Kämpft sich die Grande Dame noch einmal zurück?

Aufmacherbild

Wie schlimm die Verletzung von Sabrina Filzmoser ist, ließ sich zunächst nur in den Gesichtern ablesen.

Im Gesicht der Welserin, die nach dem EM-Finale kaum aufsah, weil die Schmerzen im rechten Arm so groß waren.

In den Gesichtern ihrer Teamkollegen, die betroffen auf ihre Leaderin, die gerade eben Silber geholt hatte, hinunterblickten.

Jeder von ihnen trachtete spürbar danach, der 32-Jährigen in irgendeiner Form zu helfen und so ihre Schmerzen vielleicht ein klein wenig lindern zu können. Egal, ob es Bernadette Graf war, die noch in der Tasche nach Socken für Filzmoser kramte, oder Ludwig Paischer, der die aufgebrachte Mama Filzmoser zu beruhigen versuchte.

Die sonst so besonnene Dame hatte nämlich die medizinische Versorgung ihrer Tochter auf die Palme gebracht. Denn der Doppel-Europameisterin wurde zum einen wegen einer zu erwartenden Behandlung im Krankenhaus vorab keine Schmerzmittel verabreicht und zum anderen zog sich der Abtransport wegen der Anti-Doping-Bestimmungen in die Länge.

Operation am Freitag in Wien

Die zunächst angenommene Luxation des Ellbogen-Gelenks entpuppte sich nach eingehenden Untersuchungen als glatter Durchbruch des Oberarmknochens. Die Hobby-Pilotin wurde am Donnerstagabend noch nach Wien überstellt. Um den schmerzenden Arm während der Fahrt zu stabilisieren, wurde er mit einem provisorischen Gips versehen. Freitag-Vormittag erfolgt in Wien die Operation.

„Vor der Abfahrt habe ich noch mit ihr sprechen können“, sagte ÖJV-Bundestrainer Marko Spittka. „Sie klang im Unterschied zur Situation in der Halle schon wieder wesentlich besser“, erklärte der Deutsche im Gespräch mit LAOLA1.

Filzmoser verletzte sich im Finalkampf gegen Automne Pavia

Dass letztlich der Knochen und nicht das Gelenk betroffen ist, bezeichnete er als Glück im Unglück. „Sie hat Schwein gehabt, weil so etwas weniger Zeit in Anspruch nimmt als eine Luxation.“

„Dann ist es was Ernstes“

Im Tempo der Aktion war die Verletzung von außen nur schwer sichtbar. Die Französin Automne Pavia hatte die Beintechnik Filzmosers bereits erahnt und die Österreicherin gekontert. Dabei war der Arm des ÖJV-Aushängeschildes so unglücklich auf der Matte aufgekommen, dass der Knochen brach. Die Zeitlupe im TV und auf der Vidi-Wall in der Halle machten die Auswirkungen der Verletzungen in ihrer ganzen „Pracht“ dann deutlich. Bilder, die bis ins Mark gingen.

Nicht auf die Vidi-Wall hinaufgeblickt hat Spittka. „Da war ich schon damit beschäftigt, einen Arzt herbeizuzerren. Weil wenn die Sabsi einmal nicht gleich wiederaufsteht, dann ist es was Ernstes.“

Denn Schauspielerei oder ausgiebiges Zur-Schau-stellen von Ärger ist nicht die Art Filzmosers. Zu sehr hat sie die japanische Mentalität verinnerlicht.

Kommt sie noch einmal zurück?

Für Filzmoser war es ihre zehnte Medaille bei einem Großereignis. War es vielleicht gar ihre letzte? Bedeutet der Oberarmbruch, der eine längere Zwangspause nach sich zieht, möglicherweise das Karriereende?

Eine Frage, die im Moment wohl nicht einmal Filzmoser in ihrem Krankenbett beantworten wird können. Zu frisch ist die Verletzung und zu aufgewühlt die Emotionen, um eine Entscheidung von dieser Tragweite zu treffen.

Jedoch gestand Filzmoser zuletzt bereits gegenüber den „OÖ-Nachrichten“, es Anfang des Jahres beinahe bereut zu haben, im Vorjahr nicht einen Schlussstrich gezogen zu haben. Im Interview mit LAOLA1 hatte sie nach London bezüglich ihrer Karriere-Fortsetzung gemeint: „Ich war in meiner Karriere schon oft verletzt. Jetzt bin ich verletzungsfrei und habe großen Spaß am Judo, warum sollte ich also genau jetzt aufhören?“ Ein spontanes Ende wollte sie damals aber nicht ausschließen.

Hinzu kommt, dass in den vergangenen Wochen diverse kleinere Blessuren wieder ihren Weg gesäumt haben. Etwas, das sich auf Dauer auf die Psyche schlagen kann.

Spittka glaubt nicht an Karriereende

Fest steht jedenfalls, dass Filzmosers Silberne Spittkas erste Erwachsenen-Medaille als ÖJV-Bundestrainer ist.

Der Olympia-Dritte von 1996 macht sich über ein Karriereende der zweifachen Europameisterin keinen Kopf. „Ich habe da keine Angst. Und selbst wenn es so kommt, sollte man die Kirche im Dorf lassen. Sie ist 32 und hat in ihrem Judo-Leben schon so viel erlebt. Insofern würde ich es natürlich verstehen, wenn sie aufhört.“

Laut Spittka habe sie aber nach wie vor große Motivation, weil sie sich in der Gruppe so wohl fühlt. Wenig verwunderlich, aufgrund des Standings, das sie innerhalb des Teams hat.

Die Anteilnahme in den Gesichtern zeugt davon.

 

Aus Budapest berichtet Reinhold Pühringer

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen