WM-Dämpfer für unseren Cambridge-Pionier

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„Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Mit großer Ernüchterung ist Alexander Leichter gerade eben mit seinen Nebenmännern Clemens Auersperg, Christoph Seifriedsberger und Ferdinand Querfeld aus dem Boot geklettert.

Das D-Finale der Ruder-WM auf dem Lac d’Aiguebelette hatte für die traurige Gewissheit gesorgt, dass Österreichs schwerer Vierer ohne Steuermann den 21. und gleichzeitig letzten Platz belegte.

„So eine WM tut einfach nur weh. Das erlebt kein Sportler gerne“, meint Leichter, der vor knapp einem halben Jahr für Schlagzeilen sorgte, als er als erster Österreicher beim legendären Boat Race auf der Londoner Themse für die Uni von Cambridge zum Ruder gegriffen hat.

Damals hatte der 26-Jährige gegenüber LAOLA1 erklärt, dass er aus beruflichen Gründen bereits nach diesem Olympia-Zyklus seine Karriere beenden könnte. Und da diese WM die erste von insgesamt zwei Möglichkeiten ist, einen Quotenplatz für das Highlight in Rio zu holen, stellt sich die Frage, ob dieser Dämpfer nicht gar der verfrühte Todesstoß für die Laufbahn des Oberösterreichers war.

„Meine Position ist nach wie vor, dass mir Rudern Spaß macht“, relativiert Leichter. Noch sei das Erlebte aber zu frisch, um eine Entscheidung übers Knie zu brechen. „Von daher muss man das erst einmal sacken lassen.“

Verdauen und evaluieren

Alexander Leichter

Ähnliches gelte auch für den Verband: Die ÖRV-Verantwortlichen hatten nach den Studiums-Abschlüssen von Leichter und Auersperg in Cambridge den Versuch gestartet, sie gemeinsam mit den beiden ehemaligen Junioren-Europameistern Seifriedsberger und Querfeld zu einem Vierer zusammenzuspannen. Ein Experiment, das jedoch wenig Vorlaufzeit hatte.

Erst seit Anfang August konnte das Quartett konzentriert gemeinsam arbeiten. „Alle vier haben am Ergometer tolle Werte. Doch die große Schwierigkeit ist, dass sie als Einheit harmonieren“, spricht ÖRV-Sportdirektor Norbert Lambing den stark vom österreichischen Stil abweichenden Cambridge-Ruderschlag des „Briten“-Duos an.

Und genau das wurde dem Vierer bei der WM zum Verhängnis. Leichter: „In den Trainings haben wir es schon einigermaßen zusammengebracht, dass wir den gleichen Stil rudern, aber unter dem Druck der WM sind wir wieder komplett zerfallen. Wir haben uns deutlich unter Wert verkauft.“

Fürsprecher Hassing?

Nach Evaluierung der Leistungen und Abwägung der Chancen, müsse auch der ÖRV entscheiden, ob der schwere Vierer weiter forciert wird. Eine zentrale Rolle wird dabei Nationaltrainer Carsten Hassing zukommen. „Er ist ein großer Verfechter der schweren Bootsklassen“, weiß Leichter. „Für ihn war es auch sehr schmerzhaft, das mitanzusehen.“

Doch der Däne habe den Vierer nicht ohne Grund bei der WM an den Start geschickt, schließlich habe man mit entsprechenden Trainingszeiten die Konkurrenz-Fähigkeit unter Beweis gestellt. „Er hat uns nicht zur Schlachtbank geführt“, schließt Leichter ab.

Wenn alle Beteiligten weiter am „Strang“ Rio 2016 ziehen, würde die Restplatz-Regatta im Frühjahr die nächste und letzte Chance für ein Olympia-Ticket bedeuten.

Reinhold Pühringer

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