"Regeln gelten auch für Jukic!"

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Schröcksnadel: So werden wir wieder erfolgreich!

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Der Aufschrei war groß, als Österreichs Sommersportler von den Olympischen Spielen in London im Vorjahr ohne Medaille nach Hause kamen. Von „Olympia-Touristen“ war nach der Nullnummer die Rede.
 
Vieles wurde infrage gestellt, was im heimischen Sport viel zu selten passiert. Gleichzeitig begann eine Diskussion, wo man den Hebel ansetzen könnte.
 
Sport und Politik hatten jede Menge Ideen, eine davon war die „Tägliche Turnstunde“, eine andere Olympische Spiele in Wien. Konkrete Ergebnisse gab es nicht.
 
Dann kam der Herbst und irgendwann der Ski-Weltcup und Marcel Hirscher. Ein dreiviertel Jahr später, der Sommer steht vor der Haustür, kommt nun doch wieder Bewegung in die Sache.
 
Am Donnerstag präsentierten Sportministerium und das Österreichische Olympische Comité den neuen Chef-Koordinator für die Olympia-Projekte des Bundes: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (LAOLA1 hat berichtet).
 
Der 71-Jährige war der erklärte Wunschkandidat von Sportminister Gerald Klug und ÖOC-Präsident Karl Stoss.
 
Im großen LAOLA1-Interview erklärt ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel was heute anders ist als unmittelbar nach London, warum er damals abgelehnt hat, wie die ersten Schritte aussehen und wo er den Hebel ansetzen möchte.


LAOLA1:
Herr Professor Schröcksnadel, nach der Nullnummer von London haben Sie noch gesagt: „Der Sommer ist nicht mein Thema!“ Ein dreiviertel Jahr später sind Sie Chef-Koordinator der Olympia-Förderung und damit verantwortlich für das Projekt Rio 2016.
 
Peter Schröcksnadel: Als man mich damals nach den Olympischen Spielen gefragt hat, ob ich das machen möchte, habe ich abgelehnt. Aber nicht weil es geheißen hat, der Schröcksnadel versteht nichts vom Sommer.
 
LAOLA1: Sondern?
 
Schröcksnadel: Es gibt jetzt einen Konsens zwischen Sportministerium und ÖOC. Deshalb kann ich mit gutem Gewissen mitmachen. Jetzt kann man etwas bewegen und sitzt nicht mehr zwischen zwei Stühlen.
 
LAOLA1: Nach der Ski-WM in Schladming wurde darüber diskutiert, wie lange Sie noch im Sport tätig sein werden?
 
Schröcksnadel: Wir haben wahrscheinlich die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten organisiert. Natürlich hätte ich danach sagen können: Ich höre auf! Aber ich liebe Herausforderungen – und das ist eine Chance für den österreichischen Sport. Ich möchte gerne zeigen, was da möglich ist.
 
LAOLA1: Sie haben 20 Millionen Euro für vier Jahre zur Verfügung.

LAOLA1: Viele Sportler fragen sich, nach welchen Kriterien der Olympia-Kader erstellt wird.
 
Schröcksnadel: Ich möchte da jetzt noch nicht ins Detail gehen. Aber wir werden uns natürlich genau überlegen, wer in den Kader kommt. Natürlich geht es um die Medaillenchancen, aber es müssen schon mehr Parameter passen. Eines kann ich aber sagen: Wer bereit ist, sich für den Erfolg zu quälen, der wird dabei sein und gefördert werden.
 
LAOLA1: Dinko Jukic musste sich seit London vor allem mit Funktionären und Gerichtsterminen herumquälen. Wie sehen Sie seine Situation?
 
Schröcksnadel: Wir werden einerseits das Gespräch mit dem Schwimm-Verband suchen, aber ich werde auch persönlich mit Jukic sprechen. Ich gehe davon aus, dass wir hier eine Lösung finden. Aber es ist schon auch so, dass er sich an gewisse Regeln halten muss, wenn er für Österreich starten und gefördert werden möchte.
 
LAOLA1: Sie sind 71 Jahre jung, Dinko Jukic ist 24 Jahre. Mit Verlaub: Sprechen Sie da überhaupt dieselbe Sprache?

Schröcksnadel: Das ist viel Geld, aber Spaziergang wird es trotzdem keiner. Es wird Interventionen geben, aber das bringt bei mir gar nichts. Ich bin unabhängig, weisungsungebunden und habe alle Vollmachten. Wir machen den Kader. Wir betreuen die Athleten, wie wir das für richtig halten. Wir richten uns nicht nach Zwischenrufern. Weil sonst wäre es wieder eine halbe Geschichte.
 
