Wenn die eigene Sporart fremd geworden ist

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Olympia-Medaillengewinner. Europameister. Technische Ausnahmekönner.

Das Teilnehmerfeld der Judo European Open in Oberwart hatte trotz der erst im April startenden Olympia-Qualifikation eine ganze Menge zu bieten. Dass es da für das österreichische Herren-Dutzend schwer werden würde, war bereits nach der Auslosung klar.

Am Ende war es jedoch ein dritter Rang von Marcel Ott bis 81 kg, den Österreichs Herren nach ihrem einzigen Heim-Turnier im Weltcup-Kalender auf der Habenseite hatten. Für ÖJV-Aushängeschild Ludwig Paischer war am Samstag bis 60 kg bereits im Achtelfinale Endstation gewesen.

Das Publikum in der Messehalle, unter dem sich eine überraschend große mongolische Abordnung befand, honorierte die Leistungen des Großteils recht jungen rot-weiß-roten Aufgebots dankbar. Einen, dem auch die beiden siebenten Plätze von Laurin Böhler (bis 90 kg) und Christoph Kronberger (bis 100) Respekt abrangen, war Lutz Lischka.

Rot-weiß-roter Pionier

Eigentlich ist Lischka bereits „ein paar Jahre vom Judo-Sport weg“. Etwas, aus dem er selbst kein Hehl macht. Wohl um auch keinen falschen Eindruck zu vermitteln. Doch er kehrte am Sonntag gerne wieder zu jener Sportart zurück, in der er einst Olympia-Fünfter (1972) und EM-Dritter (1970) geworden ist.

Er ist angetan vom Treiben auf der Matte. Den jungen Österreichern, die versuchen, sich einen Namen zu machen.

Doch beim 70-Jährigen ist auch Kopfschütteln mit dabei. „Es gefällt mir nicht mehr“, erklärt er. Und mit „es“ meint er Judo.

Ein anderer Sport

Seitdem Lischka der Matte den Rücken gekehrt hat, hat sich viel verändert. Technische Entwicklungen ausgelöst von einer fortschreitenden Internationalisierung, die Installierung eines umfassenden Weltcup-Kalenders sowie diverse Versuche des Weltverbands (IJF), den Sport durch Eingriffe in das Reglement attraktiver zu machen, haben Judo binnen weniger Jahrzehnte ein völlig neues Gesicht verpasst.

„Es ist nicht mehr der Sport, den ich gemacht habe“, bestätigt Lischka. Das reicht vom Kampfstil („Heutzutage macht kein Kämpfer mehr eine ordentliche Wurf-Vorbereitung.“) bis zu der oftmals undurchsichtigen Handhabe von Bestrafungen. „Wenn ich mir das so anschaue, kommt es mir vor, als ob die Athleten oft selbst nicht einmal so genau wissen, was jetzt warum entschieden wird“, meint er.

Eines steht für ihn außer Frage, verständlicher habe man das Judo auf alle Fälle nicht gemacht.

2015 kein Oberwart?

Wie das Judo selbst ist auch der Weltcup-Kalender einem ständigen Wandel unterworfen. Und aus der Sicht von Oberwart geschieht das künftig nicht ganz unwesentlich.

Aufgrund der Renovierung des Palais Omnisport in Paris wird der dortige Grand Slam 2015 nicht wie gehabt am Wochenende vor dem Turnier im Burgenland, sondern erst im Herbst stattfinden.

Da jedoch viele Nationen Oberwart als Überbrückung zwischen Paris und dem zwei Wochen später folgenden Grand Prix in Düsseldorf mitnehmen, befürchten die Veranstalter einen massiven Einbruch der Starterzahlen.

„Noch ist nicht entschieden, ob an dem Termin von Paris ein anderes Groß-Event in Zentral-Europa stattfindet“, erklärt Oberwart-OK-Chef Roland Poiger. „Sollte aber herauskommen, dass der Termin etwa an ein Turnier in Asien vergeben wird, dann wird man sich von Seiten des ÖJV überlegen müssen, ob und in welcher Form die European Open nächstes Jahr stattfinden.“

Klarheit, welches Turnier 2015 zum Paris-Termin letztlich steigt, soll spätestens im Juli herrschen.

 

Aus Oberwart berichtet Reinhold Pühringer

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