Nicht jedes Silber glänzt

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In Baku ist Murmeltiertag.

Der zweite Wettbewerbstag bei den Europaspielen brachte die zweite Karate-Silbermedaille für Österreich.

Alisa Buchinger holte sich in der Kumite-Kategorie bis 68 kg wie Bettina Plank am Samstag den zweiten Rang.

Hätte man das Duo nach ihren Kämpfen Seite an Seite gesehen, wäre niemand auf die Idee gekommen, beide hätten das gleiche Ergebnis eingefahren.

Während Plank über das ganze Gesicht strahlte, stand Buchinger die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, nach dem Finale flossen Tränen.

Das lag vor allem an den unterschiedlichen Voraussetzungen. Während die Premieren-Medaillengewinnerin im Finale der Weltranglistenersten unterlag, erledigte Buchinger ihre Finalgegnerin und Lokalmatadorin Irina Zaretska in der Vorrunde mit 4:0.

Bittere Final-Niederlage

Da tat das Final-Endergebnis von 1:8 umso mehr weh: „Es ist scheiße, wenn man die Gegnerin schon so eindeutig geschlagen hat und dann innerhalb von neun Sekunden drei Punkte kassiert.“

Mit drei Siegen in drei Kämpfen zog die amtierende Europameisterin ins Halbfinale ein, dort schickte sie die Schweizerin Elena Quirici mit 2:0 in das Duell um Bronze.

Im Finale ging es plötzlich sehr schnell. Nach einem Fausttreffer (Yuko, ein Punkt), brachte Zaretska direkt einen Tritt an den Oberkörper (Waza-Ari, zwei Punkte) an. Der Knackpunkt, den Buchinger zuvor ansprach. „Wenn du einen Punkt nach dem anderen kassierst, denkst du nur mehr ans Aufholen und läufst in den nächsten Treffer. Ab dem vierten Punkt von ihr bin ich komplett zusammengebrochen und habe keine Chance gesehen“, meinte Buchinger im ersten Frust nach dem Kampf.

Dass das Ergebnis zu allem Überdruss so hoch ausfiel, erklärte die 23-jährige Weltranglistenerste so: „Ich habe natürlich riskieren müssen und dann auch noch einen Fuß von ihr kassiert (Ippon - ein Tritt gegen den Kopfbereich, drei Punkte).“

Dennoch: „Es ist nicht nur der Endstand. Jeder will Gold – wenn man im Finale steht, kann man nur mehr verlieren.“

Auch Silber glänzt

Eine eindeutige Ansage einer Athletin, die Silber auf Nachhaken von LAOLA1 dennoch etwas abgewinnen konnte. „Hoffentlich lerne ich daraus. Auch wenn man es noch nicht hören kann, bin ich stolz auf die Silbermedaille.“

Noch positiver sah die Salzburgerin das Erlebnis Baku als Ganzes. Als Athletin einer Sportart, die heftig für eine olympische Anerkennung ab Tokio 2020 kampagnisiert, ein schöner Vorgeschmack: „Es war ein Wahnsinn, man fühlt sich alleine schon bei der Opening Ceremony als Olympionike. Als Sportler vor Tausenden jubelnden Menschen einzumarschieren, ist unglaublich. Betti (Plank, Anm.) und ich haben viele schöne Erinnerungen und beide eine Medaille.“

Viele Menschen waren auch in der Karate-Halle – und sie hatten eine klare Favoritin. Irina Zaretska wurde von ihren Landsleuten frenetisch angefeuert, angesichts des Kampfverlaufs wurde die Stimmung immer besser. Da läge es auf der Hand, dass die Fans mental mitgespielt haben – mitnichten, wie die WM-Dritte Buchinger klarstellt: „Ich arbeite mit einem Mentaltrainer. Ich habe das eher so genommen, als wäre es mein Applaus. Mir macht das nichts aus, wenn jemand supportet wird.“

Also wäre auch ein Finalkampf in Tokio 2020 kein Problem. Und bei Olympia würde eine Silberne wohl noch ein wenig schöner glänzen.

 

Aus Baku berichtet Martin Schauhuber

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