VCM-Sieger Sugut: "Weltrekord kein Thema für mich!"

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19 Jahre lang ist es keinem Wien-Sieger gelungen, seinen Triumph zu wiederholen.

Der Kenianer Henry Sugut hat am Sonntag beim Vienna City Marathon diesen „Fluch“ besiegt und ist zum zweiten Mal nach 2010 als Erster über die Ziellinie am Heldenplatz gelaufen.

Zum Drüberstreuen gab es einen neuen Streckenrekord, 2:06:58 Stunden sind zudem neue persönliche Bestzeit für den 26-Jährigen.

Im LAOLA1-Interview spricht Sugut über seine Angst vor der entscheidenden Attacke, die Lehren aus dem Pacemaker-Job beim Weltrekord von Patrick Makau und die Rolle seines Managers beim Suchen und Finden von passenden Rennen.

 

LAOLA1: Zweiter Marathonsieg ihrer Karriere, den Wien-Triumph von 2010 wiederholt, neuen Streckenrekord und neue persönliche Bestzeit aufgestellt. Das nennt man wohl einen perfekten Sonntag, oder?

Henry Sugut: Ja, es ist wirklich alles so gekommen, wie ich mir das erträumt habe. Nur der Streckenrekord war in diesem Jahr vor dem Rennen kein Thema für mich. Ich habe mich an 2010 erinnert, da wollte ich unbedingt Rekord laufen. Diesmal ist er einfach passiert.

LAOLA1: Obwohl Sie unterwegs regelmäßig über ihre Kilometerzeiten informiert wurden und wussten, dass es sich ausgehen könnte?

Sugut: In erster Linie muss ich mich bei meinen Konkurrenten bedanken. Das waren alles starke Läufer mit Top-Zeiten. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen, sie haben mich enorm gepusht.

LAOLA1: Nach ihrem Sieg haben Sie gemeint, dass ihnen auch die Angst schnelle Beine gemacht hat. Wie darf man sich das vorstellen?

Sugut: Es war viel Taktik im Spiel, jeder hat auf den entscheidenden Moment gewartet, auf die Attacke. Aber die ist lange nicht gekommen. Ich habe es probiert, weil ich mich gut gefühlt habe. Aber ich hatte auch Angst, dass ich zu viele pushe und dann das Tempo der anderen nicht mehr mitgehen kann, wenn sie attackieren. Zum Glück konnte ich es durchziehen.

LAOLA1: Apropos Taktik: Schon bei ihrem ersten Sieg war der zweite Halbmarathon schneller als der erste. Ist das ihr Erfolgsgeheimnis?

Sugut: Nein, nein, da gibt es kein Geheimnis. Ich glaube eher, dass mich die Angst so schnell gemacht hat. Aber ich musste es einfach probieren, konnte gar nicht anders. Auch weil uns die Leute am Streckenrand vom Start bis ins Ziel so fantastisch unterstützt haben. Wien hat gezeigt, dass es den Laufsport wirklich liebt.

LAOLA1: Wien ist schon seit 2010 ein ganz besonderer Boden für Sie. Welchen Stellenwert hat ein Sieg beim Vienna City Marathon unter Eliteläufern?

Sugut: Mir bedeutet Wien sehr viel, da ist es egal, dass es andere Marathons gibt, die größer oder populärer sind. Als mir mein Manager das erste Mal gesagt hat, dass ich in Wien laufen soll, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Aber wir haben uns dann gemeinsam für den VCM entschieden – und ich habe diese Entscheidung nie bereut!

LAOLA1: Bei welchem Marathon wird man den Wien-Sieger in diesem Jahr noch sehen?

Sugut: Bis jetzt steht nur fest, dass ich im Oktober meinen nächsten Marathon laufe. Aber ich weiß noch nicht, wo das sein wird. In den nächsten Tagen wird es ein Gespräch mit meinem Manager geben, da werden wir besprechen, was das Beste für mich ist, welchen Schritt ich als nächsten tun sollte.

LAOLA1: Sie waren beim Marathon-Weltrekord von Patrick Makau im Vorjahr in Berlin bis Kilometer 25 als Pacemaker dabei. Was haben Sie von diesem historischen Rennen für ihre Karriere mitgenommen?

Sugut: Es war sicher ein Meilenstein, enorm wichtig für mich. Patrick hat mir gezeigt, wie hart man arbeiten muss, um etwas so Großes zu erreichen. Ich bin nach Hause gekommen und habe meinem Trainer gesagt: Wer gut sein will, muss besser werden! Wir haben dann mein Programm komplett umgestellt.

LAOLA1: Aktuell trennen Sie 3:20 Minuten vom Weltrekord. Kann der eines Tages Thema werden?

Sugut: Nein, im Moment nicht. Meine neue Bestzeit steht bei 2:06:58 Stunden, der Weltrekord ist 2:03:38 Stunden. Das ist eine kleine Welt! Der nächste Schritt muss eine Zeit von 2:04 oder 2:05 Stunden sein. Aber ich weiß, dass ich an einem guten Tag auch Patrick Makau schlagen kann.

LAOLA1: Der Vienna City Marathon feiert im nächsten Jahr sein 30-jähriges Jubiläum, vielleicht kommt es ja dann zum Duell?

Sugut (lacht): Ich möchte auf jeden Fall wiederkommen!

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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