Wieder Top 10 - Der Quantensprung des "Coco" Blaha

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Constantin Blaha hat sich festgebissen in der Weltspitze.

Nur vier Tage nach seinem sensationellen fünften Platz vom 1m-Brett springt der Wiener bei der Weltmeisterschaft in Barcelona auch vom 3m-Brett mit Rang neun erneut in die Top Ten.

„Es war erst mein zweites WM-Finale und da trotzdem vorne mitzumischen und nicht nur am letzten Platz herumzuschwimmen, ist eine coole Sache“, jubelte der 25-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

Blaha brachte es auf stolze 429,45 Punkte, knappe vier Zähler weniger als der vor ihm liegende Japaner Sho Sakai. „Den hätte ich noch packen können“, wollte er deswegen aber keineswegs unzufrieden sein. Der Sieg ging an den Chinesen He Chong (544,95).

Atmosphäre ja, Sagrada Familia nein

Constantin Blaha nutzte die Universiade in Kazan zur Vorbereitung

Die ungewohnt große Bühne stellte für Blahas Nervenkostüm eine Herausforderung dar. „Da ist mir schon kurz der Reis gegangen. Ich dachte mir kurz: Bumm, das ist das WM-Finale und du gehörst zu den besten Zwölf“, schilderte Blaha die Kulisse am Montjuic.

Nach dem ersten Sprung, der Blaha gut gelang, löste sich die Nervosität des OSV-Athleten aber in Wohlgefallen auf. „Dann war ich im Wettkampf drinnen und konnte es auch genießen.“

Vor jedem Sprung versuchte er noch mit einem Blick auf die Ränge, die Atmosphäre aufzusaugen. „Das gibt dir den Extra-Adrenalinkick.“ Ein kurzes Visualisieren des bevorstehenden Sprungs und dann gings rein ins Brett. „Zeit, um den Ausblick auf Barcelona und die Sagrada Familia blieb aber nicht“, schmunzelt Blaha.

Dieses Prozedere verlief reibungslos. Einzig beim dritten von sechs Finalsprüngen schaute am Ende nicht das gewünschte Ergebnis heraus. „Ich habe unten zu früh aufgemacht, weshalb er zu flach war“, was 57,80 Punkte bedeutete. Zum Vergleich: Beim zweiten Sprung, den „Coco“ mit „Der war Wahnsinn!“ beschreibt, bekam er von den Judges 82,15, was die viertbeste Wertung des Durchgangs war.

Die Konstanz im Kopf

Blaha gelang heuer ein Quantensprung. Noch vor einem Jahr musste er die Olympischen Spiele vom Fernseher aus verfolgen. Ein Karriereende war für ihn aber nicht in Frage gekommen. „Ich bin nicht der Typ, der einmal auf die Schnauze fliegt und dann gleich den Hut drauf haut“, sagte er sich.

Nach dem Abschluss seines Bachelors in Wirtschaftskommunikation in den USA wollte er sich zwei Jahre „gönnen“, in denen er sich zu hundert Prozent dem Sport verschreibt. Das trägt heuer bereits Früchte.

„Ich hatte eine Mörder-Saison, stand bis auf einen Grand Prix jedes Mal im Finale“, so Blaha, der vor einem Monat bereits mit einem vierten Platz vom 1m-Brett bei der EM in Rostock aufzeigte. Vor allem in seinem Kopf hat es „Klick“ gemacht. „Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich endlich auch im Wettkampf zeigen kann, was ich draufhabe. Seit heuer kann ich jedes Mal noch ein Schauferl drauflegen.“

Olympiasieger strauchelte

Während im Lager der Schwimmer das nacholympische Jahr als verhältnismäßig schwach gilt, trifft das auf die WM-Konkurrenz der Springer nicht zu.

„Da war alles da, was Rang und Namen hat“, so Blaha. Olympia-Sieger Ilia Zakharov (RUS) verabschiedete sich allerdings bereits vorzeitig als Halbfinal-14.

Ein Schicksal, das beinahe auch Blaha im Vorkampf ereilte. Als 18. rutschte er um 1,05 Punkte gerade noch in das Halbfinale. Aber das Quäntchen Glück gehört offenbar dazu, um letztlich einen Quantensprung zu ermöglichen.

Reinhold Pühringer

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