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Außenseiter erbt WM-Gold im Hürdensprint

Nach dem 100-m-Flachsprint der Männer, in dem Superstar Usain Bolt aus Jamaika wegen eines Fehlstarts regelkonform disqualifiziert worden war, hat mit dem Hürdensprint der Männer am Montag in Daegu auch ein zweiter Leichtathletik-WM-Knüller mit einem Paukenschlag geendet.

Der schon als neuer Weltmeister gefeierte Kubaner Dayron Robles wurde wegen Behinderung des Chinesen Liu Xiang nachträglich disqualifiziert, Gold ging an Überraschungsmann Jason Richardson aus den USA.

Weltrekordler Robles wollte sein Ding durchziehen.

In 13,14 Sekunden hatte sich der Olympiasieger vor Richardson (USA/13,16) und Liu Xiang (CHN/13,27) durchgesetzt, allerdings an der letzten Hürde Liu mit seinem Arm berührt und damit seine Bahn verlassen und gegen Artikel 163,2 des Reglements des Weltverbandes verstoßen.

Liu kam aus der Balance und verlor den Rhythmus. Nach einem erfolgreichen Protest des chinesischen Verbandes erbte Richardson Gold und Liu Silber, auf den Bronze-Platz rückte der Brite Andrew Turner (13,44) vor.

Kuba protestierte dagegen - aber die Hoffnung auf Erfolg schien gering.

Die drei schnellsten Hürdensprinter aller Zeiten

Mit Robles, Liu und dem US-Amerikaner David Oliver, der als Jahresbester nach Daegu gereist war und über Platz vier nicht hinauskam, waren einander erstmals die drei schnellsten Hürdensprinter aller Zeiten in einem Endlauf begegnet.

Das Rennen hatte damit noch einmal gehörig an Aufmerksamkeit gewonnen. Der Showdown endete für Robles mit einem sportlichen Drama.

"Ein Fehler und du bist tot", hatte er noch vor dem Finale gesagt. Zumindest sein sportlicher Traum ist auf der blauen Mondo-Bahn gestorben.

"Alles kann passieren in der Leichtathletik"

"Robles hat mich zweimal getroffen, an der neunten Hürde zog er mich zurück, aber das war nicht absichtlich", sagte Liu, merkte aber auch an: "Wenn das nicht passiert wäre, wäre ich der Goldmedaillengewinner."

Richardson hatte sich den Titelgewinn auch ein bisschen anders vorgestellt.

"Ich wünschte unter anderen Umständen, dass er die Medaille behalten könnte, aber Regeln sind Regeln. Alles kann passieren in der Leichtathletik, wenn du nur das Beste gibst und in deiner Bahn bleibst."

Jeter sichert sich 100-m-Titel

Die neue 100-m-Weltmeisterin heißt Carmelita Jeter. Die US-Amerikanerin starrte gebannt auf die Anzeigentafel, erst als ihr Name, die 1 und 10,90 Sekunden aufleuchtete, jubelte sie und ging in die Knie.

Die bisher zweifache WM-Dritte ließ die Jamaikanerin Veronica Campbell-Brown (10,97) und Kelly-Ann Baptiste aus Trinidad und Tobago (10,98) hinter sich.

Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser-Pryce (Jamaika) musste sich mit Platz vier und 10,99 Sekunden bescheiden.

Die volle Stadionrunde bei den Frauen ging an Amantle Montsho aus Botswana, die in 49,56 Sekunden nationalen Rekord lief und ihrem Heimatlands die erste WM-Medaille der Geschichte bescherte.

Topfavoritin Allyson Felix (USA/49,59) musste sich mit Silber begnügen, Anastasia Kapatschinskaja gewann Bronze (RUS/50,24).

Prothesenläufer scheitert als 22.

Die Männer trugen ihr Halbfinale über 400 m aus, der beiamputierte Prothesenläufer Oscar Pistorius scheiterte als Gesamt-22. deutlich am Finaleinzug.

"Ich habe viel gelernt und werde diese Erfahrung in meine nächsten Rennen einbringen", meinte der 24-jährige. Bester war Titelverteidiger LaShawn Merritt aus den USA in 44,76.

Ein Highlight war wie oft der Stabhochsprung der Männer. Gold ging an den Polen Pawel Wojciechowski, der wie der Kubaner Lazaro Borges die Jahresbesthöhe von 5,90 Meter überquerte.

Für den französischen Europameister Renaud Lavillenie ist Bronze eine Enttäuschung (5,85). Schrecksekunden erlebten der Tscheche Jan Kudlicka und der Russe Dmitri Starodubzew, deren Stäbe brachen. Sie kamen mit Abschürfungen davon.

36-Jähriger gewinnt im Hammerwurf

Erstmals Weltmeister im Hammerwurf wurde der 36-jährige Japaner Koji Murofushi.

Der Olympiasieger von 2004 holte sich den Titel mit 81,24 Metern, in seinem letzten Versuch war ihn der Ungar Krisztian Pars noch auf sechs Zentimeter nahe gekommen (81,18).

Im Kugelstoßen der Frauen verteidigte die Neuseeländerin Valerie Adams mit der Jahresbestleistung von 21,24 m ihren Titel.

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