Fünf Baustellen vor Russland

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Viel Luft nach oben nach Bosnien-Partie

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Lediglich 60 Minuten trennen Österreich von der Europameisterschaft in Dänemark 2014.

Es wäre das erste Mal, dass sich eine rot-weiß-rote Auswahl auf sportlichem Wege für die kontinentalen Titelkämpfe qualifizieren würde. Doch der Gegner ist kein Unbekannter.

Mit Russland ist ein ehemaliger Weltmeister am Sonntag (19:00 Uhr) in der Innsbrucker Wasserkraft-Arena zu Gast.

Zwar strahlt der russische Stern nicht mehr so hell, wie noch vor einigen Jahren, gefährlich ist die Mannschaft mit herausragenden Spielern wie Konstantin Igropulo oder Michael Cipurin aber mit Sicherheit.

Johannesson unzufrieden

Den Österreichern würde aber ein Unentschieden bereits reichen, um das EM-Ticket zu lösen. Bei einem Punktgewinn hätte man gegen die beiden besserplatzierten Teams der Gruppe vier Punkte geholt und würde automatisch als bester Gruppen-Dritter nach Skandinavien fliegen.

Doch noch hat man gar nichts erreicht und der Auftritt gegen Bosnien-Herzegowina war mehr als nur ein Euphorie-Dämpfer im ÖHB-Lager. Obwohl voll motiviert nach Visoko gereist, reichte es beim bis dahin punktelosen Schlusslicht der Gruppe nur zu einem 28:28-Unentschieden.

Das Ergebnis klingt am Ende versöhnlicher, als der eigentliche Auftritt tatsächlich war, mangelte es dem Spiel der Österreicher doch an Ideen und Durchschlagskraft.

Teamchef Patrekur Johannesson musste in den Tagen vor dem Russland-Spiel noch einiges nachjustieren, meinte er wäre mit dem Auftritt der Mannschaft in Bosnien „nicht zufrieden“.

LAOLA1 arbeitet fünf Baustellen aus dem Bosnien-Spiel heraus, die zu spielentscheidenden Faktoren in Innsbruck werden können.

Torhüter: Bis auf einige wenige Paraden waren die Torhüter Nikola Marinovic und Thomas Bauer im Duell gegen Bosnien-Herzegowina kein Faktor. Ein Umstand, den das ÖHB-Team nicht kompensieren kann. Da den Österreichern der letzte Nachdruck aus dem Rückraum oft etwas fehlt, müssen die Konter aus einer starken Abwehr zum Erfolg führen. Bekommt das Torhüter-Gespann auch gegen die Russen keine Hand an den Ball, kann man die EM abschreiben.

Abwehrverhalten: Die Chancenauswertung ist das eine, das Rückzugsverhalten der Österreicher das andere. Kaum hatte man den Ball vorne weggeworfen, hatten die Bosnier im Tempo-Gegenstoß relativ leichtes Spiel. Konnte man die Gegner stellen, dann taten sich immer wieder Lücken in der 6:0-Deckung auf. „Wir standen hinten nicht gut“, war der allgemeine Tenor nach dem Spiel. Mit 148 Gegentreffern stellt Österreich die schlechteste Abwehr der Qualifikationsgruppe.

Flügelspiel: Wie bereits erwähnt, hängt vieles von den Außen Raul Santos und Robert Weber ab, die im Gegenstoß leichte Treffer markieren müssen. Vor allem Santos tat sich im vorletzten Gruppenspiel schwer, den gegnerischen Schlussmann zu bezwingen. Ein ums andere Mal scheiterte er auch im Konter. Eventuell wäre es auch ein Mittel, Conny Wilzcynski mehr Spielanteile zu geben. Zwar hat der Westwien-Manager die Fitness vergangener Tage etwas eingebüßt, seine Erfahrung und Qualität könnte aber noch sehr wichtig werden.

Chancenauswertung: Eigentlich ist es vermessen zu sagen, die ÖHB-Truppe müsse die Möglichkeiten besser nützen, hat man mit 155 Toren doch die drittmeisten Treffer aller Teams in der Qualifikation erzielt. Nur Island (160) und Slowenien (159) konnten die gegnerischen Tormänner öfter bezwingen. Dennoch zeigte man in Bosnien Unkonzentriertheiten, die einem am Ende den Sieg kosteten und den Gegner unnötig im Spiel hielten. Gegen eine Mannschaft vom Kaliber der Russen muss sich die Mannschaft äußerst effizient zeigen, um das Spiel offen zu halten.

Kreisspiel: Seit dem Rücktritt von Patrick Fölser ist das Kreisspiel noch kein Faktor im österreichischen Angriff. Ein Umstand, der nicht erst seit der Bosnien-Partie bekannt ist. Während Fabian Posch noch seine Probleme hat, im Nationalteam seinen Platz zu finden, bekommt Christoph Edelmüller nur wenig Möglichkeiten, sich zu beweisen und sieht die Spiele meist von der Bank aus. Max Wagesreiter, der oft diese Position bekleidet, um einen Wechsel zwischen Angriff und Abwehr zu ersparen, ist kein gelernter Kreis, was man deutlich sehen kann. Auch wenn Edelmüller die körperliche Größe für die internationale Bühne vermissen lässt, ist er als Kämpfer und Motivator eine Personalie, die das notwendige Feuer innerhalb der Mannschaft entfachen kann. Da man nicht die individuelle Klasse der Russen hat, werden Emotion und Teamgeist zum entscheidenden Faktor.

Sebastian Rauch

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