"Ein Traum geht in Erfüllung"

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Werden als österreichisches Team auftreten

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Für Roman Hagara und Hans Peter Steinacher geht ein Traum in Erfüllung.

Wie die Tornado-Doppel-Olympiasieger am Mitwoch in Wien bekannt geben, werden sie Mitte April ihr Debüt auf der America’s Cup World Series geben.

"Für uns geht mit dieser Teilnahme vor Neapel ein Traum in Erfüllung. Gemeinsam mit den beiden Olympia-Goldmedaillen ist das sicher einer der Höhepunkte unserer Karriere", freut sich Hagara auf Italien.

"Das Besondere daran ist, dass wir im Jahr des America's Cup gegen die aktuellen Teilnehmer segeln", ergänzt Steinacher, der die World Series mit der Champions League der Fußballer vergleicht.

„Im Segel-Sport kann man fast nicht mehr erreichen“, blickt Hagara im Gespräch mit LAOLA1 auf eine Traum-Karriere zurück. „Die Investitionen, die harten Trainingstage haben sich ausgezahlt. Jetzt sind wir dort angekommen, wo wir hin wollten.“

USA statt Rot-weiß-rot

Mit ihrem HS Racing Team segelt das Duo auf einem AC45-Katamaran unter US-Flagge für den Golden Gate Yacht Club San Francisco.

Gerne wären der 46-jährige Steuermann und sein 44-jähriger Taktiker unter rot-weiß-roter Flagge gestartet, doch die komplizierten Anforderungsprofile machen dies unmöglich.

Deshalb bedurfte es einer Partnerschaft mit Oracle Team USA, die vom vierfachen AC-Sieger Russel Coutts (1995, 2000, 2003, 2010) eingefädelt wurde. HS Racing wird in Italien in die Basis des AC-Titelverteidigers integriert und kann auf dessen Techniker, Coaching und On-Water-Support zurückgreifen.

„Natürlich hat man deswegen ein weinendes Auge“, sagt Hagara und nennt eine der Schwierigkeiten:

„Man muss einen Yachtklub am Meer haben. Es war für uns die einfachste Lösung unter amerikanischer Flagge zu segeln, aber ich denke, wir werden als österreichisches Team auftreten.“

„Nehmen die Herausforderung an“

Hagara/Steinacher konnten im Februar vor San Francisco erste Erfahrungen auf dem AC45 sammeln  und sind begeistert: „Wir haben uns von Beginn an wohl gefühlt. Das Boot entwickelt unglaubliche Kräfte. Wir nehmen die Herausforderung an.“

Zur Crew des 45 Fuß (13,45 m) langen Katamarans, der eine Masthöhe von 21,5 m aufweist, gehören neben den beiden Österreichern Trimmer Herve Cunningham (FRA), Bowman Grame Spence (AUS) und Floater David Swete (NZL).

Ein Training mit der gesamten Mannschaft war bisher nicht möglich. „Aber das geht den anderen Booten auch nicht anders“, sieht Steinacher darin keinen Nachteil. Die Boote sind bereits auf dem Weg nach Neapel, wo vor dem Wettkampf jedem Team die gleiche Trainingszeit zusteht.

„Alle Fünf sind Profis, die wissen, wovon sie sprechen. Man muss nur schauen, dass man in den Tagen davor, die man trainiert, die Feinabstimmung macht und die Kommunikation soweit hinbringt, dass alles verständlich wird. Dann sollte dem Rennen nichts im Wege stehen“, kennt Hagara das Rezept zu einer Top-Platzierung, die der Schlüssel zu mehr sein kann.

Ein weiterer Schritt Richtung America’s Cup?

"Es gilt nun für uns, vor Neapel eine gute Performance abzuliefern, das ist dann eine Empfehlung für den America's Cup.“

In Neapel erwartet die Syndikate eine einzigartige Stimmung. 500.000 Zuschauer verfolgten im vergangenen Jahr die Regatta vor der malerischen Küste.

„Die Location ist sensationell“, schwärmt Steinacher von der Begeisterung der Italiener für den Segelsport.

„Treten an, um zu gewinnen“

Bevor das Abenteuer „America’s Cup World Series“ so richtig los geht, steht für Hagara/Steinacher der zweite Stopp der Extreme Sailing Series auf dem Programm.

Nach dem äußerst erfolgreichen Auftakt im Oman, zieht der RC40-Tross nach Singapur.

Der in Muscat am Schlusstag an The Wave Muscat verlorene Sieg ärgert Hagara zwar noch immer, aber die Tatsache, den zweifachen America’s-Cup-Sieger Alinghi hinter sich gelassen zu haben, zaubert ihm ein Lächeln ins Gesicht.

„Im Prinzip treten wir an, um zu gewinnen. Wenn man nicht gewinnt, überwiegt natürlich im ersten Moment das Ärgernis, aber im Endeffekt war es eine super Leistung von der ganzen Mannschaft. Wir haben uns im Vergleich zum letzten Jahr gesteigert (Rang 4/Anm.). Wobei, wenn man den Verlauf sieht, wie knapp man am Sieg dran war, ist es dann doch ärgerlich.“

Die Ziele für die kommenden Rennen sind durch den zweiten Platz nicht geringer geworden:

„Wir wollen uns langsam in Podiumsbereiche vortasten und einen dieser Events gewinnen. Wir haben beim Auftakt gezeigt, dass wir die Möglichkeiten haben. Wir müssen ein paar Kleinigkeiten verbessern, dann ist früher oder später der Sieg fällig.“

Puzzlesteine zum Erfolg

Für Erfolge, wie sie Hagara/Steinacher feiern, bedarf es vieler Puzzlesteine.

Segelsport ist teuer. „Das geht sicher in den sechsstelligen Bereich“, schätzt Hagara.

„Es (Beschaffung von Sponsorgeldern/Anm.) ist sicher ein nicht einfacher Teil, aber ich denke durch unsere Erfolge und durch das, was wir an Leistungen zurück bringen, wird gerne in uns investiert. Es steckt viel Arbeit dahinter, die sich bezahlt macht.“

Aber es bedarf nicht nur materieller Ressourcen, sondern auch körperlicher Fitness und – bei 220 Reisetagen im Jahr – einer verständnisvollen Umgebung.

 „Das ist natürlich nicht ganz so einfach. Meine Frau fährt öfters mit auf Veranstaltungen. Sie ist Fotografin, da können wir sie im Team mitverwenden. Viele Freunde fahren zu Events mit. Das ist immer ein kleiner Fan-Klub. So kann man Freundschaften aufrechterhalten“, erklärt Hagara, wie sich der zeitintensive Segelsport mit dem Privatleben vereinbaren lässt.

„Drückt einem die Tränen in die Augen“

Der Lohn für die harte Arbeit sind Gefühle und Erinnerungen, wie sie Roman Hagara auch 13 Jahre nach dem ersten Olympiasieg hat, wenn er die emotionalen Bilder ihres Triumphes in Sydney 2000 sieht:

„Das war sicher eines der Highlights. Speziell die erste Goldene. Wenn man da oben steht und die österreichische Hymne hört, drückt es einem die Tränen in die Augen. Es war sicher einer der sportlichen Höhepunkte unserer Karriere, aber es geht auch nach dem olympischen Segeln weiter. Wir sind einen sehr guten Weg gegangen. Es ist der richtige Weg für uns.“

 

Martina Gugglberger

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