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Keine Hürde zu hoch für Beate Schrott

Beate Schrott ist eines der größten Talente in der österreichischen Leichtathletik. Die Hürdensprinterin ist mit ihren 23 Jahren eine von vier Hoffnungen für die Weltmeisterschaft in Daegu.

In ihrem Vorlauf am Freitag um 3:20 Uhr (MESZ) will sich Schrott gegen die Welt-Elite durchsetzten.

Keine andere Österreicherin hat zuvor die magische Marke von 13 Sekunden auf 100m Hürden unterbieten können. Mit 12,95 Sekunden pulverisierte Schrott in Freiburg (SUI) den österreichischen Rekord und qualifizierte sich damit für gleich drei Großereignisse.

Neben der Universiade in China hat sich Schrott ein Ticket für die Weltmeisterschaft in Daegu und den  Olympischen Spielen 2012 in London gesichert.

Die ehemalige Weitspringerin, von der ihr Trainer Philipp Unfried behauptet, dass sie Dynamit in den Beinen hat, konzentriert sich neben der Leichtathletik auf ihr Medizinstudium. Unterstützung findet sie bei ihrer Familie in Niederösterreich.

Ohne Druck geht Beate Schrott am Freitag in den 100m Hürden Vorlauf

Die Niederösterreicherin spricht im LAOLA1-Interview über ihre noch junge Karriere, Dopingvorwürfen und welche Herausforderung  in Korea auf sie warten.

LAOLA1: Du hast auf einen Schlag drei Tickets für Groß-Ereignisse lösen können. Die Teilnahme an der Universiade in China, der Weltmeisterschaft in Korea und den Olympischen Spielen in London 2012. Wie gehst du damit um?

Beate Schrott: Ich freue mich riesig, dass ich es als erste Österreicherin geschafft habe, die 13-Sekunden-Schallmauer zu brechen. Ich habe mir dadurch den Platz für die Olympischen Spiele nächstes Jahr gesichert und das ist natürlich einer meiner größten Erfolge. Das war immer das große Ziel und das zu erreichen, ist der Wahnsinn.

LAOLA1:  Vom letzten Jahr auf heuer hast du einen großen Sprung gemacht? Was habt ihr anders gemacht, bzw. wie hast du das körperlich verkraftet?

Schrott: Körperlich geht es mir eigentlich sehr gut mit dem Leistungssprung. Es gibt einige Faktoren, die dazu geführt haben, mich besser entwickeln zu können. Einerseits habe ich wieder von den sieben auf die acht Schritte zur ersten Hürde umgestellt. Dann hab ich von US-Startrainer Rana Reider und seiner Trainingsgruppe sehr profitiert. Ich habe Hürden-technisch einiges dazu gelernt, aber auch das viele Training mit den schnellen Hürdenläuferinnen hat mir sehr viel gebracht. Perfekt war auch, dass mein Uni-Jahr heuer schon im April zu Ende war und ich mich danach wirklich total auf den Sport konzentrieren konnte. Ich bin auf Wettkämpfe geflogen, was in den Jahren davor aufgrund der Uni leider nicht möglich war. Wichtig war vor allem auch, dass ich körperlich keine groben Probleme hatte.

LAOLA1: Wie gehst Du mit den Vorurteilen um, dass die meisten Leichtathleten ohnehin zu unerlaubten Substanzen greifen?

Schrott: Ich finde es sehr schade, dass die gedopten Sportler dazu führen, dass auf den gesamten Sport ein schlechtes Licht fällt. Es ist nicht jeder Sportler gedopt, aber natürlich ist es für den Zuseher nicht nachzuvollziehen, wer gedopt ist und wer nicht. Somit steht der gesamte Sport nicht im besten Licht da. Meine Mutter wurde vor kurzem von einem Bekannten gefragt, ob es denn möglich ist, ungedopt das zu erreichen, was ich erreicht habe. Man ist verunsichert, ob Sportler diese Leistungen überhaupt ohne Dopingmittel erbringen können. Das macht meiner Meinung nach den gesamten Sport kaputt. Und als Sportler zu spüren, dass sich Leute wundern, ob du das auch tatsächlich ohne Zusatzmittel erreichen kannst, ist ein bisschen frustrierend.

