"Mafia-Anzeige" gegen OSV

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"Mafia-Anzeige" gegen Schwimm-Funktionäre

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Da sitzen sie aufgereiht: Thomas Krankl, Christian Schneeberger und Niko Formanek.

Die Männer, die vom Schwimm-Verband (OSV) gerne als jene Gruppe bezeichnet wird, „die Österreichs Schwimmsport  im Würgegriff hat“. Ein Sager, den zuletzt Vize-Präsident Stefan Opatril sogar vor ORF-Kameras zum Besten gab und der die missliche Lage des OSV irgendwie rechtfertigen soll. Man könne ja nichts dafür, man sei ja nur ein Opfer. Die Gerichte sahen dies bislang aber stets umgekehrt.

Die beiden ehemaligen Schwimmer Krankl und Schneeberger sind im Brotberuf Anwälte und führen derzeit gleich mehrere Klagen gegen den Verband ins Feld. Und das sehr erfolgreich, weil unbesiegt. Gegen die Ausschlüsse des SC Austria Wien (Krankl), des Salzburger Landesverbandes sowie acht Salzburger Vereine (beides Schneeberger) wurde erfolgreich prozessiert. Nun sind Schadenersatzforderungen an den Verband anhängig, die laut Krankl mittlerweile auf rund 580.000 Euro gestiegen sind.

Wenn so ein eigentlich zusammengewürfelter Haufen zu einem Pressegespräch bittet, dann ist das nichts Alltägliches und macht neugierig. Was es denn zu präsentieren gebe? Richtig, eine neue Klage. Gut, angesichts der bereits erwähnten Juristereien klingt das auf den ersten Blick nicht wie eine Bombe, bringt letztlich aber doch eine neue Wendung in der schon fast unendlichen Causa OSV.

Denn schließlich wird diesmal nicht der OSV geklagt, sondern elf aktuelle bzw. ehemalige Verbands-Funktionäre. Unter anderem die Ex-Präsidenten Paul Schauer und Stefan Miklauz, Ex-Finanzreferent Walter Benesch, Ex-Generalsekretär Thomas Gangel, der aktuelle Generalsekretär Thomas Unger, Rechts-Referent Arno Pajek oder auch Vize-Präsident Stefan Opatril.

Den Beschuldigten, für welche die Unschuldsvermutung gilt, wird neben Betrug, Untreue, kriminelle Krida, Urkundenfälschung und Fördermittelmissbrauch auch der Paragraph 278a, also die Bildung oder Beteiligung an einer kriminellen Organisation, zur Last gelegt. Letzterer ist unter dem Terminus „Mafia-Paragraph“ geläufiger.

Unger gibt altem Vorstand die Schuld

Der Einbringer der Klage ist mit Formanek der dritte im Bunde. Ein Vater einer ehemaligen Synchronschwimmerin, die nach Zwistigkeiten mit dem OSV nach Luxemburg auswanderte. Der Kabarettist versuchte in den vergangenen Monaten mit Facebook-Postings Österreichs Öffentlichkeit und Schwimm-Community über die Missstände im Verband aufzuklären.

Was sein Antrieb ist, nun sogar eine Klage einzubringen, sei nicht so einfach zu erklären. „Ich bin da anfangs mehr oder weniger hineingerutscht. Bald habe ich gemerkt, dass da viel nicht stimmen kann“, schildert Formanek, der als unangenehmer Zeitgenosse auch Gegenwind zu spüren bekam. „Irgendwann ist es sogar so weit gegangen, dass meiner Frau gedroht wurde.“ Und von Generalsekretär Thomas Unger sei er ohnehin „nur belogen worden“.

Dieser sieht der Klage auf Nachfrage von LAOLA1 „sehr gelassen“ entgegen. „Es ist lächerlich, dass Herr Formanek nach wie vor nicht unterscheidet zwischen altem und neuem Vorstand. Ab dem Zeitpunkt, wo ich im Amt war, hat es nichts mehr gegeben“, so der Oberösterreicher, der zu Beginn seiner Amtszeit Ende 2013 die umstrittene Abfertigung mit Gangel aushandelte.

Backe, backe, Kuchen

Kabarettist Niko Formanek zeigt elf Schwimm-Funktionäre an

Ein wichtiges Anliegen sei dem Trio der Verbleib der Gelder von Sponsor Ströck. Über eine Million Euro pumpte die Bäckerei über die Jahre in den OSV. Oder besser gesagt in jene Geheim-GmbH, von der bis zum Verbandstag 2012 nicht einmal die Verbands-Kassaprüfer etwas wussten und die deshalb unkontrolliert geblieben war.

Wo das Geld hingekommen ist, weiß bis heute niemand. Und dafür schien sich bislang auch der aktuelle Vorstand nicht zu interessieren. Unger versucht indes zu bekräftigen, dass man nun sehr wohl bemüht sei, die Sachlage aufzuklären. Reichlich spät.

