Ausblick: Die fünf Bewerber für Olympia 2024

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Am (heutigen) Dienstag Mitternacht europäischer Zeit endet die Bewerbungsfrist für die Olympischen Spiele 2024.

Nachdem Kanadas größte Stadt Toronto laut Medienberichten eine angedachte Kandidatur am Montagabend ad acta gelegt hat, werden sich mit Hamburg, Paris, Los Angeles, Rom und Budapest fünf Städte für die Austragung der 33. Sommerspiele bewerben.

Bisher haben Hamburg, Paris und Rom ihre Unterlagen beim IOC eingereicht, Los Angeles und Budapest sollten im Laufe des Tages folgen.

Die Entscheidung fällt auf der 130. IOC-Session im Sommer 2017 in Lima/Peru. Im Gegensatz zu den letzten Vergaben wird es keine Short List mehr geben. Nur unter besonderen Umständen kann die IOC-Exekutive einen Bewerber ausschließen.

 

Die Bewerber im Überblick:

Bisherige Olympia-Austragungen: keine

Gescheiterte Bewerbungen: für die Spiele 2012 in der deutschen Vorauswahl unterlegen

Budget: keine Angabe

Bewerbung:

Erst am 29. November steht fest, ob Hamburg tatsächlich in die entscheidende Phase der Olympia-Vergabe gelangt. In einem Referendum müssen die Bürger der Stadt entscheiden, ob sie tatsächlich "Feuer und Flamme" für das Mega-Event sind. In den bisherigen Umfragen war die Bevölkerung stets mehrheitlich für eine Bewerbung.

Im Konzept wirbt Hamburg für ein Olympia der kurzen Wege. 90 Prozent der Sportstätten sollen nicht weiter als zehn Kilometer um das olympische Zentrum auf der Insel Kleiner Grasbrook entfernt sein. Dort ist auch das olympische Dorf geplant. Spiele im Herzen der Stadt mit dem Olympiastadion auf einer Elbinsel sollen es sein.

Hamburg setzt auf Kompaktheit, Bescheidenheit, überschaubare Kosten und Nachhaltigkeit und passt sich damit der neuen Ausrichtung des IOC an. Die Segelwettbewerbe sollen vor Kiel ausgetragen werden. In Niedersachsen sind das Vielseitigkeitsreiten in Luhmühlen sowie die Wettbewerbe der Sportschützen in Garlstorf vorgesehen.

HAMBURG

Bisherige Olympia-Austragungen: 1900, 1924

Gescheiterte Bewerbungen: 1992, 2008, 2012

Budget: 6,2 Milliarden Euro

Bewerbung:

Nach exakt 100 Jahre will Paris die Olympischen Spiele wieder beheimaten. Die französische Hauptstadt setzt darauf, dass ihr langer Atem belohnt wird, nachdem sie zuletzt dreimal in der Ausscheidung gescheitert war.

Schon bei der Bewerbung um Olympia 2012 war Frankreichs Hauptstadt ganz dicht dran, verlor aber trotz der besten Noten durch die Evaluierungskommission knapp gegen London.

"Je reve des Jeux" ("Ich träume von den Spielen"), heißt das Motto der Seine-Metropole, die mit einer Top-Infrastruktur und Nachhaltigkeit wirbt. Zum Konzept gehört auch die Mittelmeer-Großstadt Marseille, vor deren Küste die Segelwettbewerbe stattfinden sollen. Die Triathleten sollen in der Seine ins Wasser gehen, die Radsportler in Versailles ihre Runden drehen.

PARIS

Bisherige Olympia-Austragungen: 1960

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1936, 2004

Budget: 6 Milliarden Euro

Bewerbung:

Die Bewerbung für die Sommerspiele 2020 wurde auf Anordnung des damaligen Regierungschefs Mario Monti aus finanziellen Gesichtspunkten zurückgezogen, was Italien innerhalb des IOC viel Kritik einbrachte.

Diesmal genießt die Rom-Bewerbung die volle Unterstützung der Regierung um Staatschef Matteo Renzi. Die Verantwortlichen propagieren einen transparenten Finanzplan und wollen "keine Kathedralen in der Wüste" bauen (Bürgermeister Ignazio Marino). Mehrere italienische Städte und Gebiete wie Florenz, Neapel oder Sardinien sollen in das Olympia-Konzept einbezogen werden. Auch Umweltgruppen wie Greenpeace wurden angehört.

Nach den ersten Überlegungen könnten die Siegerehrungen im Colosseum stattfinden und für Bogenschießen ist der Petersplatz im Vatikan vorgesehen. Bewerbungschef ist der frühere Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo, der bereits 1990 die Fußball-WM nach Italien geholt hatte.

ROM

Bisherige Olympia-Austragungen: 1932, 1984

Gescheiterte Bewerbungen: 1924, 1928, 1948, 1952, 1956, 1976 and 1980.

Budget: 5,1 Milliarden Euro

Bewerbung:

Erst nach dem Rückzug von Boston hat das Nationale Olympische Komitee der USA die kalifornische Metropole doch ins Bewerbungsrennen geschickt. Einen Nachteil sehen die Verantwortlichen darin nicht. "Das ist nicht unsere erste Bewerbung, das haben wir im Blut, in unserer DNA", sagte Bürgermeister Eric Garcetti und verwies auf die beiden bisherigen Olympia-Austragungen.

Die Spiele 1984 brachten einen Überschuss von 250 Millionen Dollar und waren der Startschuss für die Kommerzialisierung des Mega-Events. Kosteneffektiv will Los Angeles die Spiele austragen. 80 Prozent der vorgesehenen Sportstätten seien bereits in Gebrauch, insgesamt werde die Renovierung und die Errichtung neuer Sportstätten nur 619 Millionen Euro verschlingen.

Positiv kommt hinzu, dass der Flughafen für mehrere Milliarden Dollar derzeit sowieso aus- und umgebaut wird. Gegenwehr aus der Bevölkerung, wie es in Boston geschah, ist zudem nicht zu befürchten. Eine jüngste Umfrage ergab, dass 81 Prozent der Bürger die Kandidatur unterstützen.

LOS ANGELES

Bisherige Olympia-Austragungen: keine

Gescheiterte Bewerbungen: keine

Budget: 2,5 Milliarden Euro

Bewerbung:

Budapest zeigte in der Vergangenheit schon häufig vages Interesse. Durch die Reformbewegungen innerhalb des IOC und der propagierten Abkehr vom Gigantismus sehen die Ungarn nun bessere Chancen.

"Unsere olympische Formel: Agenda 2020 = Budapest 2024", hieß es in der Absichtserklärung der Ungarn an das IOC. In der Nationalversammlung gab es eine satte Mehrheit von 80 Prozent für eine Olympia-Bewerbung.

Innerhalb der Bevölkerung lag die Zustimmung im Juli bei 49 Prozent, 42 Prozent der Befragten waren dagegen. Bei einem Zuschlag soll das Mega-Event im südlichen Stadtteil Buda ausgetragen werden. Das Olympische Dorf könnte auf der Donau-Insel Csepel errichtet werden.

BUDAPEST
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