Leimlehner schreibt Geschichte

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Leimlehner löst das Olympia-Ticket

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Fabian Leimlehner hat in der österreichischen Kunstturn-Geschichte praktisch Historisches geleistet.

Mit der Qualifikation für die Sommerspiele 2012 in London beendete der 24-Jährige eine 48 Jahre währende Durststrecke für den rot-weiß-roten Turnverband (ÖFT).

Dabei hing die Teilnahme an den Olympischen Qualifikationswettkämpfen in der britischen Metropole sogar am seidenen Faden.

Die Nerven behalten

Leimlehner hatte die Vorqualifikation bei der WM 2010 in Tokio als 97. im Mehrkampf gründlich verpatzt und war als Allerletzter gerade noch in den Bewerb gerutscht.

In London überzeugte der schweizerisch-österreichische Doppelstaatsbürger aber: Bereits nach zwei von drei Bewerbs-Rotationen in der imposanten O2-Arena war der internationale Quotenplatz für die diesjährigen Spiele fixiert.

Am Ende klassierte sich Leimlehner als 26. unter 98 Startern und ließ statt der geforderten sieben gleich 15 Nationen hinter sich.

Ohrfeige zur richtigen Zeit

"Ich habe exakt das umgesetzt, was ich mir für heute vorgenommen hatte", lautete sein zufriedener Kommentar. Mit 84.830 Punkten gelang Leimlehner ein Sechskampf ohne einen einzigen Fehler.

Dabei hatte er schwierige Übungen bewusst aus dem Programm genommen. Die in Tokio noch gezeigte Nervenschwäche war in London offenbar kein Problem.

"Ich war heute vor jeder Übung zwar extrem nervös, doch ich hatte es erstmals sicher im Griff", sagte Leimlehner, der die WM in Japan als "Ohrfeige genau zum richtigen Zeitpunkt" bezeichnete.

Das volle Programm

Als nützlich erwies sich für den in Liestal (Baselland) geborenen Turner auch die im Skisprung gebräuchliche Methode der audiovisuellen Wahrnehmungsförderung.

An dieser arbeite Leimlehner in den vergangenen Monaten. Für die Spiele in London versprach der Reck-Spezialist, die Schwierigkeit seines Programms weiter nach oben zu schrauben.

"Am Reck werde ich sicher mein volles Programm turnen und nicht wie heute auf sicheres Durchkommen."

Lang, lang ist's her

Der in Innsbruck lebende Oberösterreicher ist damit der erste männliche Turner seit 1960, der Österreich im Zeichen der fünf Ringe vertritt.

In Rom waren dies noch ohne vorangehende Qualifikation Hans Sauter, Johann König, Hermann Klien, Willi Kafel, Gerhard Huber und Anton Hertl.

In Tokio 1964 hatte Henni Parzer als bis dato letzte österreichische Olympiateilnehmerin in dieser Sportart den 14. Rang im Sprung belegt.

Verschiedenartige Gründe

In den darauffolgenden Jahren hatte Österreich aus unterschiedlichen Gründen keinen Olympiateilnehmer gestellt. Reinhard Blum erbrachte das internationale Limit für die Spiele 1988 und 1992, wurde allerdings vom ÖOC, das höhere Normen angesetzt hatte, nicht nominiert.

Für London verzichtet das ÖOC auf zusätzliche Limits zu den internationalen Quotenplätzen.

Eine Wildcard für Catalin Mircan blieb dem ÖOC hingegen für Atlanta 1996 aufgrund eines fehlenden internationalen Quotenplatzes verwehrt.

"Ja zu A"

Dass Leimlehner für Österreich an den Start geht, steht seit sechs Jahren fest. Anfang 2006 sagte der damals 18-Jährige "Ja zu A". Als Sohn einer Schweizerin und eines Oberösterreichers hätte er auch für die Eidgenossen starten können.

In Österreich sah er jedoch größere Chancen, sich für sein großes Ziel Olympia zu qualifizieren. Nach der verpassten Chance für Peking 2008 ist die Reise nach London nun fixiert.

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