Beim ersten Mal tut's noch weh

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Beim ersten Mal tut's noch weh

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Ein Vorbau aus Glas.

Ob das „Adria Wien“ am Donaukanal aufgrund des symbolischen Charakters vom Schwimm-Verband (OSV) als Location für die erste Pressekonferenz seit der Ära Meidlinger gewählt wurde, ist nicht bekannt.

Schließlich ist die transparente Fassade das große Markenzeichen der Bar. Ein Credo, das sich der Vorstand seit Amtsantritt vor einem Jahr auf die eigenen Fahnen zu heften versucht.

Der Erfolg dieses Vorhabens ist – milde umschrieben – ausbaufähig. Da sich der OSV-Vorstand, der vor knapp drei Wochen mit Präsident Stefan Miklauz sein Oberhaupt verloren hat, aber mangelndes Engagement nicht nachsagen lassen will, hatte man am Dienstag eben genau jene Pressekonferenz einberufen. Um über Gerichtsprozesse, Unklarheiten bei Altlasten und die Erfolge des ersten Amtsjahres genau Auskunft geben zu können.

„Es hieß immer, dass wir uns der Presse nicht stellen. Das wollen wir hiermit ändern“, so Vize-Präsident Peter Rothbauer.

Doch wie bei so vielen Dingen im Leben tut’s beim ersten Mal noch weh.

Heitere Wetterlage

Rothbauer, der mit den beiden weiteren Vize-Präsidenten Stefan Opatril und Gerd Lang bis zur nächsten Präsidentenwahl den Verband leiten wird, und Generalsekretär Thomas Unger waren bemüht, die positiven Entwicklungen im OSV aufzuzeigen.

Von einer noch nie dagewesenen Breite im Nachwuchs mit sieben Final-Teilnahmen bei der Jugend-EM sowie diversen Top-Platzierungen aus den Sparten berichtete Rothbauer. Gemäß Unger konnten Gelder innerhalb des Verbandes vom Verwaltungsbereich auf die Sportler umgeschichtet werden, wodurch „70 bis 80 Prozent“ des 1,3 Mio. Euro betragenden Jahresbudgets Sportlern und Trainern zugutekommen würden. „Wir versuchen, näher an den Sportlern, Vereinen und Verbänden dran zu sein“, meint der Nachfolger von Thomas Gangel.

Statements, die zwar zur sonnigen Wetterlage passten, sich aber infolge zum Boomerang entwickelten, als Nadine Brandl in einer vorbereiteten Rede die Arbeit des Vorstands massiv angriff (die Rede im Wortlaut).

„Auf den ersten Blick mag das alles gut ausschauen, bei näherer Auseinandersetzung erkennt man aber die Fehler. Und das zieht sich durch wie ein roter Faden. Das beste Beispiel dafür: Laden Sie eine Athletin zur Pressekonferenz ein, die über Verbesserungen reden soll, wenn Sie ihr vorher ein dreiviertel Jahr Steine in den Weg legen“, so die 25-Jährige, die mit den Worten „ich habe das Vertrauen in den OSV verloren“ schloss.

Das hatte gesessen. Das Wachrütteln schien die OSV-Häuptlinge kalt erwischt zu haben, Rothbauer versuchte im Anschluss an die PK, sein Bedauern über eine verpasste Aussprache im Vorfeld und seine nunmehrige Gesprächsbereitschaft auszudrücken. Eine Vorgehensweise, die etwas spät kommt und angesichts der zuletzt im Vorstand getätigten Überlegungen, eine Limit-lose Synchronschwimmerin der bereits qualifizierten Brandl für die WM vorzuziehen, einem Zurückrudern gleichkommt.

