Sorgenkinder unterm Zuckerhut

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Noch mehr Baustellen als Leidenschaft

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Zu den XXXI. Olympischen Spielen (Motto: "Viva a sua paixao - Lebe Deine Leidenschaft") werden vom 5. bis 21. August 2016 insgesamt 10.500 Athleten aus 205 Ländern in Rio erwartet.

In der Warm-Up-Phase gibt es Fortschritte, aber auch noch viele offene Baustellen. Eine Zwischenbilanz.

WETTKAMPFSTÄTTEN:

Das Segelrevier in Rios Guanabara-Bucht ist das Sorgenkind. Dort leitet die Sieben-Millionen-Metropole Rio einen großen Teil ihrer Abwässer ein und zwar ungefiltert. Rio versprach in der Bewerbung, dass bis 2016 80 Prozent der Abwässer sanitär behandelt würden. Die Quote liegt derzeit bei rund 50 Prozent. Es gibt berechtigte Zweifel, ob das Ziel erreicht werden kann.

Die Arbeiten für den Golfkurs in einem Naturschutzgebiet in Barra da Tijuca standen unter keinem guten Stern. Es gab Proteste von Anwohnern und Umweltschützern sowie Rechtsstreitigkeiten. Auch Rios Bürgermeister Eduardo Paes sieht sich mit Voruntersuchungen konfrontiert. Er soll zu große finanzielle Zugeständnisse bei der Ausschreibung gemacht haben. Das Projekt ist mit umgerechnet rund 17 Millionen Euro veranschlagt. Golf ist nach 112 Jahren Abstinenz in Rio wieder Olympia-Disziplin.

Voran kommen die Arbeiten für das Olympische Dorf, das ebenfalls im Stadtteil Barra untergebracht ist. Für die Fortschritte erhielten die lokalen Organisatoren das meiste Lob vom IOC.

INFRASTRUKTUR:

Die Arbeiten für die Metro-Linie 4 laufen auf Hochtouren. Sie soll Rios Stadtteil Ipanema mit Barra da Tijuca verbinden und noch vor den Spielen eröffnet werden. Für Rios Gouverneur Luiz Fernando Pezao ist es das wichtigste Infrastrukturprojekt der Spiele.

Das IOC sieht die Arbeiten nach Verzögerungen wieder im Zeitplan. Täglich soll die Metro ab 2016 auf der Linie bis zu 300.000 Passagiere befördern. Von Ipanema nach Barra soll es per U-Bahn 15 Minuten dauern. Heute brauchen Taxis in Stoßzeiten oft zwei Stunden. Kostenpunkt der Metro: 8,79 Milliarden Reais (2,7 Milliarden Euro).

Bis 2016 soll Rio über 40.000 Hotelzimmer verfügen. 36.000 sind es heute. Das dürfte zu schaffen sein, sind sich die Organisatoren sicher. Dennoch dürften die Preise gesalzen sein. Schon zur normalen Hochsaison - Karneval, Weihnachten - steigen einige Tarife um das Zwei- bis Dreifache. Bei der Fußball-WM 2014 war es ähnlich.

SICHERHEIT:

Zehnttausende Polizisten sollen bei den Spielen für Sicherheit sorgen. Auch die Armee ist zum Schutz strategisch wichtiger Anlagen im Einsatz. Angewendet werden auch fest stationierte Ballons, die mit hochsensiblen Kameras ausgestattet sind und Bilder an die Sicherheitszentralen überspielen.

Überfälle, Diebstähle und Schießereien gehören in Rio zum traurigen Alltag. Allein im Jänner starben mindestens fünf Menschen, darunter auch Kinder, durch Pistolenkugeln, etwa 30 wurden verletzt.

FINANZEN:

Die Kosten sind noch nicht vollständig bekannt. Doch sie steigen, wenn auch planmäßig. Die Gesamtausgaben liegen derzeit bei rund 12 Milliarden Euro aus privaten und öffentlichen Mitteln. Allerdings gab es zuletzt für ein Viertel der 56 geplanten Projekte noch keine definitive Kostenkalkulation.

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