Rogan: Von der Modelleisenbahn zum Zugschaffner

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Die Zuversicht von Markus Rogan für seinen Olympia-Auftritt am 1. August in London über 200 m Lagen ist gestiegen.

Das am Mittwoch in Debrecen gewonnene EM-Bronze allein wäre nicht Grund genug dafür, es sind die Begleitumstände.

Denn der Medaillengewinn war nicht unbedingt zu erwarten. So lässt es sich leichter in die letzten zwei Monate der Vorbereitung auf die Spiele starten. Nach den beiden EM-Staffeln am Wochenende wird Rogan im Training den letzten Gang einlegen.

"Dasselbe nur größer"

Die in der zweitgrößten ungarischen Stadt gewonnenen Erfahrungen werden ihn dabei antreiben. Die nur kleine Medaillenchance zu nutzen soll im Idealfall auch in London die Devise sein.

"Es wird bei Olympia dasselbe Spiel wie bei der EM, nur größer", erläuterte Rogan.

"Es ist, wie wenn man als Kind mit der Modelleisenbahn spielt und dann zum Zugschaffner wird." Um diesen Sprung auch ordentlich zu bewältigen, hat sich das Schwimm-Ass seit vergangenem Jahr vor allem auf Delfin, Brust und den Wenden gesteigert.

Zu den US-Trials

Nach der Ungarn-EM wird Rogan wieder an seinem Stützpunkt in Los Angeles an sich arbeiten, ehe es zu den am 25. Juni beginnenden US-Trials in Omaha/Nebraska geht.

Zwar darf der 30-Jährige am achttägigen Event nicht teilnehmen, er wird aber die Präsenz einer Vielzahl von Weltklasseschwimmern zum Qualitätstraining nutzen.

Schließlich wird der Wiener direkt vor den Spielen in Tenero in der Schweiz trainieren. "Trainingspartner, Bedingungen und Akklimatisierung", begründete Rogan die Wahl des Trainingsorts.

Optimierung der noch verbleibenden Zeit

"Ich brauche die ideale Vorbereitung, das beste Training, die größte Ruhe und Glück. Es muss wirklich alles perfekt laufen, um eine kleine Chance zu haben", skizzierte der OSV-Star die verbleibenden neun Wochen bis zur Olympia-Eröffnung.

Seine rennfreien Tage in Debrecen hat Rogan für Technik-Arbeit genutzt. So eine Einstellung hatte er nicht immer.

"Ich glaube, in meiner Karriere bin ich mir oft selbst im Weg gestanden - in erster Linie mein Ego und mein Hirn haben es mir nicht einfach gemacht."

OSV-Rekord vorprogrammiert

Diesmal hat der Gewinner von nun 34 internationalen Medaillen aber all dies beiseitegelassen und alles abgerufen. "Es war in unvorbereitetem Zustand meine schnellste Zeit."

Daher zweifelt der Kurzbahn-Europarekordler keine Minute daran, in London unter seinem OSV-Rekord von 1:57,74 zu schwimmen.

"Außer in Sydney bin ich bei Olympia immer Bestzeit geschwommen. Das schaffen nur zehn Prozent und auf das kann ich hoffen", sagte Rogan. "Wenn aber alle Bestzeit schwimmen, dann habe ich keine Chance."

Wie hoch die Medaille tatsächlich hängt

Das geht vor allem in Richtung Laszlo Cseh, am Mittwoch in 1:56,66 zum vierten Mal in Folge EM-Goldmedaillengewinner über 200 m Lagen.

Rogan glaubt aber nicht, dass sich der Ungar bei Olympia zwingend unter 1:56 steigern wird.

"Ich glaube nicht, dass man unter 1:56 braucht für eine Medaille." Gold und Silber sollten an das erwartete US-Duo Michael Phelps und Ryan Lochte zwar darunter weggehen, doch für den Rest geht es ohnehin nur um Olympia-Bronze.

Rogan als Fahnenträger?

Für Rogan aber nicht mehr über 400 m Lagen. Dieses Projekt ist für ihn nicht mehr aktuell, 200 m Lagen wird Rogans einziger Einzel-Bewerb in London sein.

Dadurch kommt der Hakoah-Athlet auch wieder ins Spiel, wenn es um Österreichs Fahnenträger geht.

Da die 400 m Lagen am ersten Bewerbstag sind, wäre das für ihn bei einem Renneinsatz tabu gewesen. Nun hat Österreichs "Sportler des Jahres 2004" nach der Eröffnung aber noch vier Tage Zeit, ehe er in der Kraul-Staffel seinen ersten Olympia-Einsatz haben wird.

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