Interesse und Desinteresse

Der zurückgetretene Miklauz hatte kürzlich gegenüber LAOLA1 bemängelt, dass die Vize-Präsidenten im Wesentlichen ihre eigenen Motive verfolgen würden. Ein Eindruck, der sich am Dienstag nicht von der Hand weisen ließ. Rothbauer warf den anwesenden Medienvertretern nämlich vor, die sportlichen Erfolge der Nachwuchs-Schwimmer in ihrer Berichterstattung zu wenig zu berücksichtigen. Jener Rothbauer, dessen Sohn aktuell im Leistungszentrum Südstadt trainiert und zur Schule geht.

Die Journalisten returnierten den Vorwurf, da Aushängeschild Dinko Jukic in der von der PR-Agentur Leisure Communications geführten OSV-Medienarbeit totgeschwiegen werde.

Ein Punkt, bei dem sich auch Veronika Kratochwil einschaltete. Die im Auditorium sitzende Ex-Turmspringerin kritisierte die unverhältnismäßige Beachtung der Nachwuchs-Schwimmer gegenüber anderen Sparten. „Constantin Blaha hatte letztes Jahr mit der erstmaligen Teilnahme an der World Series eine unglaubliche Saison. Nur finden es weder der Präsident noch einer der Vize-Präsidenten der Mühe wert, zu den Staatsmeisterschaften zu kommen“, so die 26-Jährige, laut deren Informationen der OSV schlicht darauf vergessen hatte, den ORF für die damalige ÖM in Wien einzuladen. Leisure-Chef Khaelssberg wies jegliche Schuld von sich.

Kratochwil frustriert: „Ich habe in der Vergangenheit dem OSV meine Hilfe angeboten, wurde jedoch abgelehnt.“

Klagelieder

OSV-Rechtsreferent Arno Pajek versuchte indes, etwas Klarheit in die laufende Prozessflut zu bringen. Vier Verfahren seien derzeit anhängig. Drei Schadenersatzklagen vom Salzburger Landesverband, den Salzburger Vereinen und dem Salzburger Klub Delphin sowie einer Feststellungsklage gegen Statutenänderungen.

Dazu droht eine weitere Schadenersatzklage vonseiten des SC Austria Wien, dessen Ausschluss kürzlich letztinstanzlich für rechtswidrig erklärt wurde. Die drohenden Schadenersatz-Forderungen bezifferte Pajek mit bis zu 280.000 Euro plus rund 100.000 Euro vom SC Austria, womit er die von LAOLA1 vor einem Monat bereits kolportierte Summe nicht widerlegte, sondern vielmehr bestätigte.

Jedenfalls zeigte sich Pajek davon überzeugt, dass nach beendeten Prozessen nur ein Bruchteil der geforderten Summen zu zahlen sei.

Und sollte tatsächlich die volle Schadenssume schlagend werden? Pajek: "Wir wissen nicht, woher wir dann das Geld nehmen sollten."

Befriedung ganz ohne Einigung

„Ich möchte außerdem betonen, dass wir keinen der bisherigen Prozesse angestrebt haben“, bemühte der Jurist einmal mehr die OSV-Absicht, zu unterstreichen, Streitfälle zu befrieden. Eine Ansicht, an der auch die Konfrontation mit der Tatsache, dass der OSV bei allen Prozessen bislang jede mögliche Instanz ausschöpfte, nichts ändert.

Das Scheitern einer außergerichtlichen Lösung lag laut der Darstellung Pajeks vor allem an den unverhältnismäßigen Forderungen von Thomas Krankl, dem Anwalt der Gegenparteien. Die diversen Ausschlüsse sehe er trotz anderslautender Urteilssprüche nach wie vor als vollauf gerechtfertigt.

Nichts Neues also.

Ob die Rechnung der OSV-Führung aufgeht, müssen die Gerichte entscheiden. In kommunikativer Sicht brachte die Pressekonferenz zumindest eine erste Öffnung, nachdem der OSV zuletzt eine Mauer um sich errichtet hatte.

Auch wenn es noch ein wenig wehgetan hatte.

Reinhold Pühringer

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