Nach Olympia: Die Wandlung der Beate Schrott

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Der Countdown läuft: Noch 60 Tage bis zum Beginn der Leichtathletik-WM in Moskau.

Am Dienstag findet im Luznikhi-Stadion die Generalprobe statt - mit Hürdensprinterin Beate Schrott.

Die 25-Jährige wollte sich diese Gelegenheit trotz Lern-Stress - am 2. Juli hat die Medizinstudentin ihre letzte Prüfung - nicht entgehen lassen.

Neue Mondo-Bahn in Moskau

"Es hilft mir bei der WM, wenn ich vorher schon einmal dort gelaufen bin und alles kenne."

Wenn die Bedingungen passen, könnte es auf der WM-Bahn, die dank neuem Mondo-Boden extrem schnell sein wird, auch mit dem WM-Limit klappen.

Vor dem Abflug nach Moskau nahm sich die Olympia-Finalistin zwischen ihrer Arbeit im Krankenhaus, den letzten Seminaren an der Uni, Lern-Sessions mit ihrem Freund und natürlich dem Training Zeit für ein ausführliches LAOLA1-Interview.


LAOLA1:
Beate, du startest am Dienstag beim Meeting in Moskau. Gehe ich richtig in der Annahme, dass deine Lernsachen auch in Russland dabei sind?

Beate Schrott: Ja, sicher. Ich lerne mittlerweile seit zweieinhalb Monaten für meine Abschlussprüfung an der Uni. Noch geht es ganz gut, aber ich merke, dass die Zeit bis zur Prüfung knapp wird. Auch weil sich der Sport, meine Termine und die Uni, wo ich an den Vormittagen im Krankenhaus arbeite und am Nachmittag Seminare und Vorlesungen habe, nur schwer unter einen Hut bringen lassen.

LAOLA1: Aber die Universität wird doch für eine Olympia-Finalistin das eine oder andere Auge zudrücken, oder?

Schrott: Nach London gab es schon Unterstützung von der Uni. Ich konnte zum Beispiel in der Prüfungswoche auf Trainingslager fahren. Jetzt verpasse ich wegen Moskau und Oslo wieder eine ganze Woche. Man kommt mir da zwar entgegen, aber da wir 100 Prozent Anwesenheitspflicht haben, muss ich alles nachholen.

LAOLA1: Bis Jahresende möchtest du das Studium abgeschlossen haben, nach der Abschlussprüfung schreibst du deine Diplomarbeit. Warum ist die Wahl auf das Thema Schulter-Operationen gefallen?

Schrott: Ich möchte später einmal unbedingt in Richtung Orthopädie gehen. Da ist es ein gutes Hineinschnuppern. Und ich möchte nach dem Abschluss gerne noch zwei Ausbildungen machen, nämlich Osteopathie und Sport-Physiotherapie. Da passt das ganz gut dazu!

LAOLA1: Hast du dir nach London je die Frage gestellt, wo du ohne die Doppelbelastung Sport und Studium heute vielleicht stehen würdest?

Schrott: Nein, überhaupt nicht. Ich habe mich Jahr für Jahr weiterentwickelt und hatte wirklich schöne Leistungssprünge dabei. Außer 2010 habe ich meine Bestzeit in jedem Jahr verbessert. Und das Studium hatte für mich auch immer Priorität, schließlich war sehr lange nicht absehbar, dass ich vom Sport leben kann.

LAOLA1: Dieses Thema sollte aber seit Olympia geklärt sein?

Schrott: Ich habe verschiedene Trainingszentren gesehen, zum Beispiel die Anlage der Briten. Da fehlt es den Athleten an nichts. Es gibt eine 110-m-Indoor-Laufbahn, dazu eine draußen und eine 400-m-Runde. Direkt daneben ist die Kraftkammer, dazu sind alle Regenerationsmaßnahmen vor Ort. Wenn du dort als Spitzensportler trainierst, bist du rundum versorgt und musst nicht einmal weit gehen. Aber bei uns hat der Spitzensport leider nicht diesen Stellenwert.

LAOLA1: Immerhin hat der Sportminister vor wenigen Tagen 20 Millionen Euro für den Spitzensport und also das Projekt Rio 2016 freigegeben?

Schrott:Das hört sich natürlich alles gut an. Uns wurde das Projekt unter dem Motto Wir wollen für euch optimale Bedingungen schaffen! vorgestellt. Dafür sollten wir den Ist-Zustand aufschreiben und sagen, was wir brauchen. In meinem Fall wäre das zum Beispiel ein Physiotherapeut, der mir im Training zur Verfügung steht und mich auch zu den Wettkämpfen begleitet.

Schrott: Mit Förderungen und Sponsoren passt es jetzt. Aber es war und ist auch nach London alles andere als einfach Sponsoren zu finden. Einerseits weil wir in der Leichtathletik bei Großereignissen, die für Sponsoren natürlich besonders interessant sind, Werbe-Beschränkungen haben und es andererseits außer den Gugl-Games keine großen Meetings in Österreich gibt.

