Aries Merritt: Erst WM, dann Nierentransplantation

Aufmacherbild
 

Dass Aries Merritt bei der Leichtathletik-WM in Peking am Start ist und sogar die Chance auf eine Medaille hat, verdankt er auch seiner Willensstärke.

Der US-Hürden-Weltrekordler läuft dennoch vielleicht die letzte Meisterschaft seines Lebens, denn am 1. September muss er sich einer Nierentransplantation unterziehen.

Nach einer 2013 erhaltenen Diagnose kämpfte er gegen Krankheit und Depression.

"Keine Energie mehr"

2012 war das beste Jahr in der Karriere des mittlerweile 30-jährigen Merritt. In London wurde er Olympiasieger, wenig später holte er sich in Brüssel in 12,80 Sekunden den Weltrekord über 110 m Hürden.

Die Moskau-WM 2013 endete für ihn mit Platz sechs enttäuschend, er spürte bereits, dass etwas nicht stimmte. Wenig später wurde er ernsthaft krank.

"Ich hatte keine Energie mehr, litt unter Atemlosigkeit und hatte Probleme, mich zu erholen." Er landete in der Notaufnahme einer Klinik in Arizona. "Als ich die Diagnose erhalten habe, dass ich an einer Nierenkrankheit leide, brach es mir das Herz." Es handelt sich um eine genetisch bedingte, seltene Nierenerkrankung.

7 Monate im Spital

Dabei blieb es nicht, er infizierte sich mit dem Parvovirus B19, der Nieren und Knochenmark angriff. Er litt unter Hämolyse, so nennt man die Auflösung von roten Blutkörperchen.

Von Oktober 2013 bis April 2014 lag Merritt im Krankenhaus, seine Nierenfunktion war anfangs bei 15 Prozent. Gehen und die täglichen Dinge des Alltags wurden zur Herausforderung. Er musste das Essen umstellen, verlor an Gewicht, an Training war freilich nicht zu denken.

Nur langsam bekamen die Ärzte mit ihren Behandlungen die Probleme in den Griff. Merritt begann mit leichtem Training, im Mai 2014 kehrte er in Kalifornien auf die Laufbahn zurück. Zeit und Platzierung waren zweitrangig.

   In den 110-m-Vorläufen am Mittwochvormittag in Peking kam er hinter seinem Landmann David Oliver (13,15) auf die zweitbeste Gesamtzeit (13,25). Er sei jetzt verglichen mit 2012 bei ungefähr 75 Prozent seiner Fitness. "Aber wenn ich mich von meiner Operation erholt habe, habe ich hoffentlich eine bessere Chance, meinen Rekord zu übertreffen."

"Könnten letzte Meisterschaften sein"

In Peking zu sein, sei vor allem für seine mentale Gesundheit wichtig. "Ich will nicht in meinem Haus sitzen und auf die Operation warten. Ich möchte raus, das Leben genießen. Wer weiß, das könnten meine letzten Meisterschaften sein, falls die Operation nicht klappt. Aber das hoffe ich schon. Ich bin optimistisch, dass ich zurückkehren und das Training für die Olympischen Spiele in Rio aufnehmen werde", sagte Merritt nach seinem Vorlauf.

"Als sie mir 2013 mitgeteilt haben, dass ich nie wieder laufen werde, brach für mich die Welt zusammen. Dass ich jetzt hier bin, zeigt mir, dass ich ein Kämpfer bin und dass ich alles überstehen werde, wenn ich positiv bleibe."

Nur noch 20 Prozent Nierenfunktion

Jetzt sei er bei der WM, danach werde er sich auf die Operation konzentrieren. Seine Nierenfunktion liegt immer noch bei nur 20 Prozent, heißt es in einem Artikel auf der Seite des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF).

Die Offenbarung seines Geheimnisses habe ihm eine große Last von den Schultern genommen. "Die Resonanz war überwältigend. Ich liebe meine Fans. Und ich liebe das Laufen. Ich liebe Wettkämpfe. Ich bin einfach nur glücklich, es tun zu können. Das ist mein Leben, hier bin ich", sagte Merritt.

Er hoffe, Inspiration für alle jene zu sein, die eine lebensbedrohende Krankheit haben und nicht aufgeben, ihre Träume zu verfolgen.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen