Hürden-Superstar Merritt: WM-Feinschliff in Linz

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Hürdensprinter Aries Merritt ist der große Star im 80-köpfigen US-Leichtathletik-Team, das sich dieser Tage in Linz auf die Weltmeisterschaften von 10. bis 18. August in Moskau vorbereitet.

Merritt gewann 2012 in London Olympiagold und holte sich im Diamond-League-Meeting in Brüssel den Weltrekord in 12,80 Sekunden.

Im Interview spricht der 28-Jährige über seine Favoritenrolle, die Konkurrenz, eine mögliche Verbesserung des Weltrekordes und seine Österreich-Kenntnisse.


Frage: Oympia-Sieg in London, Weltrekord aufgestellt in Brüssel - wie klingt das für Sie knapp ein Jahr danach?

Merritt: Es fühlt sich wirklich gut an, dass ich das alles erreicht habe. Heuer war ein wirklich, wirklich hartes Jahr mit meinen Verletzungen, aber ich denke, das ist Teil des Sports. Jeder verletzt sich mal, niemand ist immer gesund. Aber nun kommt die Form zur rechten Zeit, die Weltmeisterschaften sind schon ums Eck, in zwei Wochen laufe ich. Ich freue mich sehr darauf. Ich bin glücklich, hier in Linz zu sein, das ist ein wirklich friedlicher, schöner Platz.

Frage: Wie ist Ihre Form?

Merritt: Ich bin jetzt in einer sehr guten Form. Ich hatte ein wirklich, wirklich großartiges Training heute, wie Sie sehen konnten. Die Form kam zur rechten Zeit. Ich habe mir Sorgen gemacht, als ich mir im Mai den Oberschenkelmuskel gezerrt hatte. Aber nun ist da keine Sorge mehr, ich bin bereit zu laufen.

Frage: Sind Sie der große Favorit bei der WM in Moskau?

Merritt: Ich weiß nicht. Die Leute bezeichnen mich als Favorit, weil ich Olympia-Gold und den Weltrekord erreicht habe. Im Hürdensprint erwarten dich zehn Hürden. Wenn du diese zehn Hürden nicht einwandfrei nimmst, kannst du verlieren. Ich muss meine beste Leistung abrufen, ich muss mein Rennen machen, so gut ich kann, um aufs Podest zu kommen.

Frage: Mögen Sie Druck?

Merritt: Druck ist Teil des Geschäfts. Du hast immer Druck. Ich hatte Druck bei Olympia, obwohl ich nicht der Favorit war. Aber es ist Olympia, du bist aufgeregt, du bist nervös. Weil du es immer gut machen willst. Jeder hat Erfahrung mit Druck, das ist sehr normal für die Leichtathletik.

Frage: Die Kubaner Dayron Robles und Orlando Ortega werden aus disziplinären Gründen nicht bei der WM dabei sein. Bedauern Sie das?

Merritt: Ja, es ist schade, dass sie nicht antreten werden. Das ist ein vernichtender Schlag für den Sport, das Event. Jeder will die besten Athleten in dem Wettbewerb sehen. Aber es gibt viele andere, die sehr gut laufen. Die beiden Franzosen, meine Landsleute. Das Rennen wird immer noch aufregend, und es wird immer noch eines der Rennen, die man in Moskau sehen muss. Aber es ist eine Schande, dass die Kubaner nicht dabei sind, ich bin verärgert. Vielleicht hebt der kubanische Verband die Sperre von Ortega auf und erlaubt ihm zu laufen.

Frage: Kommen Ihre größten Herausforderer aus dem eigenen Land?

Merritt: David Oliver ist unglaublich schnell gelaufen. Ryan Wilson ebenfalls. Er gewann die Trials. Die Amerikaner haben immer eine Reihe von starken Athleten, wenn es zu Meisterschaften hingeht. Wir haben ein konkurrenzfähiges Team. Ich denke, als Team werden wir sehr gut laufen. Und vielleicht den 'Sweep' (alle drei Medaillen/Anm.) schaffen über 110 m Hürden, das ist noch nie erreicht worden. Hoffentlich schaffen wir das.

