EM, Magersucht und wieder zurück

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Der Höhenflug war kurz und trügerisch, der Fall dauerte eine Ewigkeit und traf Monika Gollner unbarmherzig.

14 Jahre nach den Europameisterschaften 1998 in Budapest und ihrem krankheitsbedingten Ausstieg aus dem Sport kehrt die 37-jährige Hochspringerin nun auf die große internationale Bühne zurück.

Bei der Freiluft-EM in Helsinki will sie in dieser Woche 1,92 m überqueren und das Limit für Olympia knacken.

Ungeachtet des Ausgangs ist aber schon jetzt klar: ein größeres Kämpferherz hat die österreichische Leichtathletik nie gesehen.

"Ich habe mit allem abgeschlossen, alles hinter mir gelassen und schaue nur noch nach vorne. Nicht nur sportlich, sondern auch für mich persönlich wäre es natürlich wichtig, wenn ich bei Olympia dabei bin. Das wäre wunderschön, das Höchste der Gefühle. Wenn es nicht gelingt, bricht die Welt aber auch nicht zusammen", erklärte Gollnerr.

Am Limit zerbrochen

Wie es sich anfühlt, wenn einem der Boden unter den Füßen weg bricht, musste die Kärntnerin an Körper und Seele erfahren.

Nach der mehrfach um einen Zentimeter verpassten Norm für die Sommerspiele 1996 in Atlanta, die mit 1,93 m sogar höher als das internationale Limit war, begann langsam, aber stetig der Fall.

Gollner scheiterte im Wettkampf oftmals an ihren Nerven und bog im Leben mehrmals falsch ab.

Akute Suizidgefahr

In jungen Jahren fehlte es auch an richtigen Beratern, die Medien rissen sich um das langbeinige, hübsche Hochsprung-Model.

"Die Fotos waren eine Entfremdung meiner Persönlichkeit", sagte sie rückblickend gegenüber der "Sportwoche".

1998 fand sich das Pin-up der heimischen Leichtathletik mit einer ernsthaften Essstörung in ärztlicher Behandlung wieder. Sechs Jahre dauerte der Kampf gegen die Magersucht, wegen Suizidgefahr wurden geplante Klinikentlassungen immer wieder verschoben.

Rückkehr zum Sport

Seit 2000 arbeitet Gollner als Sekretärin im Österreichischen Leichtathletikverband, seit 2005 ist auch die Krankheit überwunden.

Der damalige ÖLV-Generalsekretär Roland Gusenbauer überzeugte Gollner davon, wieder mit dem Sport zu beginnen, heute ist er ihr Trainer.

"Am Anfang habe ich mir gedacht, okay, just for fun. Interessant ist es geworden, als ich 1,80 m gesprungen habe. Da habe ich mir gedacht, das könnte was werden, wenn ich unverletzt bleibe. Und ich wollte es noch einmal probieren. Ich habe alles versucht. Entweder es geht, oder es geht nicht, ich brauche mir keine Vorwürfe mehr zu machen."

Mit kaputten Schuhen

Mit 1,89 m ist Gollner heuer bereits bis auf drei Zentimeter an ihre persönliche Bestleistung (von 1995) und die Olympianorm herangekommen. Gesprungen in der Halle und mit kaputten Schuhen.

Die neuen passten nicht optimal, was Gollner mit einer schmerzhaften Knochenhautentzündung über dem Gelenk zu spüren bekam.

"Wenn wir das hinbekommen, mache ich mir keine Sorgen um das Olympia-Limit", sagte Gollner, die fitter ist denn je.

"In meinen Alter kann man die Technik nicht mehr ändern, die hat man intus. Ich kann nur schauen, dass ich konditionell fit bin und genug Kraft habe. Ich bin zuversichtlich."

Im Büro wartet viel Arbeit

Ihre Geschichte hat Gollner hinter sich gelassen, das früher umgehängte Nervenbündel längst abgegeben.

"Ich bin reifer geworden. Es fühlt sich einfach sehr gut an, jetzt zur EM zu fahren. Natürlich ist das für mich mit mehr Stress verbunden, aber es ist eine angenehmer Stress", meinte Gollner, auf die am Montag im ÖLV-Büro ob bevorstehender U20-WM in Barcelona und Berglauf-EM noch viel Arbeit wartete, ehe sie Dienstag nach Finnland reist und Mittwoch in der Hochsprung-Qualifikation antritt.

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