Das Risiko springt mit

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Grünberg-Schicksal: Über Risiko im Stabhochsprung

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Dass der Stabhochsprung die gefährlichste Disziplin in der Leichtathletik ist, unterstreicht die Statistik mit mehreren Todesfällen.

Der Tirolerin Kira Grünberg, bei der nach einem Trainingssturz eine Querschnittlähmung diagnostiziert worden ist, hätte aber vermutlich auch ein Helm nicht geholfen.

Teamkollege Dominik Distelberger hat selbst bereits Stürze glimpflich überstanden.

"Kann mir nichts Schlimmeres vorstellen"

"Da muss bei Kira wirklich alles ganz blöd zusammengekommen sein. Ich bin auch schon in den Einstichkasten gefallen, aber noch nie mit dem Kopf voraus", sagte Mehrkämpfer Distelberger.

"Sie hat sicher schon tausend Sprünge gemacht und weiß, wie und wann sie was machen muss. Das ist ein extremer Wahnsinn, ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, ich kann der Familie nur alle Kraft wünschen", fühlt der 25-jährige Athlet vom UVB Purgstall mit.

Matten wurden vergrößert

Österreichs Leichtathleten des Jahres: Grünberg und Distelberger

Ein gewisses Risiko springe immer mit, aber man wachse mit der Höhe mit. "Du fängst klein an und je höher du springst, desto mehr Profi wirst du." Was die Sicherheit betrifft, merkte Distelberger an, dass bereits etwas getan wurde.

"Bei den Matten hat es eine Entwicklung gegeben, die sind breiter geworden. Und wenn du im Nackenbereich aufkommst, dann schützt dich ein Helm auch nicht wirklich", meinte Distelberger.

Die Matte muss bei internationalen Bewerben laut Bestimmungen des Weltverbandes (IAAF) mindestens acht Meter lang, sechs Meter breit sowie 80 Zentimeter hoch sein.

Die Kanten des Einstichkastens aus Metalls seien aber scharf, das Einzige, was ihm einfallen würde, wäre, dass nach dem Absprung des Athleten eine Matte darübergeworfen wird, sagte Distelberger. Der Einstichkasten selbst ist aber nicht wegzudenken. "Man braucht ihn einfach."

Veränderungen kann es also nur in Bauweise (Kasten ähnelt einer Rampe) oder Beschaffenheit (Metall) geben.

Mit oder ohne Helm?

Mit Helm zu springen kann sich Distelberger nicht vorstellen, er kennt aber Helmspringer. "Ein amerikanischer 6-Meter-Springer ist seiner Mutter zuliebe mit Helm gesprungen", sagte Distelberger.

Es handelt sich um Toby Stevenson, der 2004 in Athen Olympia-Zweiter wurde. Die Helmpflicht wurde öfters diskutiert.

Aus Amerika sind mehrere Todesfälle bekannt, die sich beim Stabhochsprung ereigneten, so aus den Jahren 2008 und 2009, als junge Athleten jeweils mit dem Kopf auf den harten Boden neben der Matte prallten.

Hätte nicht viel geholfen

Auch Herbert Czingon, zu dem Grünberg vor der Zürich-EM 2014 viermal zum intensiven Training gereist ist, glaubt nicht, dass der Helm der ÖLV-Athleten geholfen hätte.

"Bei bestimmten Verletzungen oder missglückten Landungen auf den Hinterkopf kann es sogar sein, dass ein Helm die Sache noch schlimmer macht. Vielleicht führt dieser furchtbare Fall zu der Entwicklung, die Härte oder die Beschaffenheit des Einstichkastens zu überdenken. Aber 100-prozentige Sicherheit kann es beim Stabhochsprung leider nie geben. Das ist ein Sport, zu dem eine Risikokomponente gehört", sagte der Stabhochsprung-Trainer für den Schweizer Verband gegenüber der dpa.

Schwer nachzuvollziehen

Den Unfallhergang bei Grünberg kennt auch Distelberger nicht. "Normal bricht man ab, wenn man merkt, dass man die Tiefe nicht hat."

Wenn der Stab breche, was bei der Tirolerin aber nicht der Fall war, sei man hilflos und müsse versuchen, den Fall so schadlos wie möglich zu überstehen. In jedem Fall versuche man auf der Matte zu landen.

"Ein Freund von mir ist einmal in einem Wettkampf aus vier Metern neben die Matte geflogen. Er hat schief eingestochen, es hat ihn rausgeschossen. Er hat sich Prellungen zugezogen. Es hätte auch bei Kira so sein können, dass sie nur eine Gehirnerschütterung hat oder sich was prellt. So ist das ein Wahnsinn", sitzt auch bei Distelberger der Schock tief.

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