LAOLA1 tanzt an der Stange

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Viel nackte Haut, Schweiß und laszive Bewegungen.

Kurzum: Meine Vorstellungen von Pole-Dancing sind zugegeben durchwegs klischeebehaftet. Warum also nicht einmal selbst ausprobieren? Gesagt, getan.

Meine Erwartungen bekommen aber bereits beim Betreten des Tanz-Studios „Poleaffairs“ im siebten Wiener Bezirk einen herben Dämpfer.

Zwei Knirpse, geschätzte vier Jahre alt, lauern mir gleich nach der Eingangstür auf und schauen mich mit großen Augen an. Überrascht weiten sich auch meine Augen. Bin ich hier richtig?

Die herbeieilende Betreuerin der Kindertagesstätte, die in den Nebenräumlichkeiten untergebracht ist, zeigt mir den Weg ins tatsächliche Tanzstudio.

Poledance-Lehrerin Conny Aitzetmüller wartet bereits. Dort wird die Klischee-Aufweichung nahtlos fortgesetzt, denn auch von ihr bekommen meine beiden Kollegen Patricia und Stephan und ich immer wieder zu hören, dass wir das Thema „Erotik“ ausblenden sollen. Denke ich wirklich so laut?

Nur in die tiefgrünen Augen geschaut

Doch spätestens als uns Conny zur Einführung eine Kostprobe ihres Könnens gibt, habe ich das mit dem Ausblenden wieder ad acta gelegt. Um nicht zu sagen: Gott sei Dank!

In einem engen Höschen schwingt sich die hübsche Blondine zu flotten Beats aufreizend um die knapp drei Meter hohe Metall-Stange. Mit offenem Mund staune ich über das, was ich sehe.

Die gebürtige Oberösterreicherin scheint im Spagat förmlich um die Stange herum zu schweben. Wow!

Sexy, wie sie sich anschließend über ihren durchtrainierten Body streichelt, mich mit ihren tiefgrünen Augen anschaut und verspielt lächelt. Irgendwie heiß hier drinnen…

Keine Gogo-Tänzerinnen

Entstanden ist Poledancing in den 20er-Jahren, natürlich in den Vereinigten Staaten, wo sonst? Reisende Tänzer sollen Zeltstangen in ihre Performance eingebaut haben. Der Sprung in Bars soll sich in den 50er-Jahren vollzogen haben. Sein Rotlicht-Image ist Poledance bis heute nicht losgeworden.

Dieses Bild beginnt allmählich zu bröckeln, denn Poledance ist in Sachen Trendsport der letzte Schrei. „Die Nachfrage nach den Kursen ist riesig“, bestätigt Conny.

Wie setzt sich das Klientel zusammen? Sind auch Gogo-Tänzerinnen darunter? „Nein“, lacht Conny, ihre Kundschaft sei eher „gediegen“. Viele Tänzerinnen, denen es zum einen um den Akrobatik-Aspekt oder zum anderen um die Rhythmik gehe.

„Männer sind wie überall im Tanzbereich eher die Ausnahme“, erklärt die 32-Jährige. Und die wenigen die kommen, wären zu einem großen Teil ohnehin weniger an den weiblichen Reizen interessiert.

Show oder Wettkampf?

Wie es sich für eine Sportart gehört, gibt es auch Wettkämpfe. Während sich Conny auf die künstlerische Seite beschränkt – „Ich habe viele Auftritte bei Shows“ – sorgt Freundin und Tanzkollegin Mona Arbinger auf Wettkampf-Ebene für Furore.

Die gebürtige Niederösterreicherin erreichte bei der „Miss Poledance World 2010“ das Semifinale.

Beim ersten Mal tut’s noch weh

Genug geschaut: Let’s dance! Vorsichtig schließe ich Freundschaft mit der Stange. Meine ersten Annäherungsversuche gestalten sich schmerzhaft, denn Conny will mit uns nach dem Warmup gleich einen Spin – sprich eine Drehfigur – probieren.

Conny Aitzetmüller führt uns in die Kunst des Pole-Dancings ein

Was vorhin so leicht ausgesehen hat, entpuppt sich als verdammt kompliziert. Links steigen, rechts steigen und mit dem linken Bein sowie der Hüfte in den Spin hineinbeschleunigen. Schnell krache ich mit dem Bein böse gegen die Stange. Mein Unterarm reibt an der Stange, ist nach wenigen Versuchen feuerrot.

Neben Spins sind Haltefiguren sowie rhythmische Elemente weitere Grund-Bestandteile der Sportart. Eine weitere Variation: Die Stange kann durch kurzen Einsatz eines Inbus-Schlüssels - das Teil, welches der Otto-Normal-Verbraucher dank Ikea bestens kennt - drehbar gemacht werden.

Der Unterschied ist enorm. Mit ein wenig Schwung gelingen tolle Spins. Am liebsten möchte ich mit dem Drehen gar nicht mehr aufhören, wäre da nicht der einsetzende Schwindel...

Betrunkener Feuerwehrmann

Conny zeigt uns von allem etwas. „Vorkenntnisse aus anderen Sportarten sind freilich vom Vorteil“, sagt unsere Vortänzerin, die selbst einst in der Rhythmischen Gymnastik aktiv war.

„Die Beweglichkeit von damals habe ich leider nicht mehr“, meint Conny fast ein wenig verlegen. Etwas irritiert denke ich an ihren Spagat von vorhin zurück, der zumindest auf mich nicht sehr gequält gewirkt hat, und versuche mich weiter am Spinen.

Nach ein paar Versuchen stellen sich auch an der fixierten Stange die ersten Erfolge ein. Meinem Kampfsport-Training sei Dank, bringe ich die nötige Kraft mit. Der Blick in den Spiegel verrät allerdings, dass ich in Sachen Grazie ein schweres Manko habe. Was ich da mache, erinnert mehr an einen betrunkenen Feuerwehrmann an der Alarm-Stange als an Tanzen.

Kollegin Patricia schneidet in Punkto B-Note schon viel besser ab. Und Stephan? Naja…der scheint mit der Stange seinen ganz eigenen Contest auszutragen – und zwar wer ist steifer.

Reinhold Pühringer

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