„Die Sponsorengelder sind seit 2009 in der GmbH verschwunden. Von der GmbH sind null Euro an den OSV zurück geflossen“, sagt Krankl, der am Verbandstag 2012 in Linz einen Antrag stellte, dass man den Vereinen Einblick in das GmbH-Konto gewähren lassen sollte. „Benesch meinte nur, dass mich das nichts angehe.“

Der Verdacht der Untreue wird von diversen – auch der Redaktion vorliegenden – Vorstandsprotokollen untermauert. Krankl dazu: „Im Grunde ist das wie beim BAWAG-Skandal gelaufen. Dort hat der Elsner auch ohne die Zustimmung der zuständigen Organe einfach Gelder vergeben.“ Die Gesetzeslage im für den OSV geltenden OSV-Gesetz sei hierfür sogar noch rigoroser.

Eine Vorgehensweise, die Krankl auch Meidlinger vorwirft. Der SPÖ-Gemeinderat befindet sich aufgrund politischer Immunität jedoch nicht auf der Liste der Beklagten. Eine Immunität, die Krankl schon im Vorjahr bei LAOLA1 als hinterfragenswürdig einstufte.

Den Verdacht der Konkursverschleppung äußerte erst jüngst wieder eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Politikerin Gabriela Moser.

Griff in die Privat-Schatulle

Vor wenigen Monaten war bei den Schadenersatz-Forderungen noch von rund 385.000 Euro ausgegangen worden. Der rasante Anstieg auf mittlerweile knapp 580.000 Euro liegt an einem Sprung bei den Forderungen des SC Austria Wien. Krankl meldete für den Ex-Klub von Dinko Jukic den Anspruch auf 290.000 Euro beim Verbands-Gericht an. Dieses hat nun sechs Monate Zeit, über dessen Rechtmäßigkeit zu entscheiden.

„Bislang hat es aber immer zugunsten des OSV entschieden“, erklärt Krankl, der danach jedes Mal den Weg zu einem ordentlichen Gericht suchte, welches ihm bisher auch immer Recht gab. „Ganz einfach deshalb, weil es sich bei den Ausschlüssen stets um Formal-Fehler handelte“, verweist Krankl darauf, dass der OSV den ausgeschlossenen Klubs in keinem Fall das Anrecht auf Stellungnahme gewährte und somit einen rechtlichen Grundsatz verletzte. Laut ihm ein juristischer Anfänger-Fehler.

Schneeberger ortet hierin sogar eine mutwillige Absicht des OSV-Verbands-Gerichts. Mit Kurt Kozak befindet sich dementsprechend auch ein Verbandsrichter auf Formaneks Liste. Krankl weitet die Anschuldigungen sogar noch aus: „Die juristischen Fehlleistungen des Vorstandes sind eklatant, darum besteht auch ein Haftungsanspruch.“ Das würde bedeuten, dass im Falle einer Insolvenz des OSV Vorstandsmitglieder mit ihrem privaten Vermögen zur Kasse gebeten werden könnten.

Ein Angebot zum Frieden

OSV-Generalsekretär Thomas Unger

Da sich auch Krankl und Schneeberger dem Ungleichgewicht zwischen ihren Schadenersatzforderungen und der aktuellen finanziellen Potenz des OSV bewusst sind, haben die beiden der Gegenpartei bereits ein Friedens-Angebot in Aussicht gestellt.

„Schließlich gehe es ja auch um den Sport“, so Schneeberger, der wegen des Ausschlusses mit seinen Salzburger Nachwuchs-Schwimmern im Sommer die Seen in seiner Umgebung als Trainings-Reviere nutzen muss.

Von Salzburger Seite sieht das Friedens-Angebot so aus, dass der Vor-Ausschluss-Zustand wieder vollkommen hergestellt und kooperiert werden muss. Laut Schneeberger hat es diesbezüglich vor wenigen Wochen ein Gespräch zwischen ihm, den drei Vize-Präsidenten und Pajek gegeben. „Einige haben das Angebot durchaus in Erwägung gezogen. Nur Pajek war strikt dagegen“, schildert Schneeberger, der hinter diesem Verhalten einen Zusammenhang mit der lange Zeit geheim gehaltenen Gründung eines Parallel-Verbandes vermutet. Von diesem hatten laut OSV nur Pajek und Masters-Referent Wolfang Raber gewusst.

Der OSV meldete sich infolge jedenfalls nicht mehr bei Schneeberger.

Ein später Einfall

Krankl betonte bei seinem Friedensangebot in der Vergangenheit stets, dass dies mit dem Rücktritt einiger Vorstandsmitglieder einhergehen müsste, die einst beim Ausschluss des SC Austria beteiligt waren.

Der Rechtsbeistand der Familie Jukic adressierte mit Schneeberger eine weitere Offerte an den OSV. „Wir haben dem Verband angeboten, dass wir die GmbH durchleuchten und Geld gegebenenfalls von den jeweiligen Personen zurückfordern.“ Eine Aktion, die letztlich dem OSV Mittel zurückbringen solle.

Die Verantwortlichen lehnten jedoch ab. Vielmehr findet am Samstag am Rande der Staatsmeisterschaften im Linzer Parkbad eine Gesamtvorstandssitzung (mögliche OSV-Szenarien) statt, bei der eine Verbands-interne Untersuchungs-Kommission gegründet werden soll, welche die Vorgänge der Vergangenheit untersuchen soll.

Auch dies kommt reichlich spät.

 

Reinhold Pühringer

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