Dabei hatten die Organisatoren im Vorfeld noch beteuert, dass 80 Prozent der Karten verkauft wurden. IAAF-Vize-Präsident Sergey Bubka hatte gemutmaßt, dass viele Moskowiter aufgrund der hohen Temperaturen kurzfristig eine Fahrt ins Grüne einem Stadionbesuch vorgezogen haben. Sein Chef, Liame Diack, wird dieser Erklärung wohl nur wenig abgewinnen können, schließlich hatte er bereits im April die mangelhafte Werbung kritisiert. Laut Informationen des „SID“ war lediglich knapp die Hälfte der Tickets in den Verkauf gegangen, der Rest an Sponsoren. Diese waren aber insbesondere an den Vormittagen auf ihren Kontingenten sitzen geblieben.

Gemäß der „BBC“ wurden während der Titelkämpfe von der Stadt Moskau sogar 240.000 Karten an Bedienstete verschenkt, um das Stadion doch noch zu füllen. Mit Erfolg. Die Kulisse war in der zweiten Hälfte der WM deutlich besser, was die Kritik jedoch nicht zum Verstummen brachte.

„Wir haben schon im Kreis der Zehnkampf-Kollegen diskutiert. Es kann nicht sein, dass eine WM in ein Land vergeben wird, das nicht hinter der Leichtathletik steht“, kritisiert Behrenbruch weiter. Für die bevorstehende Serie an Sport-Großereignissen, die in den kommenden Jahren auf russischem Boden stattfindet, verheißt das nichts Gutes. So folgen die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014, die Judo-WM in Chelyabinsk 2014, die Schwimm-WM in Kazan 2015, die Eishockey-WM in Moskau und St. Petersburg 2016, die Fußball-WM 2018 und der jährliche Formel-1-Grand-Prix ebenfalls in Sotschi ab 2014. Der politische Arm von Vladimir Putin, der beim An-Land-ziehen der Events seine Finger im Spiel hatte, mag zwar lang sein, doch für Begeisterung kann auch er nicht garantieren.

 

 

Zwei Starter. Zweimal im Vorkampf ausgeschieden. Die Plätze 28 und 18. Es gibt nichts zu beschönigen, diese WM war aus österreichischer Sicht ein Tiefpunkt. Mit dem kleinsten Aufgebot in der ÖLV-Geschichte hat man numerisch sogar Nationen wie Lesotho oder Santa Lucia unterboten.

Die Gründe für die traurige Darbietung? Mit Günther Weidlinger (konzentriert sich auf Rennen im Herbst), Andrea Mayr (konzentriert sich auf Berglauf), Ivona Dadic (Trainer entschied sich gegen WM-Start) und Beate Schrott (nach Verletzung noch nicht in Form) hätten vier weitere ÖLV-Asse die Limits erbracht, aber auf ein Antreten verzichtet.

Zudem sind die Limits laut ÖLV-Coach Wilhelm Lilge unverhältnismäßig hoch angesetzt worden. Dass aber das gestartete Duo unter seinen Möglichkeiten blieb, ist nicht wegzudiskutieren.  

Verbands-Präsident Ralph Vallon will die Lage naturgemäß nicht allzu schwarzsehen. „Höhepunkte wie ein Finale auf Welt- oder Olympia-Niveau kann man nicht jedes Mal erwarten“, relativiert er und blickt bereits auf die EM 2014 in Zürich. „Dort werden wir sicher mit einem größeren und stärkeren Team auftreten.“ Und falls doch nicht, bleibt noch immer der Vorteil, den Lilge bereits beim WM-Mannschaftsfoto feststellte. „Diesmal brauchten wir gar kein Weitwinkel-Objektiv“, meinte er mit einer Brise Galgenhumor.

 

 

Nacholympisches Jahr hin, einige fehlende Top-Stars her – nichtsdestoweniger geizte die Leichtathletik-WM nicht mit beeindruckenden Leistungen. Angefangen von einer einzigartig spannenden Hochsprung-Konkurrenz, die mit 2,41m an Bogdan Bondarenko (UKR) ging, über Elena Lashmanova (RUS), die im Finish des 20km-Geh-Rennens zweimal stoppte, weil sie dachte, bereits im Ziel zu sein, bis hin zu den unwiderstehlichen Antritten des Mo Farah (GBR) über 5.000 und 10.000m.

Eine perfekte Bühne für ihren Abschied in die Babypause boten die Titelkämpfe für Stabhochspringerin Elena Isinbaeva, die mit übersprungenen 4,89m und ihrem 3. WM-Gold diese Gelegenheit auch perfekt zu nützen schien, jedoch spuckte sich die Russin im Anschluss noch selbst in die Suppe, als sie sich in Bezug auf das Homogesetz einen verbalen Einfädler leistete.

Die von Vladimir Putin vor der WM verabschiedete Vorschrift, welche eine öffentliche Propagierung von Homosexualität vor Minderjährigen unter Strafe stellt, avancierte zum internationalen Politikum. Es ging so weit, dass Sportler mittels Regenbogen-Aufkleber und bunt bemalter Fingernägel ihrem Protest Ausdruck verliehen. „Das ist nicht respektvoll gegenüber unserem Land und der Bevölkerung“, kommentierte Isinbaeva das Vorgehen ihrer Sportskollegen.

Land Gold Silber Bronze
1. Usain Bolt JAM 8 2 0
2. Allyson Felix USA 8 1 1
2. Carl Lewis USA 8 1 1
4. Michael Johnson USA 8 0 0
5. Sergiy Bubka UKR 6 0 0
6. Gail Devers USA 5 3 0
7. Shelly-Ann Fraser-Pryce JAM 5 2 0
8. Sany Richards-Ross USA 5 1 0
8. Jeremy Wariner USA 5 1 0
10. Kenenisa Bekele ETH 5 0 1
10. Lars Riedel GER 5 0 1
Gold Silber Bronze Gesamt
  1. Russland
7 4 6 17
  1. USA
6 14 5 25
  1. Jamaika
6 2 1 9
  1. Kenia
5 4 3 12
  1. Deutschland
4 2 1 7
  1. Äthiopien
3 3 4 10
  1. Großbritannien
3 0 3 6
  1. Tschechien
2 0 1 3
  1. Ukraine
2 0 1 3
  1. Frankreich
1 2 1 4
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