Das Ringen hat sich neu erfunden

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Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) legt am Mittwoch in St. Petersburg die Sportarten fest, die der 125. Vollversammlung Anfang September in Buenos Aires zur endgültigen Abstimmung für das Olympia-Programm 2020 vorgelegt werden.

Nach dem weltweiten Aufschrei gilt Ringen als klarer Favorit, mit Modernisierungsmaßnahmen und einer riesigen PR-Kampagne hat sich der Traditionssport innerhalb von nur drei Monaten praktisch neu erfunden - und steht vor dem nächsten Punktsieg im olympischen Überlebenskampf.

"Ein neuer Verband"

Weltverbandspräsident Nenad Lalovic zeigte sich hoffnungsfroh.

"Mehr hätten wir in dieser kurzen Zeit nicht machen können. Es ist praktisch ein neuer Verband", sagte der FILA-Boss.

Die Ringer kämpfen mit den sieben Ersatzkandidaten Baseball/Softball, Klettern, Karate, Squash, Rollschuhsport, Wakeboarden und der chinesischen Kampfkunst Wushu um einen freien Platz im Olympia-Programm.

Unterstützung von höchster Stelle

Selbst Kampfsport-Fan Vladimir Putin hatte die Empfehlung der Exekutive gerügt, Ringen ab 2020 streichen zu lassen.

Donnerstag will sich der Kremlchef in St. Petersburg persönlich von IOC-Präsident Jacques Rogge über die Zukunftsaussichten des Sports informieren lassen.

"Der Verband hat die Gründe für die Streich-Empfehlung verstanden und gut reagiert. Das garantiert ihnen keinen Platz im Programm, aber sie haben ihre Probleme adressiert", lobte Rogge.

Breit aufgestellt

Bedroht vom Olympia-Aus hat allein der Weltverband seit Februar zweieinhalb Millionen Dollar (1,93 Mio. Euro) in globale Marketingstrategien gesteckt.

Dazu kamen weitere zwei Millionen Dollar (1,55 Mio. Euro), die der US-Verband investierte. Die Ringer-Nationen USA, Iran und Russland bildeten eine bemerkenswerte Allianz, um ihren Sport zu retten.

Sogar bei den Vereinten Nationen warben Lalovic und Co. für ihre Interessen. Mit einem Reformpaket und umfassenden Regeländerungen haben die Ringer ihre Neuausrichtung schließlich entscheidend vorangetrieben.

Vorantreiben der Frauen-Quote

Das neue Reglement wurde bei zahlreichen Wettkämpfen bereits angewendet.

In Zukunft wird wieder in zwei Runden a drei Minuten gekämpft. Es soll mehr Frauen-Gewichtsklassen geben, eine Frauen-Kommission, und eine Frau soll als Vizepräsidentin der FILA fungieren.

Der Sport wäre ohne die IOC-Gelder kaum überlebensfähig. Aus dem Pool der IOC-Einnahmen bekamen die Ringer für den Olympia-Zyklus von 2008 bis 2012 immerhin elf Millionen Dollar (8,50 Mio. Euro).

Ungleicher Kampf

Die konkurrierenden Verbände werteten diese Ausgangssituation als Wettbewerbsnachteil, wollten sich aber nicht auf eine öffentliche Neiddebatte einlassen.

"Es steckt eine gewisse Unfairness darin, dass Ringen durch die Spiele in London Millionen eingenommen hat und nun so viel Geld für seine Kampagne ausgeben kann. Das können sich die anderen nicht leisten. Es sind Sportarten dabei, die ein jährliches Budget von vielleicht 200.000 oder 500.000 Euro haben", analysierte Jan Fransoo, scheidender Präsident der Vereinigung der vom IOC anerkannten internationalen Sportverbände (ARISF).

Diese Kritik prallte an Lalovic ab. "Ich kann verstehen, dass die anderen Verbände sauer sind", sagte der Serbe, "aber was soll ich machen? Wir müssen kämpfen, so ist das bei Ringern nun mal."

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