Die Scheuklappen abgelegt

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Am Ende stand am Samstag Rang sieben für Sylvia Steiner beim 25m-Bewerb mit der Pistole bei den Europaspielen in Baku.

Dabei hatte die Salzburgerin verheißungsvoll begonnen, hatte nach dem Präzisions- und Schnellschießen sogar geführt. Im Halbfinale kam jedoch das Ende und damit auch das Ende des Quotenplatzes für die Olympischen Spiele in Rio.

Einen solchen hat Olivia Hofmann bereits geholt. Allerdings nicht im Rahmen der Europaspiele, sondern beim Weltcup-Schießen in München Anfang Juni. In Baku durfte sich die 22-Jährige hingegen am Freitag mit Bronze im Dreistellungskampf schmücken, der siebten Medaille aus ÖOC-Sicht.

Auf die Frage, wie der Erfolg einzustufen sei, verdeutlicht die Innsbruckerin, welch hohen Stellenwert die Europaspiele bei den Schützen genießen. „Es ist der größte Erfolge meiner Karriere“, erklärt Hofmann.

Die Scheuklappen abgelegt

Einen Quotenplatz für Österreich errungen und gleich noch eine Baku-Medaille nachgelegt – es scheint, als ob Hofmann ihr Rio-Ticket bereits fix in der Tasche hätte. Doch dem ist noch nicht so. „Da gibt es zwei, drei harte Konkurrentinnen“, verweist sie unter anderem auf Stephanie Obermoser, die mit Quali-Rang 32 im Dreistellungskampf allerdings keinen guten Tag erwischte.

Dabei hatte Hofmann im finalen Shootoff, bei dem pro Runde der Schütze mit dem schwächsten Ergebnis rausfliegt, zunächst gar kein gutes Gefühl. „Nach dem Kniendschießen dachte ich mir eigentlich, dass ich zehn Ringe zurückliege“, gestand sie. In die daraus resultierende Stress-Situation, aufholen zu müssen, kam sie jedoch nicht, da sie einen Blick auf die Konkurrenten riskierte.

Obwohl unter Schützen normalerweise die oberste Regel gilt, sich auf sich selbst zu konzentrieren, brachte Ablegen der metaphorischen Scheuklappen ihr das nötige Selbstvertrauen auf dem Weg zu insgesamt 443,2 Scheiben und Bronze.

Stufenloses Vergnügen

Im Anschluss genoss Hofmann die Feierlichkeiten im Olympischen Dorf, obwohl der aufreibende Wettkampf-Tag seine Spuren hinterlassen hatte. Allerdings weniger physisch als vielmehr psychisch. „Vom Kopf bist du nach so einem Tag einfach müde.“

Wenngleich das Gewicht des Gewehres sowie der Ausrüstung vom Laien gerne unterschätzt wird. Alles zusammen bringt an die 50 kg auf die Waage, was in etwa dem Körpergewicht der zierlichen Hofmann entspricht.

Von daher wüsste die Architektur-Studentin ganz genau, wie sie einen idealen Schießstand planen würde. „Auf alle Fälle ohne Stiegen“, lacht sie.

Aus Baku berichtet Reinhold Pühringer

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