Die Hoffnungen liegen auf Eis

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Die Hoffnungen liegen auf Eis

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Als Robert Weber am Freitag seinen Blick durch die Albert-Schultz-Halle schweifen ließ, sah der österreichische Handball-Nationalspieler jede Menge Eis.

Wenige Stunden später sollten die Vienna Capitals an jener Stelle dem KAC mit 2:5 unterliegen, wo am Samstag bereits die Handbälle tief flogen.

Besagtes Eis war dann schon passé. Oder besser gesagt: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Ein spezieller Boden wurde in der Nacht auf die Eisfläche der Kagraner Halle samt Handball-Belag verlegt.

Es scheint, als sei alles angerichtet für den EM-Qualifikations-Schlager zwischen Österreich und Deutschland am Sonntag (18 Uhr).

Doch die Tatsache, dass es für den Eis-Überbau in Kagran keinen Testlauf gab, sowie die Erfahrungen, die man mit Sport-Infrastruktur in der Hauptstadt gemacht hat, lassen beim gelernten Österreicher zarte Sorgenfältchen aufkommen.

Alles nur unbegründeter Pessimismus? Womöglich.

Keine kalten Füßen

Er sieht schön aus. Der Handball-Boden hieß die beiden Nationalmannschaften am Samstag zu deren Trainings-Einheiten willkommen.

Ein 13-köpfiges Handwerker-Team hatte über Nacht die 153 Banden und 22 Plexigläser, die beim Handball-Match nicht ganz „State oft the Art“ wären, abgebaut und einen knapp halben Meter dicken Boden auf das Eis verfrachtet.

Darauf wurde mittels Kleber jener Handball-Boden angebracht, auf welchem die ÖHB-Sieben schon im Juni gegen Norwegen den Grundstein zur erfolgreichen WM-Qualifikation gelegt hatte. Nur damals halt ohne Eis darunter.

Der Kostenpunkt der Nacht- und Nebel-Aktion liegt bei etwa 5.000 Euro. Ein überschaubarer Betrag, der die 7.000 Zuschauer fassende Albert-Schultz-Halle in Wien zu einer echten Alternative zur Stadthalle werden lässt. Der Boden dämme auch dementsprechend, wodurch die Handballer die dicken Socken getrost in der Schublade lassen können.

Der Teufel und das Detail

Weber kennt derartige Hallen-Transformationen von deutschen Event-Tempeln nur allzu gut. Was da möglich ist, versetzte den Legionär in Diensten des SC Magdeburg schon das eine ums andere Mal ins Staunen. „In unserer Halle, der GETEC-Arena, finden gelegentlich Reit-Events statt“, erzählt der Vorarlberger vom großzügig verstreuten Granulat, welchen den Pferden als Geläuf dient.

„Wenn wir am nächsten Morgen um 8 Uhr zum Training einlaufen, ist davon keine Spur mehr. Gerade, dass du das Zeug noch ein bisschen riechen kannst.“

 


Warum sollte in Wien also nicht auch möglich sein, was anderswo möglich ist? Eigentlich spricht nichts dagegen.

Wären da nicht die Erinnerungen wie jene an die Eishockey-Weltmeisterschaften 2005, als in der Stadthalle das Eis schmolz. Oder die fast schon unendliche Geschichte der Stadthallenbad-Renovierung. Ereignisse, die das Vertrauen in infrastrukturelle Lösungen „Made in Austria“ nicht gerade förderten.

Exkurs in die Chaos-Theorie

ÖHB-Generalsekretär Martin Hausleitner glaubt zwar prinzipiell, dass am Sonntag alles reibungslos über die Bühne gehen werde, räumt aber ein, dass das Handball-Länderspiel der allererste Testlauf dieser Praktik in der Albert-Schultz-Halle darstellt. „Wir sehen dem Ganzen mit Spannung entgegen“, erklärt er wohlwissend, dass bereits über 6.000 Tickets abgesetzt sind.

Eine technische Panne käme somit einer Blamage gleich.

Doch was könnte schiefgehen? Ein Risiko stellt das Eis dar. Schmilzt dieses und gerät Feuchtigkeit durch den aufgelegten Boden, sei das Gift für den Kleber. Der Handball-Boden würde sich flugs lösen. Da das Eis aber weiterhin gekühlt wird, bestehe kein Grund zur Sorge.

Endgültige Gewissheit darüber wird freilich erst der Sonntag bringen. Bleibt zu hoffen, dass die Frage „Wer von den beiden isländischen Nationaltrainern wen auf das Glatteis führt“ eine rein metaphorische bleibt.

Reinhold Pühringer

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