LAOLA1: Bleiben wir noch kurz bei den Olympischen Spielen. Wie sehr hat London dein Leben verändert?

Schrott: Ich habe mir danach viele Gedanken gemacht, wie ich die Veränderung, die ich natürlich spüre, in Worte fassen kann. Ganz einfach gesagt: der Sport ist mein Beruf geworden. Davor war ich eine Studentin, die Sport gemacht hat. Jetzt bin ich eine Sportlerin, die studiert.

LAOLA1: Und du bist das Gesicht der heimischen Leichtathletik, die viele Jahre ein Schattendasein gefristet hat.

Schrott: Es freut mich, dass die Leichtathletik wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt. Wir Leichtathleten haben immer darunter gelitten, dass unsere Sportart zur Randsportart verkommen ist. Niemand hat sich für uns interessiert. Bei den Kader-Treffen wurde immer diskutiert, wie man das ändern kann. Aber da ist nicht viel passiert – bis eben zu den Spielen in London.

LAOLA1: Und heute?

Schrott: Es tut sich etwas. Und das ist nicht alleine mein Verdienst, auch Ivona Dadic und Andreas Vojta haben mit ihren Leistungen viel dazu beigetragen. Aber wir dürfen uns jetzt nicht darauf ausruhen. London war letztes Jahr, das interessiert bald keinen mehr. Deshalb sollte der Leichtathletik-Verband diese Chance jetzt nützen.

LAOLA1: Wien soll ein Leichtathletik-Zentrum bekommen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung?

Schrott: Schön, dass der Cricket-Platz renoviert wird. Aber davon haben wenige Leute etwas, nämlich all jene, die dort trainiert haben. Der Platz war eine Katastrophe, ich hätte dort nicht trainiert oder Wettkämpfe bestritten. Aber wenn man den Spitzensport wirklich unterstützen möchte, muss man sich etwas anderes einfallen lassen, als eine Bahn zu renovieren.

LAOLA1: Was schwebt dir vor?

LAOLA1:Das sollte bei der Dimension des Projekts aber doch kein Problem darstellen, oder?

Schrott: Naja, nachdem ich alles aufgelistet hatte, war die erste Frage: Gibt es da keine Trainingsgemeinschaft, die einen Physiotherapeuten hat, wo ich mich einbauen kann. Mein Trainer hat nur gesagt: Wollt ihr es optimal oder suboptimal? Wenn ich mich in eine bestehende Gruppe einfüge, komme ich garantiert als Letzte dran. Und das ist eben nicht optimal. Ich habe mir gedacht, dass es in eine andere Richtung geht. Aber noch ist ja das letzte Wort nicht gesprochen.

LAOLA1: Du startest am Dienstag in Moskau, wo im August auch die Weltmeisterschaften stattfinden. Was hast du von deinen ersten Freiluft-Starts mitgenommen?

Schrott: Dass ich voll im Plan liege. Ich habe in Weinheim bei Rückenwind, was gerade zu Saisonbeginn sehr schwierig ist, und in St. Pölten bei Regen gezeigt, dass ich auch so früh in der Saison schnell laufen kann. Aber es war auch für mich selbst eine kleine Überraschung.

LAOLA1: Womit möchtest du dich in dieser Saison noch überraschen?

Schrott: Eine 12,70er Zeit wäre richtig cool. Das Wettkampf-Programm ist in nächster Zeit ziemlich dicht. Aber wir haben bislang die Erfahrung gemacht, dass ich um den elften Lauf in einer Saison meine Bestleistung bringen kann – das wäre in diesem Jahr die Weltmeisterschaft.

LAOLA1: Dass der Hunger auf Medaillen und Bestzeiten groß ist, hat aber nicht mit deiner Ernährungsumstellung zu tun?

Schrott (lacht): Nein, nein, überhaupt nicht. Ich habe immer gesagt, dass ich keine Diät brauche. Eine amerikanische Hürdenläuferin hat mir gesagt, dass sie mit einer ketogenen Diät bis zu den Wettkämpfen zwei Pfund (ein Kilo; Anm.) runterkriegt. Zuerst habe ich mir gedacht: Da kann ich so viele andere Dinge verbessern, bevor dieses eine Kilo zum Tragen kommt. Aber dann hat mir in der Hallensaison ein britischer Physiotherapeut gesagt, dass ich mit der Diät vier Kilo abnehmen könnte. Und das fällt dann schon ins Gewicht.

LAOLA1: Und wie geht es dir bislang damit?

Schrott: Körperlich passt es sehr gut, das war auch meine Bedingung: Dass es sich nicht auf Kraftwerte und Leistung auswirken darf. Wenn ich in der Kraftkammer gemerkt hätte, dass ich die Gewichte nicht mehr heben kann, hätten wir eingegriffen. Bis jetzt habe ich zwei Kilo abgenommen. Aber ich habe es so abgeändert, dass ich glücklich bin damit.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

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