"Der Erfolg hätte nicht abreißen müssen"

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Die großen Erfolge der österreichischen Ruderer liegen schon einige Zeit zurück. War unser Land Ende der 1980er bis Mitte der 90er noch eine angesehene Rudernation, hielt sich die Zahl der Erfolge bei den letzten Großereignissen, insbesondere bei Olympischen Spielen, in bescheidenen Grenzen.

Dabei hätte der Erfolg nicht abreißen müssen, wie Thomas Kornhoff, Präsident des Wiener Ruderverbandes, im Gespräch mit LAOLA1 meint.

"Wir waren über ein Jahrzehnt mit einer quantitativ schmalen Basis in der Weltspitze vertreten, haben Weltmeistertitel und Medaillen errungen. Damals ist der Erfolg aus einer Systematik herausgekommen, aus einer Trainerstruktur, einem systematischen Aufbau der Jugendlichen bis hin zur Weltklasse. Wenn man zwischendurch nicht auf diese Tugenden vergessen hätte, dann hätte der Erfolg nicht abreißen müssen", schildert Kornhoff.

Wenige Unbekannte

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, ist man seiner Meinung nach im Rudern von weniger Zufälligkeiten abhängig. Mit den richtigen Maßnahmen scheint der Erfolg planbar.

"Rudern ist eine Sportart – ich sage nicht, dass man kein Talent braucht, das gehört natürlich dazu – aber die sehr gut prognostizierbar und entwickelbar ist. Man kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Erfolg produzieren, wenn man richtig arbeitet."

Dass es zuletzt bei mehreren Olympischen Spielen im Ruderlager keinen Grund zum Jubel gab, lag demnach "an einer schlechten Arbeit in der österreichischen Ruderei, im Verband bis hinunter in die Vereine", so Kornhoff.

"Es war kein Zufall"

Horst Nussbaumer (2. von links) ist neuer ÖRV-Präsident

Bei den Spielen in London 2012 und Peking 2008 waren Österreichs Ruderer nicht vertreten. Die letzte Medaille holten Christoph Zerbst und Arnold Jonke 1992 in Barcelona. Das Duo sicherte sich im Doppelzweier Silber.

Für Erfolg oder Misserfolg sieht Kornhoff zwei entscheidende Punkte. Einerseits die Infrastruktur der Trainings- bzw. Wettkampfstätten (Bedürfnis-Erhebung), andererseits eine funktionierende Trainingsstruktur.

"Es war kein Zufall, dass wir vor 20 Jahren 15 Athleten hatten, die physisch auf Weltklasse-Niveau waren. Wir waren damals nicht talentierter, wir hatten ein systematischeres Training, als es viele unserer Sportler in den letzten Jahren hatte."

Neue Besen

Ein weiteres Manko bildet die unterschiedliche Ausrichtung der Sportler. "Eines der Probleme in Österreich ist, dass die besten Ruderer nicht miteinander fahren können, weil sie technisch völlig verschiedene Voraussetzung mitbringen und über Jahre in verschiedene Richtungen trainiert haben", berichtet Kornhoff. Daher bemüht man sich nun um eine möglichst einheitliche Ausbildung.

Dem wurde auch in der Neugestaltung des Verbandes Rechnung getragen. Neben dem Wechsel an der Verbandsspitze - Horst Nussbaumer, selbst dreimaliger Olympia-Teilnehmer, folgte im März auf Langzeitpräsident Helmar Hasenöhrl - wurde mit Carsten Hassing ein international erfahrener Nationaltrainer engagiert.

Zudem setzte man Christoph Engl, Wolfgang Sigl und Kurt Traer als Stützpunkttrainer für Oberösterreich, Wien und Kärnten ein.

Forcierung des Schulsports

Wiener LV-Präsident Thomas Kornhoff

Für die Zukunft sieht man sich gut aufgestellt und macht sich bereits für Rio 2016 Hoffnungen, die unter anderem von Paul (19) und Bernhard (22) Sieber genährt werden.

Die Brüder wurden 2012 U23-Weltmeister. "Das Ziel ist jetzt natürlich, sich zu etablieren und 2016 wirklich soweit zu sein, dass sie vielleicht vorne mitfahren können," so Kornhoff, der aber auch vor zu viel Euphorie warnen möchte. Diese Olympischen Spiele in Brasilien könnten seiner Meinung nach für einige Athlethen noch etwas zu früh kommen.

Im Zulauf zum Rudersport kann die Erfolgs-Flaute nicht begründet liegen, der ist mehr als ausreichend. Steigern ließe er sich quantitativ laut Kornhoff nur mit der Etablierung als Schulsport, wie es in englischsprachigen Ländern und teilweise in Deutschland und Frankreich der Fall ist: "Das sind andere Dimensionen, da sitzt jeder einmal in einem Ruderboot und jede Schule hat ihr Bootshaus, da sind wir natürlich weit weg. Da haben wir andere Strukturen, in allen Sportarten."

 

Christoph Kristandl

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