Neue Olympia-Hoffnung steigt in den Ring

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Die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016 wird für Österreichs Ringer ein hartes Stück Arbeit.

Nur die ersten Fünf der WM in Las Vegas (7.-12. September) sowie die jeweiligen Finalisten von drei aufeinanderfolgenden Turnieren im Frühjahr dürfen nach Rio. „Das ist die mit Abstand schwerste Qualifikation aller Sportarten“, geht ÖRSV-Vize-Präsident Anton Marchl im Gespräch mit LAOLA1 sogar noch einen Schritt weiter.

Von den heimischen Assen werden Amer Hrustanovic, der in London 2012 Zehnter im griechisch-römischen Stil wurde, die größten Chancen zugeschrieben. Martina Kuenz bewies mit ihrem fünften Platz bei den Europaspielen in Baku, dass ihr ebenfalls etwas zuzutrauen ist. Für den Rest wird es wohl schwierig.

Seit vergangener Woche verfügt der ÖRSV jedoch über eine weitere ernstzunehmende Rio-Hoffnung – namens Amirkhan Visalimov.

Von Tschetschenien über Wien nach Wals

Der gebürtige Tschetschene wird vom Ministerrat die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. In Händen hält Visalimov den Bescheid noch nicht, doch der Verband bekam von Ministeriumsseite vergangene Woche vorab ein positives Feedback. „Das war notwendig, um ihn noch fristgerecht für die WM nennen zu können“, so Marchl, laut dem das Okay gerade noch rechtzeitig gekommen sei. Gemäß ÖRSV-Einschätzung gilt er als derzeit mit Abstand bester Freistil-Ringer Österreichs.

Visalimov ist 28 Jahre alt und kam vor etwa 15 Jahren nach Österreich, wo er zunächst beim PSV Wien andockte. „Dort wurde er von seinem Vater trainiert, ein sehr kompetenter Mann. Das sieht man heute noch, da die Techniken, die Amirkhan drauf hat, so normalerweise kaum zu erlernen sind“, urteilt Max Außerleitner, der Visalimov nun beim AC Wals coacht.

Seit mittlerweile sechs Jahren steht Visalimov schon für die Salzburger Ringer-Hochburg auf der Matte, mit der er in der kommenden Saison auf den 50. Titel der Klub-Geschichte losgeht. „In einer olympischen Sportart ist das bislang noch keiner Mannschaft Europas gelungen“, so Marchl.

Die feine Klinge seines Vaters

Amirkhan Visalimov

Wie Visalimov, der heuer bis 74 kg Doppel-Staatsmeister (griechisch-römisch und Freistil) wurde, international einzustufen ist, sei schwierig zu sagen, „weil er aufgrund der fehlenden Staatsbürgerschaft in der Vergangenheit keine hochklassigen Wettkämpfe bestreiten konnte“, begründet Marchl. Die Vergleichswerte aus Trainingscamps und kleineren Turnieren seien jedoch verheißungsvoll.

Außerleitner schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Technisch ist Amirkhan auf einem sehr hohen Niveau. In physischer und konditioneller Hinsicht sehe ich noch Aufholbedarf. Aber mit einem dementsprechenden Training könnte er da in einem halben Jahr ebenfalls vorne mit dabei sein.“

Eine erste Standortbestimmung bietet das Weltcup-Turnier von 24. bis 26. Juli in Warschau. Der große Härtetest wird dann freilich besagte WM in Las Vegas, bei der Österreich mit 13 Athleten das größte Aufgebot seiner Geschichte an den Start schickt. Außerleitner traut Visalimov bei einer dementsprechenden Auslosung einen Platz in den Top-Ten zu.

„Zu glauben, dass er sich dort gleich auf Anhieb für Rio qualifizieren wird, halte ich aber für vermessen.“

 

Reinhold Pühringer

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