Schwimm-EM: Von Germknödeln und Wettgeschäften

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Österreichs Schwimmer kehren nicht mit leeren Händen von der Langbahn-EM in Debrecen nach Hause zurück.

Markus Rogans Bronze-Medaille über 200 m Lagen sowie Dinko Jukic‘ „Blech“ über 200 m Delfin stehen aber relativ alleine da. Zwar belegen beide 4x200-m-Kraul-Staffeln den fünften Platz, auf das Podest fehlt aber jeweils ein gutes Stück.

Ähnliches gilt für David Brandl und Birgit Koschischek, deren Endlauf-Teilnahmen zwar als Erfolg eingestuft werden können, dort kommen sie aber über die Statistenrolle nicht hinaus.

In Sachen Olympia-Quali ist die EM ein Reinfall. Abgesehen von der Kraul-Staffel der Herren sowie Rogan, Jukic und Jördis Steinegger, die kein Finale erreicht, schafft in Debrecen kein weiterer OSV-Athlet das Limit des Weltverbands.

Nichtsdestoweniger hat die EM so einiges zu bieten. Von markigen Rogan-Sprüchen bis zur Attacke auf einen Europameister-Coach – LAOLA1 blickt zurück:

Rogans neue Masche

Rogan spricht auch über Hosen-Inhalt

Demut, Demut und noch einmal Demut. Rogan möchte speziell im Olympia-Jahr sein Ego auf ein Minimum zurückschrauben, um seine London-Ausbeute auf ein Maximum zu bringen.

Sein Vorsatz, der Selbstdarstellung abzuschwören, bekam rund um die EM eine Eigendynamik, die mittlerweile als seine neue Masche eingestuft werden kann. Aus journalistischer Sicht bringt der „Trainings-Flüchtling“ aber nach wie vor alles mit, was anzieht: Erfolg, Charisma und jede Menge derbe Sprüche. Hier ein paar Highlights rund um die EM:

  • „Es ist, wie wenn man als Kind mit der Modelleisenbahn spielt und dann zum Zugschaffner wird.“ Rogan, der das EM-Finale über 200 m Lagen als kleine Probe für Olympia sieht.
  • „Heute habe ich an etwas gedacht, das Hermann Maier mir vor zehn Jahren gesagt hat: Wenn du im Sport wirklich etwas erreichen willst, dann brauchst du Eier so groß wie Germknödel.“ Rogan nach seiner Bronzenen.
  • „Aber steh‘ einmal auf so einem Siegespodest und fühl dich nicht großartig. Probier‘ das einmal, das ist verdammt schwer. Der Kopf schwillt so an, das passiert jedes Mal.“ Rogan über sein Ego-Problem.
  • „Zumindest auf Wikipedia habe ich eine große Klappe. Aber die habe ich mir auch verdient.“ Rogan über seine ausklappbare Medaillen-Bilanz auf Wikipedia.

Engagiertes Sicherheitspersonal

Biedermann (mit Britta Steffen) kann es offenbar auch ohne Trainer

„Safety first“ – eine Prämisse, an die sich auch die EM-Securities tunlichst hielten. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass ein akkreditierter Trainer, wie jener von Kraul-Star Paul Biedermann, vor den Finalläufen nicht in die Halle gelassen wird.

Als besagter Frank Embacher dann doch eine Lücke entdeckte, mogelte er sich kurzerhand an den Sicherheitsleuten vorbei. Vorerst.

„Plötzlich stürzten sich mehrere Security-Leute auf mich, drehten mir den Arm um, schleiften mich davon und warfen mich aus der Halle“, berichtete der Coach gegenüber der „Bild“. Von einer Anzeige sah Embacher aber ab.

Den Goldlauf seines Schützlings über 400 m Freistil musste er hinter einer Glastür verfolgen.

Das etwas andere Wettgeschäft

Wenig profitable EM für Koschischek

Wetten ist an und für sich eine tolle Sache. Etwas befremdliche Züge nimmt das Ganze allerdings an, wenn der Trainer mit der eigenen Athletin über deren Zeit wettet. So geschehen zwischen Adam Thoroczkay und Birgit Koschischek.

Der Coach hatte 100 Euro darauf gesetzt, dass die 25-Jährige im Vorlauf über 100 m Delfin nicht unter 59,40 Sekunden bleibt. Thoroczkay sollte Recht behalten, denn Koschischek schlug in 59,64 an.

Damit nicht genug, folgten noch weitere Wetten. Leider zum Nachteil der Sportlerin, die anschließend sogar mit 200 Euro in der Kreide stand.

Auch wenn die Art und Weise nicht alltäglich ist, wollte der Trainer seinen Schützling damit sicherlich nur motivieren. Was mit dem Geld angefangen werde könnte? Jedenfalls kein Ticket für London kaufen, denn das holt sich Koschischek noch auf sportlichem Weg. Schließlich liegt die Wienerin nur knapp hinter dem Limit und darf sich sogar auf eine Einladung von der FINA Hoffnungen machen.

Wo Rogan Cseh verdrängt

Markus Rogan wird in Debrecen zum Poster-Boy

Wie gestaltet man am besten einen EM-Poster? Die Zutaten liegen eigentlich auf der Hand: Man nehme einen Local-Hero in einer möglichst emotionalen Pose und packe noch ein paar Basis-Infos drauf.

Unsere ungarischen Nachbarn pfiffen drauf und bildeten lieber Rogan ab. Dabei hätte es ihnen mit Laszlo Cseh (mit drei Goldenen, einer Silbernen und zwei Bronzenen erfolgreichster EM-Athlet) oder Evelyn Verraszto an heimischen Stars nicht gemangelt.

Vielleicht verfolgten die Magyaren aber eine ganz andere Strategie. Dass Rogans größte Schwäche das eigene Ego ist, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Warum das also nicht nützen?

Schwimmer im Bierzelt

Das Umfeld der EM in Debrecen für die Athleten war keineswegs optimal. Die Schwimmer konnten sich während der Wettkämpfe in einem Festzelt neben der Halle aufhalten. Frische Luft und Platz waren allerdings Mangelware. Sogar die deutsche Star-Kraulerin Britta Steffen ergatterte nur mehr einen Platz auf dem Boden.

Auch das Bad selbst stieß an seine Kapazitätsgrenzen. Zuschauer-Plätze waren derartig rar gesät, dass die ausgeschiedenen Schwimmer die Finals zum größten Teil aus den Hotels verfolgen mussten. „Das sind nun mal die Bedingungen, damit musst du klar kommen“, fand sich Fabienne Nadarajah damit ab. „Aber es stimmt, dass wir definitiv schon bessere Rahmenbedingungen hatten.“

Eigentlich hätte in Debrecen gar nicht geschwommen werden sollen. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten hatte Antwerpen die Titelkämpfe wieder hergeben müssen, die Ungarn sprangen kurzerhand ein.

Gold

Silber

Bronze

Gesamt

  1. Ungarn

9

10

7

26

  1. Deutschland

8

6

3

17

  1. Italien

6

8

4

18

  1. Frankreich

4

4

3

11

  1. Spanien

3

1

3

7

  1. Schweden

2

4

2

8

  1. Norwegen

2

0

1

3

  1. Griechenland

1

0

5

6

  1. Israel

1

0

4

5

  1. Tschechien

1

0

2

3

  1. ÖSTERREICH

0

0

1

1

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