Drei Tote bei Bombenanschlag auf Boston-Marathon

Aufmacherbild
 

Nach zwei Bombenexplosionen beim traditionsreichen Marathonlauf in der US-Ostküstenstadt Boston mehren sich die Anzeichen für einen Terroranschlag.

US-Präsident Barack Obama erklärte am Montag, dass seine Regierung die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen werde.

Nach offiziellen Angaben wurden mindestens drei Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt, einige von ihnen schwer.

In Medienberichten war von mehr als 140 Verletzten die Rede. Der Hintergrund der Tat blieb zunächst unklar.

Das Außenministerium in Wien hatte Dienstag früh keine Hinweise darauf, dass auch Österreicher von den Explosionen betroffen sein könnten.

"Haben noch nicht alle Antworten"

"Wir werden herausfinden, wer das getan hat und warum sie das getan haben", sagte Obama vor Journalisten im Weißen Haus.

"Jedes verantwortliche Individuum, jede verantwortliche Gruppe wird das volle Gewicht der Justiz zu spüren bekommen."

Der Präsident warnte aber davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Wir haben noch nicht alle Antworten", sagte er. Das Wort "Terrorismus" nahm der Präsident nicht in den Mund.

Ein ranghoher Mitarbeiter von Obama sagte jedoch, dass "jedes Ereignis mit mehreren Sprengsätzen - wie offenbar dieses - ein klarer Terrorakt" sei.

Sportfest wird zur Katastrophe

Die beiden heftigen Explosionen ereigneten sich am Montag gegen 14.50 Uhr (Ortszeit, 20.50 Uhr MESZ) im Abstand von etwa 15 Sekunden nahe der Ziellinie des Bostoner Marathons.

An der ältesten jährlichen Marathon-Veranstaltung der Welt, die seit 1897 ausgetragen wird, nahmen mehr als 20.000 Läufer teil. Hunderttausende Zuschauer säumten die Straßen.

Die Profis hatten den Wettkampf längst beendet und Amateurläufer kamen ins Ziel, als sich das Sportfest in eine blutige Katastrophe verwandelte.

Auf TV-Bildern war zu sehen, wie auf der linken Seite der Strecke hinter bunten Flaggen nach einer Explosion eine dunkle Rauchsäule aufstieg. Läufer wurden von der Wucht zu Boden gerissen. Kurz darauf folgte etwa 45 bis 90 Meter entfernt eine zweite Detonation.

Österreicher nicht unter Opfern

Laut der Internetseite der Organisatoren waren auch 41 Österreicher für den Marathon angemeldet.

Außenamts-Sprecher Martin Weiss sagte in der Nacht, die österreichischen Vertretungsbehörden stünden mit den lokalen Behörden in Kontakt.

Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass sich Österreicher unter den Toten oder Verletzten befänden.

Mehrere Amputationen

Unter den drei Todesopfern soll sich Medienberichten zufolge ein achtjähriger Bub befinden. Der Nachrichtensender CNN berichtete, dass mehr als 140 Menschen in Krankenhäusern behandelt würden.

Der Gesundheitszustand von mindestens 17 Verwundeten sei "kritisch". Mehreren Verletzten hätten Beine amputiert werden müssen.

Die Ärzte würden den Opfern auch Kugellager aus dem Leib operieren - ein Zeichen dafür, dass die Sprengsätze als Splitterbomben gebaut worden seien. Nach Berichten mehrerer US-Medien wurden mindestens acht Kinder verletzt.

Jede Menge Gerüchte

Die Federführung bei den Ermittlungen übernahm die US-Bundespolizei FBI. "Das sind strafrechtliche Ermittlungen und mögliche Terrorermittlungen", sagte der leitende FBI-Agent Rick DesLauriers, nannte aber keine Details.

Berichte von US-Medien, dass mehrere nicht detonierte Sprengsätze entdeckt und unschädlich gemacht worden seien, bestätigte er nicht.

Die Polizei dementierte Informationen, wonach ein Verdächtiger in einem Bostoner Krankenhaus behandelt werde.

Niemand befinde sich im Zusammenhang mit den Explosionen in Gewahrsam.

Verwirrung um dritte Explosion

Für Verwirrung sorgte eine Erklärung von Polizeichef Ed Davis zu einer angeblichen dritten Detonation, welche die Präsidentenbibliothek von John F. Kennedy in Boston getroffen hätte.

Später zog die Polizei dies zurück. Bei dem Vorfall habe es sich lediglich um ein Feuer gehandelt, das allem Anschein nach nicht im Zusammenhang mit den Explosionen beim Marathon gestanden sei.

Die Ereignisse von Boston riefen in den USA die Anschläge vom 11. September 2001 in Erinnerung. Als Reaktion auf die Explosionen erhöhte die Polizei in New York ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Auch in der Hauptstadt Washington, in Los Angeles und in anderen Städten des Landes galt eine höhere Alarmstufe. Obama erklärte, dass die Sicherheitsvorkehrungen in den USA "so weit wie nötig" verschärft würden.

Tat einheimischer Extremisten?

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und der britische Premierminister David Cameron reagierten schockiert auf die Explosionen von Boston.

In mehreren großen TV-Sendern äußerten Experten die Vermutung, dass die Tat eher auf das Konto einheimischer Extremisten gehen dürfte und es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe.

So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Ansonsten hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben, so die einhellige Meinung der Fachleute.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen