"Ein fades Leben ist nicht meine Baustelle“

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Weltrekordhalter, Olympia-Vierter, Vize-Staatsmeister, Unternehmensgründer, Modedesigner und, und, und. Das ist Reini Sampl.  

Beim "Wings for Life World Run" am 3. Mai wird der leidenschaftliche Rallyefahrer Sampl, als "Catcher" an den Start gehen. Seine Aufgabe ist klar: "Ich bin die bewegliche Ziellinie. Ich fahre nach einer halbe Stunde los und wen ich einhole, für den ist das Rennen vorbei."

"170 km/h leichter als 30 km/h"

Mit einem BWX X4 ausgestattet, wird der Salzburger sich auf die Jagd nach den knapp 7.000 Teilnehmern in St. Pölten begeben. Doch birgt die Catcher-Position viele Herausforderungen: "Es ist definitiv kein Zuckerschlecken, mit drei Mann im Auto zu sitzen und als bewegliche Ziellinie die Strecke abzufahren. Aus meiner Erfahrung fährst du leichter 170 als 30 km/h."

Der mühsamste Part des Catcher-Jobs ist die Geschwindigkeit: "Du fängst mit 15 km/h an und steigerst das Tempo konstant. Wenn dann der Sieger 70 Kilometer läuft, sitzt du schon mal fünf Stunden im Auto."

Reini Sampl bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin

Den Spitzensport hatte Sampl schon in jungen Jahren als großen Traum vor sich gesehen. Früh begann der gebürtige Lungauer mit dem Skifahren und bestritt seine ersten Rennen. Sein Erstes gewann er bereits mit vier Jahren.

Das neue Leben beginnt

Im Winter 1996 wurden durch einen schweren Trainingssturz alle Träume zunichte gemacht. Diagnose: Kompressionsfraktur von drei Wirbeln mit der Folge einer Querschnittslähmung.

"Ich bin mit hoher Geschwindigkeit über eine Geländekuppe gefahren. Der Sprung ging so weit, dass ich im Flachen gelandet bin. Dem hohen Druck der Landung haben meine Wirbel nicht standhalten können. Unmittelbar nach der Landung setzte die Lähmung ein und ich kam zu Sturz," fasst Sampl jene Sekunden zusammen, die sein Leben von Grund auf geändert haben. Seit damals sitzt er im Rollstuhl.

Die Herausforderung mit der Behinderung umgehen zu müssen nahm er sofort an. Doch Sampl sah es nie als Chance, da er auch vor seinem Unfall ein zielorientierter Mensch war: "Du bleibst im Kopf der Selbe. Ich war immer schon ehrgeizig und wollte Neues kennenlernen und erfahren. Es klingt vielleicht blöd, aber die Behinderung war kein Grund für mich, irgendetwas an meinem Leben zu ändern."

Olympia kann kommen

Ein Jahr nach seinem Sturz fuhr Sampl wieder Ski – Monoski in Salzburg und schaffte es bis ins A-Nationalteam, für das er bei vier Paraolympischen Spielen (Salt Lake City 2002, Turin 2006, Vancouver 2010 und Sotschi 2014) an den Start ging. Nach den Spielen in Russland beendete Sampl seine Karriere auf der Skipiste und entschied sich für mehr Speed.

Legende Ilka Minor war Sampls Co-Pilotin

Es folgte ein Ausflug in den Rallyesport. Über seine Passion mit den schnellen Boliden gesprochen, gerät der 42-Jährige ins Schwärmen: "Wenn ich das Auto bei 170 voll spüre, erlebe ich ein Gefühl von Freiheit."

Sampl, der Botschafter

Vor einem Jahr wurde Sampl von Red Bull erstmals kontaktiert. "Es kam die Anfrage, ob ich in einem Catcher-Car beim Run in St. Pölten an den Start gehen möchte. Ich überlegte keine zwei Sekunden."

Auf den Run in St. Pölten freut sich der Wings-for-Life-Botschafter schon riesig: "Ich war schon letztes Jahr mit dabei. Am Start ist die Stimmung genial. Es ist wirklich etwas Besonderes und ich freue mich schon auf das Event."

Langeweile durch die monotone Fahrt wird aber keine aufkommen. "Heuer gehen wieder 1.500 Teilnehmer mehr an den Start, du überholst ständig glückliche Gesichter und Menschen, die dir zuwinken. Es macht schon Spaß, am Run teilzunehmen."

Pläne für die Zukunft hat Sampl noch nicht geschmiedet. "Dieses Jahr widme ich mich meinem Rallye-Projekt, für den ich meinen neuen Audi in der Staatsmeisterschaft noch testen muss. Da steckt meine ganze Energie drinnen. Was im nächsten Jahr auf mich zukommt, wird man sehen. Ein fades Leben ist jedenfalls nicht meine Baustelle."

Paul Preisig

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