LAOLA1: Waren Sie überrascht, dass Sportminister Gerald Klug ihren Forderungen vollinhaltlich zugestimmt hat?
 
Schröcksnadel: Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Politik so rausnimmt. Immerhin kommt das Geld vom Sportministerium. Aber ich habe dem Minister gesagt: Wenn ich es mache, dann mit vollem Einsatz. Aber dafür erwarte ich volle Handlungsfreiheit. Bei politischem Druck hätte ich es nicht gemacht.
 
LAOLA1: Was sind nun die ersten Schritte, die auf den Weg gebracht werden?
 
Schröcksnadel: Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Wir haben einen vorläufigen Beobachtungskader erstellt, der auch gefördert wird. Da werden wir jetzt einmal schauen, dass das Geld auch ausbezahlt wird. Weil das ist bislang noch nicht geschehen.

Schröcksnadel: Ich bin überzeugt, dass ich weiß, was Sportler brauchen. Und nur darum geht es. Ich habe viele erfolgreiche Sportler persönlich betreut: Hermann Maier, Stephan Eberharter, Benjamin Raich oder jetzt Marcel Hirscher. Spitzensportler wie unsere Skifahrer oder auch der Dinko Jukic brauchen ein besonderes Umfeld. Und das werden wir ihnen schaffen.
 
LAOLA1: Welche Erfahrungen haben Sie als ÖSV-Präsident eigentlich mit der Sport-Förderung gemacht?
 
Schröcksnadel: Die Abrechnung der Förderungen ist furchtbar. Wir haben beim ÖSV noch 360.000 Euro offen. Allerdings von vor zwei Jahren. Dazwischen gab es wieder irgendwelche Änderungen. Bei dem Chaos bist du pleite, bevor du das Geld bekommst. Nur eines ist klar: die Gießkanne muss weg! Da lasse ich mir auch nichts reinreden.
 
LAOLA1: Eine weitere Großbaustelle im heimischen Sport ist die mangelhafte Infrastruktur in den meisten Sportarten. Können Sie sich als ÖSV-Präsident im Land der Berge überhaupt hineinversetzen?
 
Schröcksnadel: Aber sicher. Das ganze Land erwartet von uns Siege in der Abfahrt, aber wir haben in Österreich keine einzige permanente Abfahrtsstrecke, auf der wir trainieren können. Das passiert alles nur von Gnaden der Liftbetreiber. Aber die wollen uns um halb Neun, wenn der Kundenbetrieb beginnt, weg haben.
 
LAOLA1: Sie sind selbst auch Liftbesitzer?
 
Schröcksnadel: Ja, ich verstehe das auch. Aber es gibt genug Lifte, die kein Geld haben. Da werden wir Gespräche führen. Weil es kann ja nicht sein, dass wir nach Neuseeland und Südamerika fliegen müssen, dass die Amerikaner in Copper Mountain ein Trainingszentrum haben, in dem wir uns einmieten, und wir haben hier eigentlich alle Möglichkeiten.
 
LAOLA1: Wenn wir schon beim Wintersport sind: Was kann man von den Erfolgen in der kalten Jahreszeit für den Sommer mitnehmen?
 
Schröcksnadel: Das ist der falsche Ansatz. Wir haben im Winter genauso Bedarf wie im Sommer. Wer gewinnt bei Winterspielen die Medaillen? Mit Ausnahme der Rodler und der ÖSV-Athleten sind wir da auch irgendwo. Wo sind die Eisschnellläufer, die Eiskunstläufer? Wo sind die Bobfahrer? Wo ist das Curling-Team? Der Sommer ist jetzt der Start für die neue Förderung, aber der Winter ist natürlich genauso ein Thema.
 
LAOLA1: Sie haben jetzt rund drei Jahre Zeit, um den Sommersport in die Erfolgsspur zu bringen. Wann ist das Projekt Rio 2016 ein Erfolg?
 
Schröcksnadel: Das Ziel müssen Medaillen sein, ganz klar. Wir haben in der Vergangenheit ohne Förderung Medaillen im Sommersport gemacht. Wie viele es am Ende sein werden, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber wir werden uns natürlich ein Ziel setzen!
 
LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.
 


Das Interview führte Stephan Schwabl

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