Neuer Ärger: Es brodelt wieder im Schwimm-Verband

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Der heimische Schwimmsport und die Negativ-Schlagzeilen – zwei, die sich gefunden haben.

Und die, so hat es rechtzeitig zur Schwimm-WM in Barcelona einmal mehr den Anschein, auch noch länger Hand in Hand gehen werden.

Während es um Funktionärs-Schreck Dinko Jukic in den letzten Wochen auffällig ruhig geworden ist, geht es nun auf den Nebenbahnen hoch her.

Parlamentarische Anfrage

Das BZÖ brachte in der letzten Sitzung vor der Sommerpause eine parlamentarische Anfrage an das Sportministerium ein, welche die Vereinbarkeit von Walter Beneschs Funktion als OSV-Finanzreferent und dessen dubioser Vergangenheit zum Thema hat.

Mittlerweile ist die Ablöse des langjährigen Verbandsmitarbeiters beschlossene Sache.

OSV-Präsident Christian Meidlinger erklärt im Gespräch mit LAOLA1: „Intern war das schon länger ein Thema und wird bei nächster Gelegenheit, also beim außerordentlichen Verbandstag im September, passieren.“

Mit der BZÖ-Anfrage, so Meidlinger, habe das aber nichts zu tun.

Südstadt-Trainer muss gehen

Gehen muss auch Trainer Walter Bär, der vom OSV per 1. September gekündigt wurde. Mit dem Zusatz, dass er eigentlich ab sofort daheim bleiben kann.

Und das obwohl er in dieser Saison große sportliche Erfolge vorweisen kann.

Neben WM-Teilnehmer Jakub Maly trainiert Bär auch noch Zukunftshoffnung Sascha Subarsky, der zuletzt mit Silber bei der Junioren-EM aufhorchen ließ.

WM-Akkreditierung verweigert

Die Akkreditierung für die WM in Barcelona wurde dem Gekündigten vom Verband verweigert – obwohl Maly mehrfach darum gebeten hatte, seinen Trainer mitnehmen zu dürfen.

Der Schwimmer ging sogar soweit, dass er die finanziellen Mittel für Flug und Hotel selbst auftrieb.

„Mein Verein und das Land Burgenland hätten die Kosten übernommen, aber alle Anträge wurden vom OSV abgelehnt.“

Warum? Die Begründung von Verbandsseite fiel knapp aus. „Weil wir das so beschlossen haben!“

Maly macht den Abflug

Während einige heimische Talente nicht wissen, wie es ohne ihren Trainer weitergehen soll, macht Maly nach der Schwimm-WM den Abflug.

Am Mittwoch absolvierte er sein letztes Training in der Südstadt, ab Anfang September schwimmt er für die University of Minnesota.

„Ich habe in der Südstadt kein Potenzial mehr gesehen. Und nach den jüngsten Entwicklungen bin ich froh, dass ich diesen sportlich notwendigen Schritt mache. Sonst würde ich jetzt ohne Trainer dastehen.“

Nicht nachvollziehbare Entscheidungen

Der Schuldige für die Probleme auf sportlicher Ebene scheint schnell ausgemacht: Moschos Tavlas. Der Sport-Koordinator war schon im Zwist mit Dinko Jukic am Rande der Schwimm-EM 2012 in Debrecen eine der Hauptfiguren.

Walter Bär bezeichnet den langjährigen Fachwart in der „Sportwoche“ als „Totengräber des österreichischen Schwimmsports“ und wirft ihm eklatante Versäumnisse und haarsträubende Aufstellungsfehler vor.

Damit ist er nicht alleine: Zahlreiche Athleten berichten von untragbaren Zuständen unter Tavlas‘ Führung. „Der Großteil seiner Entscheidungen ist schwer bis gar nicht nachvollziehbar“, heißt es da.

Zwei Stunden Warten in der Lobby

Von Willkür ist am Beckenrand die Rede und von Inkompetenz. Von untragbaren Zuständen bei Großveranstaltungen, bei denen Tavlas für die OSV-Delegation verantwortlich war.

Da kann es schon einmal vorkommen, dass das Essen ungenießbar ist und sich nicht um Ersatz gekümmert wird, oder beim Check-In im Hotel nicht klar ist, ob die Athletinnen und Athleten überhaupt ein Zimmer bekommen.

„Man muss sich ständig fragen, ob alles funktioniert. Wie soll man sich da auf den Sport konzentrieren?“, wundern sich einige der besten Schwimmerinnen und Schwimmer des Landes.

„Nie wieder für Österreich!“

Aus Angst vor verbandsinternen Konsequenzen möchten sie nicht namentlich genannt werden.

„Man hat ja bei Dinko gesehen, wo das hinführt. Er war der beste österreichische Sportler bei den Olympischen Spielen – und wo ist er jetzt? Wenn wir kritisieren, dann schwimmen wir nie wieder für Österreich“, fürchten sie um ihre sportliche Zukunft.

„Das Problem ist, dass mittlerweile so viel Politik im Schwimmsport ist, dass man ständig schauen muss, ja nichts Böses zu sagen.“

Von den Gerüchten, wonach man sich spätestens im September auch von Tavlas trennen werde, weiß Meidlinger („Ein Streit unter zwei ehemaligen Freunden!“) nichts.

Was wird bezahlt?

Jakub Maly weiß, dass er Ende August in den Flieger nach Minnesota steigt. Der 21-Jährige kennt seinen Trainingsplan und den Wettkampfkalender.

Wie und ob sein nächster Schritt auf der Karriereleiter gefördert wird, das weiß der gebürtige Tscheche rund einen Monat vor Beginn seines mehrjährigen USA-Aufenthalts nicht.

„Ich bekomme Studium, Unterkunft und Verpflegung bezahlt, aber ich muss ja in Minnesota auch von etwas leben. Und ich weiß bis jetzt nicht, wie es mit den Flügen aussieht.“

Wer brav ist, kassiert

Kollegen raten Maly, sich vor dem Abflug alles schriftlich geben zu lassen.

„Wahrheit und Transparenz sind beim Verband grundsätzlich nicht großgeschrieben, aber spätestens wenn es ums Geld geht, wirst du beinhart angelogen. Da werden Geschichten erfunden, damit nicht bezahlt werden muss“, packt ein Insider aus.

„Erst heißt es, dass man noch genügend Zeit hat, um seine Rechnungen einzureichen und dann ist es plötzlich zu spät. Außer man war brav und hat den Mund gehalten!“

„Hat mich ausgelacht“

Jakub Maly hat bei seiner Amerika-Rundreise zum Jahresbeginn, bei der er einige Universitäten besichtigt hat, mit zahlreichen namhaften US-Trainern über die Zustände im heimischen Schwimmsport gesprochen.

Darunter auch der Team-Manager des US Olympic Teams von London, dem unter anderem Michael Phelps und Ryan Lochte angehört haben.

„Als ich dem erzählt habe, wie es mit dem Schwimmsport in Österreich aussieht, hat er mich ausgelacht.“



Stephan Schwabl und Reinhold Pühringer

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