Zwei Jahre vor dem Zeitplan

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Mit einer großen Tafel Schokolade haben sich Lara Vadlau/Jolanta Ogar für ihren historischen ersten WM-Titel bei der ISAF-Segel-WM in der 470er-Klasse belohnt.

Zwei Monate nach dem EM-Titel hat sich das OeSV-Gespann damit endgültig zum aktuellen Favoritinnen-Duo für Olympia in Rio de Janeiro gemacht.

Um alles für den Gewinn einer Medaille zu tun, geht es heuer noch zwei Mal nach Brasilien.

Gut im Rio-Plan

Denn das anspruchsvolle Olympia-Revier in der Guanabara Bucht und die spezielle Rio-Welle sind eine Herausforderung, das haben Österreichs derzeit größte Gold-Hoffnungen für 2016 auch nach Platz drei bei der ersten Rio-Testregatta im August festgestellt.

Eine Olympia-Medaille ist nach wie vor das logische Ziel des Duos. Vadlau hat auch keine Hemmungen, darüber zu reden.

"Wir sind zwei Jahre davor ja so ziemlich an der Weltspitze angekommen!"

Als Welt- und Europameisterinnen sowie Weltranglisten-Führende in ihrer Klasse sind die im steirischen Feldbach geborene Kärntnerin Vadlau sowie die um zwölf Jahre ältere, gebürtige Polin Ogar sogar die klare Nummer eins der Szene. Ein Resultat auch energischer Bemühungen Vadlaus nach den Spielen 2012, wo sie mit Eva-Maria Schimak 20. geworden war.

Den Dickkopf durchgesetzt

"Nach London war klar, dass ein Wechsel kommen muss. Ich habe aber nur Jola als Möglichkeit gesehen. Eine Österreicherin auf ihr Niveau zu bringen, hätte Jahre gedauert", erklärte Vadlau.

"Es war ein harter Weg, aber ich habe eh einen Dickkopf", kann sie heute darüber lachen. Im jungen Alter von 20 Jahren hat Vadlau eine fast unglaubliche Erfolgsstatistik.

2010 in Singapur hatte sie 16-jährig bei den ersten Olympischen Jugendspielen mit Gold in der Byte-CII-Klasse ihren ersten großen Triumph gelandet.

Traum-Comeback

Im neuen Zwei-Nationen-Duo mit Ogar hat ihr der Erfolg schnell recht gegeben.

Im Dezember 2012 gewannen Vadlau/Ogar mit dem Christmas Race gleich die erste gemeinsame Regatta, 2013 ließ man trotz Vadlaus Meniskus-Riss plus Operation Silber bei EM und WM folgen.

Anfang 2014 musste Vadlau nach einem Kreuzbandriss neuerlich operiert werden. Trotzdem legten die beiden beim Comeback gleich mit Platz zwei bei der Kieler Woche los und nach Ogars Einbürgerung im Juni 2014 als bereits rein österreichisches Duo mit Gold bei EM und WM nach.

Nicht immer ein Herz und eine Seele

Mehr geht - fast - nicht mehr. "Jola hat in meinen Verletzungspausen immer körperlich sehr an sich gearbeitet, wir sind immer stärker zurückgekommen", zeigte sich Vadlau selbst etwas erstaunt.

"Vielleicht haben uns die Pausen ganz gut getan, wir sind ja 270 Tage im Jahr unterwegs und streiten oft, dass die Fetzen fliegen", so der Erklärungsversuch Vadlaus, die an der FernUni Hagen Psychologie studiert.

Die Tochter einer Allgemeinmedizinerin will später Kinderärztin werden.

Mit der nötigen Portion Erfahrung

Die seinerzeit nicht unproblematische Entscheidung für die Polin Ogar hat sich also als richtig erwiesen.

"Sie hat mit einer Körpergröße von 1,80 m Gardemaße für eine Vorschoterin und voll 'fette' Muskel. Sie ist körperlich der volle Wahnsinn", so Vadlau über ihre Front-Frau.

"Sie hat zwar einen ähnlichen Dickkopf wie ich, ist aber älter und bringt einiges an Erfahrung mit. Ich bin eher der Risiko-Typ, sie holt mich meist wieder runter und zeigt mir, dass es auch einen einfacheren Weg gibt. Die Zusammenarbeit ist eigentlich perfekt."

Dichtes Programm

Österreichs Segler packen bei Europa-Regatten selbst kräftig mit an, für die frisch gebackenen Weltmeisterinnen gab es nach einer überschaubaren Feier am Samstagabend daher einen 28-stündige Autofahrt vom WM-Ort Santander bis nach Klagenfurt.

"Zeit genug, damit uns immer mehr bewusst wird, was wir da eigentlich erreicht haben. Es fühlt sich cool an", sagte Vadlau Montagvormittag am Telefon, etwa 300 Kilometer vor Klagenfurt.

Am Abend sollte es trotzdem noch zu Servus-TV nach Salzburg gehen. Vadlau: "Ob 2.300 oder 2.500 Kilometer, ist auch schon wurscht."

Herausforderndes Revier

Schon am 4. Oktober geht es wieder zum Training nach Rio und nach dem Weltcup-Finale in Abu Dhabi im Dezember erneut nach Brasilien.

"Das Revier in Rio ist herausfordernd, ähnlich schwer wie Spanien. Viele verschiedene Bedingungen, Riesen-Wellen und verschiedene Strömungen. Daran muss man sich als Binnensegler gewöhnen. Man kann nur so oft wie nur möglich da hin fliegen und trainieren", lautet der Plan von Vadlau/Ogar.

Der Olympia-Startplatz ist mit dem WM-Titel natürlich jetzt schon gesichert, die Medaille aber noch sehr weit weg. "Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns und müssen uns noch enorm steigern, hoffentlich schaffen wir das", so Vadlau. "Wir wissen aber, woran wir arbeiten müssen."

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