Holdhaus über Powell: "So zu dopen, ist Steinzeit"

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Die Doping-Bombe ist geplatzt. „Es ist eine Katastrophe für die Leichtathletik.“

Hans Holdhaus ist sich über die Auswirkungen der positiven Tests der Top-Sprinter Asafa Powell und Tyson Gay vollends bewusst.

Doch dem österreichischen Doping-Experten kommt in der Causa nicht alles geheuer vor. Zumindest, was Powell anbelangt.

Doping von gestern

Der Jamaikaner bekräftigte in einer Stellungnahme, dass er sich nicht erklären könne, wie eine verbotene Substanz in seinen Körper gekommen sei. Eine Aussage, die der moderne Sportfan schon zu oft gehört hat, um ihr noch Glauben schenken zu können.

Aus der Sicht von Holdhaus klingt sie jedoch nicht abwegig. Der Leiter des IMSB Austria stößt sich nämlich an der gefundenen Substanz. Diese heißt Oxilofrine und zählt zur Gattung der Stimulanzien, also Aufputschmittel.

Doping-Experte Hans Holdhaus

Für Holdhaus sind somit nur zwei Erklärungen möglich: „Entweder hat er sich das Zeug von einem kompletten Anfänger einreden lassen oder es ist auf eine Verunreinigung in einem Nahrungsergänzungsmittel zurückzuführen.“

Die zweite bei den jamaikanischen Ausscheidungen für die WM erwischte Sprinterin, Sherone Simpson, wurde ebenfalls mit Oxilofrine erwischt.

UPDATE: Als dritter von mutmaßlich insgesamt fünf Dopingfällen wurde am Montag Allison Randall bekannt. Der Diskuswerferin soll laut "Reuters" ein Diuretikum nachgewiesen worden sein. Die 25-jährige Olympia-Starterin beteuert ihre Unschuld und will diese auch beweisen.

In diversen Medien tauchte zuletzt auch noch der Name Nesta Carter auf.

Stimulanzien bei Gay auszuschließen

Bei Gay liegt der Ball etwas anders. Zwar ist die Substanz, die beim US-Amerikaner festgestellt wurde, noch nicht öffentlich bekannt, dennoch kann Holdhaus ein weiteres Vergehen mit Aufputschmittel ausschließen. „Bei ihm handelt es sich um eine Trainingskontrolle und bei dieser wird nicht nach Stimulanzien gesucht.“ Mit diesen könnten nur während eines Wettkampfs große Effekte erzielt werden.

„Damit zu dopen, ist Steinzeit“, schüttelt Holdhaus verständnislos den Kopf. Die Nachweisbarkeit dieser Mittel sei mittlerweile derartig einfach, dass sie im Spitzensport praktisch nicht mehr zum Einsatz kommen. „Ich halte es für vollkommen absurd, dass damit heute noch gedopt wird. Das ist völlig primitiv und hat absolut nichts mit ‚Sofisticated Doping‘ zu tun“, spricht der Fachmann.

„Man wird deshalb einmal abwarten müssen, was bei ihm gefunden wurde, bevor man weitere Schlüsse ziehen kann.“

Der schnellste Mann heuer über die 100m beteuerte gegenüber Medien und seiner Familie, dass er „Opfer eines Unfalls“ geworden sei. „Ob er etwas genommen hat oder nicht, sei dahingestellt. Dass die USADA (US-Anti-Doping-Agentur; Anm.) aber sehr rigoros vorgeht, das sollte spätestens seit dem Fall Armstrong klar sein“, so Holdhaus weiter.

Auch vor großen Namen nicht haltgemacht

Abseits der eingangs erwähnten Katastrophe für die Leichtathletik sei es sehr schwierig, den Fällen etwas Positives abzugewinnen. „Zum einen haben die Fälle Gay und Powell jedoch gezeigt, dass es selbst für prominente Sportler keine Schutzzone gibt“, meint Holdhaus nicht einmal knapp einen Monat vor der WM in Moskau.

Zum anderen hat die jamaikanische Anti-Doping-Kommission (JADCO) Zähne gezeigt. „Bislang hat es immer geheißen, dass in Jamaika sowieso nicht kontrolliert werde. Mit diesem Gerücht hat man jetzt einmal aufgeräumt.“

Jüngste Berichte, wonach in der Türkei ein Doping-Beben mit an die 30 Fälle droht, wollte Holdhaus mangels bestätigter Meldungen nicht kommentieren. „Solange es nicht geschehen ist, muss man vorsichtig sein“, warnt er vor Vorverurteilungen und einem Generalverdacht.

Reinhold Pühringer

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