Die Suche nach dem "sauberen Gral"

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Nicht in Problemen, sondern in Lösungen denken. Das versuchen uns zumindest diverse Lebensratgeber, die in den kürzer werdenden Tagen ohnehin Hochkunjunktur haben, weis zu machen.

Weil da aber durchaus was dran ist, will sich dem auch LAOLA1 zum Ende seiner Doping-Themenwoche nicht verschließen und zäumt das Pferd deshalb von hinten auf.

Was tun, um der wild um sich greifenden Doping-Problematik Herr zu werden? Bei der aussichtslos wirkenden Suche nach dem "sauberen Gral" helfen Sylvia Schenk, Hans Holdhaus und Hajo Seppelt die Hebelpunkte für eine dopingfreie(re) Zukunft zu finden.

Sylvia Schenk: "Hemmschwellen hinauftreiben"

Fachfrau im Anti-Doping-Kampf Schenk

"Insbesondere im Radsport muss man meiner Meinung  nach völlig anders ansetzen. Der Fall Armstrong hat deutlich gemacht, dass sich das aktuelle Testsystem in einer Sackgasse befindet. Die Kontrollen während und außerhalb der Wettkämpfe machen zwar durchaus Sinn, da sie ja auch abschrecken. Die Abschreckung wird aber nicht größer, nur weil man die Anzahl der Tests erhöht. Wenn man Hinweise auf außergewöhnliche Blutwerte hat – wie es bei Armstrong offensichtlich der Fall war – muss man viel gezielter vorgehen.

Zumal der USADA-Bericht deutlich macht, dass bei der Doping-Bekämpfung sehr viel auch im organisatorischen Bereich gemacht werden muss. Wenn es stimmt, dass unter anderem Infusionen im Teambus verabreicht wurden, müssen die Teams ins Boot geholt werden. Sie müssen sich samt Trainer, Ärzte, Mechaniker bis hin zum Busfahrer einverstanden erklären, dass jederzeit alles durchsucht und z.B. ein Getränk analysiert werden darf.

Dies mag auf den ersten Blick drastisch erscheinen, aber man muss bedenken, was den Athleten jetzt schon z.B.  mit der Offenlegung ihrer Whereabouts zugemutet wird. Es muss endlich auch das Umfeld einbezogen werden.

Außerdem ist es wichtig, alle verschriebenen Medikamente von unabhängigen Ärzten überprüfen zu lassen. Laut USADA-Bericht wurde z.B. Fahrern Testosteron-Pflaster „verordnet“, obwohl keine Verletzung vorlag.

Hans Holdhaus: "Wissenschaft statt Doping"

Mediziner Hans Holdhaus

"Bei Doping war es immer so, dass es – nennen wir es – Generationen gegeben hat, die mit Doping aufgewachsen sind. Das konnte man in der Leichtathletik, im Gewichtheben oder auch im Radsport sehen. Das sind so Wellen. Das verschwindet dann wieder und kommt möglicherweise auch wieder auf.

Für mich ist die Alternative zu Doping der verstärkte Einsatz der Wissenschaft im Sport. Da haben wir noch genügend Möglichkeiten. Wenn man sich ansieht, wie viele leistungsbeeinflussende Faktoren es in einer Sportart gibt, dann stellt man fest, dass definitiv nicht alle ausgereizt werden. Da ist meiner Meinung nach noch ein derartiges Potenzial drinnen, dass man um die weitere Leistungsentwicklung keine Angst haben müsste.

Nur das ist halt ein anderer Zugang zu Training. Etwas zu schlucken oder zu spritzen ist natürlich zwanzig Mal geschwinder und einfacher. Der andere bedeutet auch, dass ich meine Trainingsphilosophie verändern muss, andere Wege gehen muss. Da fehlt vielleicht dem einen oder anderen die Flexibilität dazu. Aber da steckt noch genug drinnen. Also gibt es für mich keinen Grund zu dopen, wenn ich noch besser werden will. Wenn mir das jemand erzählt, sage ich „Nein“."

Auf andere Sportarten sind diese Maßnahmen nicht unbedingt umlegbar, weil dort die Sport-Events nicht über so einen langen Zeitraum gehen. Der USADA-Report zeigt auf, dass das Doping-Risiko bei dreiwöchigen Rundfahrten viel höher als bei Eintagesrennen ist.

Da wie dort braucht es aber eine Null-Toleranz-Haltung. Doch die gibt es nicht. Es darf nicht sein, dass ein Doping-Sünder vergangener Tage wie Bjarne Riis als sportlicher Leiter eines Rennstalls arbeitet. Da bedarf es einer strikten Linie.

Doch auch abseits des Radsports gilt: Vorbeugend geht es immer darum, die Hemmschwellen und den Aufwand für Doping so hoch wie möglich zu treiben, damit niemand hineinrutscht, sondern nur jemand mit hoher  krimineller Energie mit Doping beginnt.

Es wird aber immer Doping geben, genauso, wie auch Diebstähle und Morde. Es geht darum, dies auf ein Minimum zu reduzieren, ohne dass der Staat jeden einzelnen rund um die Uhr mit Video-Kameras überwacht. Das ist der Balance-Akt, den es zu schaffen gilt.

Im Radsport waren es aber bislang nicht nur einige wenige, die die Regeln brechen, sondern eine große Anzahl."

Hajo Seppelt: "Unabhängige Kontroll-Instanzen"

TV-Experte Hajo Seppelt

"Es wird nie sauberen Sport geben, so wie es auch nie Wirtschaft ohne Korruption geben wird. Man muss sich von diesem Gedanken verabschieden. Es werden auch immer Leute bei Rot über die Ampel fahren. Man muss aber diesem Problem energischer begegnen.

Das geht nur dann, wenn diejenigen, die Dopingmissbrauch kontrollieren, nicht auch jene sind, die die Player und Profiteure des Spitzensports sind. So etwas darf einfach nicht sein. Es ist ja auch nicht so, dass in einem Unternehmen die Steuerprüfung nicht vom Finanzamt, sondern vom Unternehmensberater durchgeführt wird. Im Sport sind diese Interessensverflechtungen gegeben.

Nur dann, wenn unabhängiges Personal von außen kommt und staatliche Regelungen Einkehr halten, die den Spitzensport weitaus stärker kontrollieren, kann sich etwas ändern. Die Lobbyisten des Sports, und davon gibt es zahlreiche, sind bis auf wenige Ausnahmen die Falschen im Kampf gegen Doping. Häufig hat das Ganze einfach nur Alibi-Charakter.

Was speziell im Radsport getan werden muss, um eine glaubwürdigere Zukunft zu garantieren? Auswechseln des Personals. Von Sportorganisationen unabhängige Begutachtung von Dopingfällen. Dazu eine schärfere Kontrolle öffentlicher, staatlicher Institutionen, die den Spitzensport oftmals subventionieren. Es kann nicht sein, dass der Sport teilweise durch Steuergelder mitfinanziert wird und damit korrupte Systeme unterstützt werden."

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