Frage: Der Weltrekord steht bei 12,80 Sekunden - geht es noch schneller?

Merritt: Ich denke nicht, dass der Weltrekord das Limit ist, das der Mensch erreichen kann. Solange wir Menschen uns weiterentwickeln, werden wir auch immer besser laufen und neue Weltrekorde sehen. Schauen wir uns Usain Bolt an, der 100-m-Rekord schmolz von 9,8, auf 9,7, auf 9,6, auf 9,5. Und das gleiche ist bei den Hürden passiert. 13,2 auf 13,0, auf 12,9 und auf 12,80. Der nächste große Schritt ist die 12,7-Sekunden-Grenze. Und ich denke, dass das sehr wahrscheinlich machbar ist.

Frage: Werden Sie ihren Weltrekord noch einmal verbessern?

Merritt: Vielleicht werde ich es schaffen, das ist ein Ziel meiner Karriere. Ich hoffe, dass ich das tun werde. Letztes Jahr in Brüssel habe ich nicht geglaubt, dass ich so schnell bin. Ich bin ausgeflippt und habe geschrien. Ich war so aufgeregt, dass ich so etwas Phänomenales erreicht habe. Ich hoffe, dass mir heuer etwas ähnlich Phänomenales gelingt und ich die WM gewinne.

Frage: Haben Sie Zeit, in Linz etwas Sightseeing zu machen?

Merritt: Das einzige, was ich bisher getan habe, war zu trainieren. Und ich war im Dom und habe Bilder gemacht, es ist ein wirklich schönes Gebäude.

Frage: Was wissen Sie über Österreich?

Merritt: Das einzige, das ich von Österreich kenne, ist Robert Wagner (Leichtathletik-Manager/Anm.). Ich wusste nichts. Ich wusste nicht, wo Linz ist. Oder wo Österreich liegt. Nun weiß ich es. Und ich mag es. Die Leute sind so nett und freundlich, ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

Frage: Kennen Sie einen Sportler aus Österreich?

Merritt: Nein.

Frage: Wir sind berühmt für den Skirennsport. Kennen Sie einen Skifahrer aus den USA? Kennen Sie Lindsey Vonn? Oder Bode Miller?

Merritt: Nein. Und sie kennen mich sicher auch nicht. (lacht)

Frage: Lindsey Vonn und Tiger Woods sind ein Paar.

Merritt: Oh! Ich kenne Tiger. Jeder kennt Tiger Woods. Aber in Amerika ist es anders als hier. Wir haben so viele große Athleten, das Land ist so groß. Du musst Regionalfernsehen schauen, um sie zu kennen. Und mit dem Olympischen Wintersport verhält es sich ein bisschen wie mit der Leichtathletik. Da bekommst du nicht so viel Berichterstattung außerhalb der Olympischen Spiele. Ich sehe Skifahren nie. Ich denke aber darüber nach, die Olympischen Winterspiele zu besuchen, nur um zu schauen und die Atmosphäre mitzubekommen. Wenn sie wieder mal in Amerika sind. Vielleicht.

Frage: Sie könnten sich die alpine Ski-WM 2015 in Vail/Beaver Creek anschauen und versuchen, Ski zu fahren.

Merritt: Ich war noch nie Skifahren. Aber mein Coach würde das niemals erlauben. Ich darf überhaupt nichts. Ich darf nicht Fallschirmspringen, Wakeboarden. Ich darf nichts Extremes machen. Mein Trainer hat viel zu viel Angst, dass ich mich verletzte und das ganze Training umsonst war.

Frage: Und wo bleibt der Spaß in Ihrem Leben?

Merrit: Es gibt keinen Spaß. Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Laufen, laufen, laufen. Hürden, Hürden Hürden. (lacht)

 

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