Fünfkämpfer Daniel: "Schritt in die richtige Richtung!"

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Am Donnerstag hob Thomas Daniel nach Nischi Nowgorod ab.

In der russischen Metropole steigt am Wochenende das Weltcup-Finale der Modernen Fünfkämpfer, für das nur die besten 36 besten Athleten der Welt qualifiziert sind.

Der Salzburger hat sich akribisch auf das erste Highlight in dieser Saison vorbereitet – und die richtigen Schlüsse aus seinem letzten Einsatz in Budapest gezogen.

Top-Ten sind das Ziel

„Wenn ich gut aus den Startlöchern komme und mein Plan halbwegs aufgeht, schaut es aufgrund meiner Leistungskurve und der aktuellen Form mit den Top-Ten nicht so schlecht aus“, legt sich Daniel die Latte hoch.

Kein Wunder, landete er doch beim Weltcup in Palm Springs auf Rang fünf. „Meine Saison war bis hierhin schon sehr in Ordnung, sonst wäre ich beim Finale gar nicht dabei.“

WM als zweiter Höhepunkt

Mitte Juli steht dann die EM in Polen an, ehe es im August zur Weltmeisterschaft nach Chinesisch Taipeh geht, dem zweiten Höhepunkt im Wettkampf-Kalender 2013.

Vor dem Abflug in die viertgrößte Stadt Russlands nahm sich der 27-Jährige, der bei den Olympischen Spielen in London Sechster wurde, zwischen zwei Trainingseinheiten Zeit für ein ausführliches Interview.


LAOLA1:
Thomas, wie oft wirst du seit den Olympischen Spielen eigentlich noch gefragt, aus welchen Sportarten Moderner Fünfkampf eigentlich besteht?

Thomas Daniel: Die Menschen in Österreich können mit meiner Sportart seit London wirklich etwas anfangen. Die Spiele waren eine riesengroße Werbung für den Modernen Fünfkampf, aber natürlich auch für mich. Das war vor Olympia noch ganz anders, da haben die meisten Leute nicht einmal gewusst, dass Fünfkampf im Programm ist. Von den einzelnen Disziplinen ganz zu schweigen.

LAOLA1: Was hat es dir persönlich, abgesehen von einem größeren Bekanntheitsgrad, gebracht?

Daniel: Irrsinnig viel an Lebenserfahrung. Und positive Emotionen, von denen ich nach wie vor zehre. Wenn ich heute Filme oder Fotos von meinem Wettkampf sehe, kommen Gefühle hoch. London war eine einzigartige Geschichte und hat mich geprägt.

LAOLA1: So sehr, dass du dir sogar die Olympischen Ringe hast tätowieren lassen.

Daniel: Ich habe schon im Vorfeld der Spiele gesagt, dass ich mir ein Olympia-Tattoo machen lasse, sollte ich wirklich dabei sein. Aber ich habe mir ein Hintertürchen offen gelassen, wenn ich in London schlecht abgeschnitten hätte. Für mich sind die Ringe ein Symbol für die Einzigartigkeit des Erlebnisses. Das trage ich jetzt immer mit mir herum.

LAOLA1: Den Sport-Fans ist London vor allem als „Nullnummer“ in Erinnerung?

Daniel: Dass wir alle miteinander keine Medaille gewonnen haben, ist bitter. Dass es einige Male knapp war auch. Aber einige Sportler haben Weltklasse-Leistungen gezeigt, zum Beispiel Dinko Jukic. Im Schwimmen, einer Sportart, die weltweit 200 Nationen betreiben, muss man bei einem vierten Platz nicht von einer Enttäuschung sprechen. Das war ein Erfolg, auch wenn es bei Olympia vor allem um Gold, Silber, Bronze geht.

LAOLA1: Wie sehr hat es dich gestört, dass alle Athletinnen und Athleten in einen Topf geworfen und als „Olympia-Touristen“ abgestempelt wurden?

Daniel: Es wird immer von der österreichischen Olympia-Mannschaft gesprochen. Aber für mich ist das keine Mannschaft. Die gibt sich täglich miteinander ab, tauscht Emotionen aus, kämpft gemeinsam für ein Ziel. Dadurch entsteht ein gewisser Zusammenhalt. Ich habe 50 Prozent der Sportler, wahrscheinlich waren es sogar noch mehr, bei der Einkleidung zum ersten Mal gesehen.

LAOLA1: Und nach London?

Daniel: Ich habe mich vor circa einem Monat mit einigen Olympia-Teilnehmern mit dem neuen Sportminister (Gerald Klug; Anm.) getroffen. Wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch, in dem er sich angehört hat, was wir Sportler brauchen. Ich hatte das Gefühl, dass er wirklich unsere Meinung wissen wollte. Das war bislang in meiner Sportler-Karriere noch nie der Fall.

LAOLA1: Wenig später wurde ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel als Projekt-Verantwortlicher für die Olympischen Spiele 2016 in Rio präsentiert. Deine Meinung?

Daniel: In so einer Schlüsselposition ist es wichtig, dass man Manager-Qualitäten mitbringt. Die hat er beim Ski-Verband in der Vergangenheit ohne Frage unter Beweis gestellt. Und er ist jemand, von dem ich denke, dass er seinen eigenen Weg geht und dabei die Sportler in den Mittepunkt stellt. Ich bin zuversichtlich, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist.

LAOLA1: Eine personelle Änderung hat es auch an der Spitze des Österreichischen Verbandes für Modernen Fünfkampf, dem seit wenigen Tagen Brigadier Gerhard Herke vorsteht, gegeben.

Daniel: Wenn er das durchzieht, was er in seiner Antrittsrede versprochen hat, wird es eine gute Zusammenarbeit. Dass er mit dem Modernen Fünfkampf bis jetzt nichts zu tun hatte, ist für mich absolut positiv ist. Denn er ist nicht irgendwie vorbelastet und muss auf Vereins-Interessen keine Rücksicht nehmen. Wir haben zwar nicht viele Vereine im Verband, aber die wollen alle ihre Interessen durchsetzen.

LAOLA1: Wie es aussieht hat sich der Moderne Fünfkampf auch im Kampf gegen eine Streichung aus dem Olympia-Programm durchgesetzt.

Daniel: In Rio sind wir fix dabei, für 2020 war der Fünfkampf ein Wackelkandidat. Aber dann wurde schlussendlich Ringen rausgewählt. Der Weltverbands-Präsident hat beim Weltcup bestätigt, dass man von IOC-Seite den Fünfkampf im Programm halten möchte. Aber die endgültige Entscheidung fällt wohl erst im Herbst.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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