschiedene Kaffee-Packungen hervor. Die erste bringt Bohnen zum Vorschein, die verschieden groß und geröstet sind. „Das ist eine billige Kaffee-Sorte“, holt Sieber zum Vergleich eine sehr gleich aussehende Auswahl aus dem zweiten Päckchen hervor.

Generell müssen die Bohnen atmen können, weshalb jedes Kaffee-Säckchen auch ein kleines Loch hat. „Aus Kapseln kann somit gar kein hochwertiger Kaffee kommen“, legt sich unser Brühmaestro fest.

Die richtige Crema

Abgesehen vom Mahlgrad der Bohnen-Mühle stehen Sieber bei seiner Maschine, deren Kostenpunkt bei etwa 800 Euro liegt, nur zwei Parameter zur Verfügung: Der Druck, mit dem er den Kaffee manuell in das Durchlauf-Sieb drückt, sowie den Durchlauf-Druck des Wassers.

„Es heißt, dass das heiße Wasser 25 bis 30 Sekunden durch den Kaffee benötigen soll“, erklärt er.

Gesagt, getan. Heraus kommt ein Espresso, der aber augenscheinlich nicht den Ansprüchen des Kaffee-Feinschmeckers genügt. „Die Crema könnte besser sein“, meint er und mahlt beim nächsten Versuch die Bohnen etwas feiner. „Je länger die Bohnen schon herumstehen, umso trockener sind sie, desto feiner soll man sie mahlen.“

Und tatsächlich ist die Crema, jene gold-braune Schaum-Decke, die den Kaffee bedeckt, tatsächlich ausgeprägter. „Eine gute Crema öffnet sich beim Hineinblasen und schließt sich dann wieder“, führt Sieber aus.

Gesund. Tatsächlich.

Die Siebers wechselten in einer durchwachsenen Saison ihren Trainer

Seine Vorliebe für Kaffee ist im Laufe der Jahre gereift. „Irgendwann sitzt du dann in einem Café und denkst dir: Naja, das ist jetzt nicht das Wahre.“ Mitbeeinflusst durch seinen Bruder wuchs das Interesse sowie die Auseinandersetzung.

Auch im Sport wurde es zum ständigen Begleiter des Leichtgewichts-Doppelzweiers. „Eine gute Tasse Kaffee sowie ein Red Bull gehören zu einem Wettkampf dazu“, meint der von Red Bull und Ströck gesponserte Sportler.

Doch wie beeinflussen Kaffee und insbesondere das enthaltene Koffein die sportliche Leistungsfähigkeit tatsächlich? Mit dieser Frage konfrontiert LAOLA1 Ernährungsexperten Doktor Kurt Moosburger.

Die gute Nachricht gibt’s vom Tiroler vorneweg: „Kaffee ist gesund.“

„In Maßen genossen“, schickt der Mediziner hinterher. Genauer gesagt sind es die enthaltenen Anti-Oxidantien, welche die Zahl der freien Radikalen im Organismus senkt. Letztere werden gemeinhin für das Altern der Organe sowie Zellschäden mitverantwortlich gemacht.

Myth-Buster

Aber zurück zum Sport. Hier muss Moosburger mit einer Reihe von Mythen aufräumen. „Aus leistungsphysiologischer Sicht ist Kaffee zu begrüßen, aber man darf sich keine Wunderdinge erwarten. Weder die Leistung, noch die Fettverbrennung werden gesteigert“, berichtet er von vorliegenden Studien.

„Auch, dass man dadurch beim Marathon besser die Fett-Reserven angreifen und in weiterer Folge beim Glykogen-Speicher sparen kann, stimmt nicht.“

Insofern kann die Einschätzung, Kaffee sei eine Art "legales Dopingmittel", als Irrglaube abgetan werden, da die positiven Zuschreibungen zumeist nicht belegbar sind. Und um im Urin eine Koffein-Konzentration zu erreichen, welche tatsächlich in den meisten Sportarten als Doping gilt, reicht bloßes Kaffee-Trinken ohnehin nicht aus.

