Sind 1,2 Mio. gerechtfertigt?

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Eine Interessens-Vertretung auf Identitätssuche

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Das österreichische Sportförderwesen ist - positiv formuliert - sehr „facettenreich“. Und wie das jüngste Verbandsranking des neuen Bundes-Sportförderungsfonds (BSFF) zeigt, auch recht „kreativ“.

LAOLA1 thematisierte diesen für die Entwicklung des heimischen Sports relevanten Bereich zuletzt und schnitt dabei die Rolle der Bundes-Sportorganisation (BSO) an. Schließlich musste das oberste Organ des heimischen Sports mit der Verteilung der besonderen Bundes-Sportförderung eine ihrer Kernkompetenzen an den BSFF abtreten.

Am Freitag stimmen die Fachverbände unter anderem über das rund 1,5 Mio. Euro große Budget der BSO für 2015 ab. Gefüttert durch 1,2 Mio. Euro an Fördergeldern wird dieses aber genauso hoch sein wie zuvor. Ist das gerechtfertigt?

Immerhin kostet der neu geschaffene BSFF ebenfalls 900.000 Euro pro Jahr.

Vielschichtige Aufgaben

LAOLA1 gibt diese Fragestellung an BSO-Präsidenten Herbert Kocher und dessen Geschäftsführerin Barbara Spindler weiter, die diese Summe erwartungsgemäß sehr wohl für gerechtfertigt erachten. „Es war schließlich nur ein Mitarbeiter mit der Abwicklung der Förderungen beschäftigt“, erklärt Spindler. Der Großteil der anfallenden Arbeit wurde durch ehrenamtliche Organe abgedeckt.

Die BSO sieht sich gemäß der Ausführungen Spindlers ohnehin als „Service-Organisation“ des heimischen Sports. Aus- und Fortbildungen (Spindler: „800 Teilnehmer im Jahr 2014 österreichweit“), Vertretung des Sports gegenüber anderen Interessengruppen wie beispielsweise der Politik oder auch die Koordinierung verbandsübergreifender Maßnahmen – um hier nur einige Bereiche zu erwähnen.

Allesamt jedoch Aufgaben, die der BSO nicht erst seit Abtretung der Förder-Kompetenz an den BSFF obliegen.

Doch genau hierin liegt die Crux. Fachverbände äußerten nämlich Unzufriedenheit über die Leistungen der BSO. Etwas, für das Kocher nur zu einem gewissen Grad Verständnis hat. „Es ist klar, dass viele der Fachverbände in irgendeiner Form etwas von uns wollen. Aber diese Unzufriedenheit kann eigentlich nur von Leichtathletik und Handball kommen. Aber ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was sie überhaupt von der BSO wirklich wollen.“

Wink mit dem Zaunpfahl

Dass es sich bei den Anliegen der Fachverbände aber nicht nur um bloßes Raunzen handelt, untermauerten diese, als sie heuer eine Initiative ins Leben riefen, die sich mit der Erarbeitung von Aufgaben und Zielen der BSO beschäftigte. Besagte Initiative mündete in eine dementsprechende Arbeitsgruppe.

LAOLA1 bekam ein Arbeitspapier daraus in die Hände, in welchem die Fachverbände 50 Bedürfnis-Bereiche deklarierten. Aus demselben Dokument geht hervor, dass für 32 davon die BSO (mit)verantwortlich sei und nur einer von diesen durch die Bearbeiter mit dem Attribut „erfüllt“ versehen wurde.

Die BSO muss sich somit den Vorwurf gefallen lassen, bei der Definierung relevanter Aufgaben nicht agiert, sondern nur reagiert zu haben. Kocher stellt dies nicht zur Abrede und merkt zu den Adaptierungen lediglich an: „Wir haben halt nicht mehr die Zeiten wie noch vor zehn Jahren.“

Zum BSO-Budget: Alles im "dynamischen Rahmen"

Etwa 50 Prozent des Budgets werden für Gehälter inklusive der Lohnabgaben für die zehn hauptamtlichen Mitarbeiter ausgegeben. Diese unterliegen dem Kollektiv-Vertrag der Metaller.

Nicht so ganz eindeutig sind einige Posten des Budgets. So werden beispielsweise 5.000 Euro für „Internet, Homepage“ veranschlagt und nur drei Zeilen drunter „Website“ mit 10.000 Euro angeführt.

Spindler gibt an, dass es sich bei letzterem um die BSO-Homepage handle, die heuer „neue Erweiterungen“ erfahren habe. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug dieser Posten 15.000 Euro. „Internet, Homepage“ beziehe sich stattdessen auf Server- und Internetkosten an sich.

„Generell handelt sich hierbei aber um ein Rahmenbudget. Sport ist ein dynamischer Bereich, weshalb auch die Gestaltung des Budgets dynamisch erfolgt“, ergänzt Spindler. Unter die Rubrik „Rahmenbudget“ fällt für die Geschäftsführerin beispielsweise auch der Punkt „Studien, Umfragen“ (25.000 Euro).

Eine massive Steigerung weist der Budget-Entwurf, der an die Verbände ausgeschickt wurde, bei „Medienkooperationen“ aus, die von 15.000 auf 50.000 Euro anwachsen und damit beispielsweise die Ausgaben der von den Verantwortlichen gerne in den Vordergrund gerückten „Trainerfortbildungen“ (35.000 Euro) deutlich übersteigen.

Geschützte Transparenz

Die Abstimmung über das BSO-Budget (Zwei-Drittel-Mehrheit) ist am Freitag nur ein kleiner Punkt der Tagesordnung. Darüber hinaus müssen sich die im Fachrat sitzenden BSFF-Vertreter gegenüber den Fachverbänden für das Zustandekommenden das Rankings rechtfertigen.

Nach wie vor wird im Sinne der so oft gepriesenen Transparenz Einsicht in die Berechnungen aller Verbände gefordert. Dieser wird mit Verweis auf „Datenschutz“ bislang verwehrt.

Außerdem wird der nach dem Rücktritt von Ex-Schwimm-Präsident Christian Meidlinger vakante Platz in der Bundes-Sportkonferenz mittels Wahl nachbesetzt. Aus den Reihen der Fachverbände haben sich elf Kandidaten gefunden. Als Favoriten gelten Football-Präsident Michael Eschlböck sowie sein Pendant bei den Volleyballern Peter Kleinmann.

Änderungen bei der Verteilung der Erfolgsgelder

Kocher zeigt sich ob der Ergebnisse und der Reaktionen auf das Verbandsranking keineswegs zufrieden, gibt aber zu verstehen, dass geplante Nachbesserungen wohl erst 2016 zum Tragen kommen werden.

„Was in dieser Hinsicht noch nicht kommuniziert wurde, ist, dass dann die besten zwanzig Verbände Geld aus dem Erfolgstopf erhalten sollen plus jene fünf, die sich am meisten verbessert haben“, verrät der Wiener.

Zudem habe man im BSFF aus dem kommunikativen Desaster rund um die Veröffentlichung der Berechnungen gelernt, weshalb über die Anstellung eines Presse-Verantwortlichen abgestimmt werden soll.

 

Reinhold Pühringer

Jahr Entwicklung der Förderung für die BSO
2006 822.766 Euro
2007 918.396 Euro
2008 930.229 Euro
2009 1.070.120 Euro
2010 1.185.166 Euro
ab 2011 1.200.000 Euro
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