LAOLA1: Würdest du sagen, du lebst im falschen Land? Die Leichtathletik ist doch eine Randsportart in Österreich.

Schrott: Nein, ich bin eigentlich ganz froh, in Österreich Leichtathletik zu machen. In Deutschland, der Schweiz oder in den USA ist es noch mal schwieriger, sich für ein Großereignis zu qualifizieren, da in diesen Ländern nicht nur das Leistungsniveau, sondern auch die Leistungsdichte höher ist. Auch wenn ich derzeit sowohl für Deutschland als auch für die Schweiz bei der WM starten könnte, hätte ich wahrscheinlich viele Nachwuchs-Großereignisse und viele dieser Erfahrungen nicht machen können.

LAOLA1: Limits vom österreichischen Leichtathletik-Verband für Groß-Ereignisse sind sehr hoch angesetzt. Wie findest du das?

Schrott: Ja, es stimmt, dass sie in den letzten Jahren hoch angesetzt waren. Aber seit wenigen Jahren übernimmt der ÖLV die internationalen Limits und das finde ich sehr gut. Dadurch haben deutlich mehr Athleten die Chance bei einem Großereignis an den Start zu gehen. So etwas ist einfach ein tolles Ereignis und die Belohnung für all die harte Arbeit.

LAOLA1: Macht dir die Zeitumstellung zu schaffen, bzw. wie wirkt man ihr entgegen?

Schrott: Am Anfang war die Zeitumstellung nicht einfach. Ich konnte abends nicht einschlafen. Aber ich versuche einfach keine Nickerchen am Nachmittag zu machen und gleich von Beginn an früh aufzustehen, dann kommt man schneller in den Rhythmus rein.

LAOLA1: Wie ist es, wenn man plötzlich vor einem großen Publikum an den Start geht? Motiviert  dich das oder ist man dadurch noch nervöser oder eventuell auch abgelenkt?

Schrott: Also wenn ich gut konzentriert, bin merk ich das gar nicht wirklich. Natürlich freut man sich sehr in einem vollen Stadion laufen zu können, das ist wirklich toll. Aber im Endeffekt versuche ich mich auf das zu konzentrieren, was ich machen muss. Bei der Universiade habe ich von dem Rundherum nichts mitgekriegt. Ich war so fokussiert. Ich hab ehrlich gesagt nicht mal mitgekriegt, dass das Publikum beim Semifinale getobt hat, weil eine Chinesin mit mir im Lauf war.

LAOLA1: Wie sieht ein tägliches Training bei dir aus und was motiviert dich?

Schrott: Im Aufbau acht bis neun Mal pro Woche, während der Wettkampfsaison natürlich nicht so oft, abhängig davon wie viele Wettkämpfe ich laufe. Es macht einfach großen Spaß. Ich könnte mir mein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Die Trainingsgruppe von Rana Reider hat mich auch wirklich sehr motiviert. Und natürlich motiviert es einen ungemein, wenn man bei einer EM, Universiade oder WM laufen darf. Ich hab das Glück mit Danielle Carruthers und Nicole Denby trainieren zu können. Natürlich nicht das ganze Jahr, aber doch des Öfteren. Da bleibt mir nichts zu wünschen übrig.

LAOLA1: Was sind deine nächsten Ziele?

Schrott: Ich würde in Daegu gerne ins Semifinale laufen. Das ist natürlich leichter, wenn es drei Semifinale gibt und schwerer, sollte es nur 2 geben. Für London sich jetzt schon ein Ziel zu stecken, ist sehr schwierig. Ich denke, dafür muss ich erst mal sehen wie nächstes Jahr die Saison verläuft, welche Zeiten ich laufen kann und dann kann ich mir erst für diesen speziellen Wettkampf ein konkretes Ziel setzen. Aber mein Ziel für nächstes Jahr sind schon ein paar Zeiten unter 13 Sekunden  und vielleicht sogar schon auf die 12,80 zu.

Das Gespräch führte Patricia Kaiser

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