Ebenso unter die Kategorie Mythos fällt die oft berichtete Dehydrierung. „Zunächst kann es schon sein, dass Harndrang einsetzt, betrachtet man jedoch die Tagesbilanz, fällt auf, dass diese ausgeglichen bleibt“, erklärt Moosburger, dass Kaffee „nachhaltig nicht entwässernd“ wirkt.

Einbildung reicht

Sieber, der mit seinem Bruder heuer ein „Lernjahr mit vielen Ups and Downs“ durchmachen musste, kennt die vielen positiven Zuschreibungen, die Sportlern Kaffee machen. „Ich habe es selbst aber schon ausgetestet und weiß, dass es bei mir leistungsmäßig keinerlei Unterschied macht“, meint er, während er einen Cappuccino („Wenn Milch im Spiel ist, immer einen etwas säuerlichen Kaffee wählen, damit er sich geschmacklich gegen die Milch behauptet.“) anrichtet.

Für ihn sei Kaffee deshalb auch kein Mittel zum Zweck, sondern ein reines Genussmittel.

Dennoch gibt es eine ganze Reihe an Athleten, die auf Kaffee vor einem Wettkampf schwören. Wie etwa beispielsweise 3.000m-Läuferin Jennifer Wenth. Das Leichtgewicht wirft drei Stunden vor einem Start einen doppelten Espresso ein, um richtig auf Touren zu kommen.

„Dies ist ein reiner Placebo-Effekt“, ist sich Moosburger sicher. „Wenn der Sportler aber daran glaubt, soll er es machen.“ Mit zu viel Kaffee würde man sich durch künstliches Hochschießen des Herzschlags ohnehin nur schaden.

„Starker“ Geschmack

Die Menge an Koffein, welches in Form von Teein auch im Tee enthalten ist, werde gerne überschätzt. Moosburger: „Ein Red Bull etwa hat nicht mehr Koffein als ein großer Brauner. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade enthält sogar mehr Koffein.“

In Relation zum Geschmack steht der Koffein-Gehalt ohnehin nicht. Das behauptet zumindest Sieber. „Wenn jemand meint, dass ein Kaffee stark schmeckt, dann bezieht er sich für gewöhnlich auf den Röstgrad der Bohnen. Schmeckt er recht stark, dann liegt es daran, dass die Bohnen zu Tode geröstet wurden.“

Vom Nährstoffgehalt ist Kaffee eine sehr dünne Angelegenheit. Schwarz und ohne Zucker ist er kalorienlos. Ein Würfelzucker bringt es in der Regel auf deren 16 Kalorien – eine im Sport irrelevante Größe. Bei einem Red Bull bzw. einer Tafel Schokolade sehe es freilich schon wieder anders aus.

Manager-Leiden

Für Sieber spielen die Nährstoff-Gehalte von Kaffee und Co. nur eine sekundäre Rolle. Obwohl er als Leichtgewicht auf 70 kg Lebendmasse runter muss, ist das nur ein kleiner Teil seiner Ernährung.

Ein Aspekt, auf den auch Moosburger eindringlich hinweist: „Wichtig ist eine ausgeglichene Ernährung. Wenn du dich wie manche Manager nur von Kaffee und Zigaretten ernährst, ist das Koffein nicht gesund.“

Im Hause Sieber läuft die Kaffee-Verkostung indes freilich ohne Nikotin, dafür aber mit Apfelstrudel als Unterlage. Und wie es bei einer guten Tasse Kaffee nunmal so ist, entfernt sich das Gesprächsthema dann recht schnell vom schwarzen Getränk hin zu anderen Themen wie Olympia 2016 und seiner Beziehung mit der Snowboard-Queen. Doch insbesondere letzteres ist und bleibt sein Kaffee.

Reinhold Pühringer

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen