Unterwurzacher feiert Heim-Titel, EM abgesagt

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So war das nicht zu erwarten.

Vor einer Woche lag Kathrin Unterwurzacher noch krank im Bett. Erkältet wie so viele Male zuvor bereits zu dieser Jahreszeit.

Nur wenige Tage später stand sie auf dem obersten Podest der Judo European Open in Oberwart. Etwas, das noch nie einem österreichischen Judoka im Südburgenland zuvor gelang. Ein zweiter (Filzmoser 2013) sowie ein dritter Rang (Ott 2014) waren die einzigen ÖJV-Podestplätze bei den vier Auflagen des Turniers.

Keine gute Idee

Bis nach dem Aufwärmen hatte sich die 22-Jährige mit ihrer Entscheidung über einen Start Zeit gelassen. Dann deutete die Heeressportlerin aber doch den Daumen nach oben. „Wenn du in der Früh einmal deine Gegner gesehen hast, kannst du dich nicht einfach so auf die Tribüne zu den Fans setzen“, begründete sie.

Auch Nationaltrainer Marko Spittka hieß einen Start zunächst gar nicht gut. „Nicht ganz fit bei einem Turnier, das nicht so viele Punkte bringt – das hat nicht clever ausgesehen. Aber ein Heim-Turnier zu gewinnen, ist dann freilich doppelt schön“, freut sich letztlich auch er.

„Nicht hyperventilieren!“, hat er deshalb seinen Schützling im Finale gegen die Japanerin Miho Minei wiederholt angewiesen. Die Luft reichte letztlich aus, Unterwurzacher behielt in einem taktischen Fight mit 2:1 Bestrafungen die Oberhand. Zuvor hatte sie sich der Reihe nach gegen Larisa Cherepanova (RUS), Amy Livesey (GBR) und Szabina Gercsak (HUN) allesamt im Bodenkampf durchgesetzt.

Mit oder ohne Mandeln

Das Gefühl, im Februar krank zu sein, kennt Unterwurzacher nur zu gut. „Mich erwischt es immer in den ersten Monaten des Jahres“, bestätigte sie. Im Vorjahr hat sie deshalb sogar den Grand Slam in Paris verpasst. „Ich hab geglaubt, dass die Mandeln dran schuld sind, weshalb ich sie mir im Herbst rausnehmen hab lassen, aber offensichtlich nicht vollends. Vielleicht wäre ich mit ihnen jetzt aber vollkommen darniedergelegen.“

So kam sie aber irgendwie durch. Auch wenn manchmal mehr schlecht als recht. Die vergangene Woche habe sie deshalb nur das Notwendigste trainieren können, um auf die 63 kg Wettkampfgewicht herunterzukommen.

Dabei war Unterwurzacher auch ein wenig vom Pech verfolgt. Als sie am Dienstag einen Dauerlauf dick eingepackt – um möglichst viel Schweiß zu verlieren – hinter sich gebracht hatte, warteten bei ihrer Rückkehr schon die Doping-Kontrolleure auf sie. „Um die verlangte Urinprobe abgeben zu können, musste ich zuerst einmal wieder zwei Liter trinken. Da hätte ich mir das Laufen auch ersparen können“, meinte sie.

EM in Glasgow abgesagt

Für Unterwurzacher und ihre Teamkolleginnen, die am ersten Tag nicht über das Achtelfinale hinauskamen, geht es nun in der Vorbereitung ungebremst weiter. Wäre es nicht das Heim-Turnier gewesen, hätte man den aktuellen Saisonaufbau ohnehin nicht unterbrochen.

Der richtige Einstieg für den A-Kader der Damen ist für den Grand Prix in Samsun (TUR) Ende März geplant. Als erster Saisonhöhepunkt wären die Europameisterschaften von 9. bis 12. April in Glasgow vorgesehen gewesen.

„Wären gewesen“ deshalb, weil das Event von der Europäischen Judo-Union (EJU) nun abgesagt wurde. Der Grund sind Differenzen mit dem Turnier-Sponsor UFC. Die „Ultimate Fighting Championship“, die größte US-amerikanische Mixed-Martials-Arts-Serie, war basierend auf einer bereits längeren Zusammenarbeit mit dem britischen Verband als Sponsor eingestiegen. Jedoch ganz zum Missfallen der EJU, die dem Veranstalter daraufhin drohte, das Event wegzunehmen.

Die UFC verkündete am Freitag ihren Rückzug vom Event, weshalb die Organisatoren, die bereits beim Entrichten der Veranstaltungsgebühr an die EJU säumig waren, finanzielle Probleme monierten. Am Samstag wurde den Schotten die EM schließlich endgültig weggenommen.

Man wolle schnellst möglich einen Ersatz-Ausrichter finden, verkündet die EJU auf ihrer Seite. Spekulationen machten bereits die Runde, wonach die EM im Rahmen der heuer erstmals stattfindenden Olympischen Europaspiele in Baku (12. bis 28. Juni) ausgetragen werden könnte.

Würde die EM ausfallen, wäre dies zum ersten Mal seit Budapest 1956 der Fall.

Aus Oberwart berichtet Reinhold Pühringer

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