Harder Taktik gegen Wiener Kollektiv

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"Ich sehe gute Chancen, dass wir in Hard siegen. Und dann ist uns der Titel nicht mehr zu nehmen", tönte Fivers-Trainer Peter Eckl vor Beginn der HLA-Final-Serie.

Das erste Spiel in Vorarlberg hatten die Wiener tatsächlich mit 29:28 für sich entschieden, in der heimischen Hollgasse blieb der erwartete Erfolg und der damit verbundene zweite Meistertitel der Vereinsgeschichte aber aus.

Meisterfeier im Kopf

Der amtierende Meister aus Hard schlug zurück, setzte sich seinerseits mit 27:24 in Wien durch und erzwang somit ein drittes Spiel in Vorarlberg, welches am Donnerstag (20:20 Uhr) über die Bühne gehen wird.

„Die Fivers hatten weniger ein taktisches als vielmehr ein Kopfproblem. Sie wollten zu früh die Entscheidung erzwingen. Durch den Auswärtssieg in Hard waren im Prinzip alle auf eine Meisterfeier eingestellt. Sie wollten den Sack zumachen, waren dann am Anfang zu ungeduldig und haben anscheinend nicht damit gerechnet, dass sich der Gegner wehrt“, analysiert David Szlezak den Auftritt der Wiener in Spiel zwei.

Der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän und nunmehrige Champions-League-Final4-Manager hat beide Finalspiele verfolgt und zeigt sich von der Leistung der Harder in der Hollgasse beeindruckt.

„Ich will nicht sagen, dass die Wiener schlecht waren, aber Hard war einfach sehr gut vorbereitet. Von Vorarlberger Seite war das taktisch auf gutem Niveau und die Spielzüge waren sehr durchdacht. Das ist, worauf es ankommt. Die Harder haben sich nach dem ersten Spiel etwas überlegt und einen klaren Gameplan gehabt, an welchen sie sich auch gehalten haben.“

Friede als wichtiger Faktor

Trotz der großen Erfahrung, die der Rückraum der Fivers mitbringt, gelang es dem amtierenden Cupsieger nicht, Hard in der zweiten Hälfte ernsthaft in Gefahr zu bringen.

„Sie haben es geschafft, die Kreise von Vytas Ziura einzuschränken und Roman Kirveliavicius ist nicht gerade als nervenstärkster und ruhigster Spieler in entscheidenden Phasen bekannt. Man muss einfach auch anerkennen, dass es eine sehr gute Leistung der Harder war und die Wiener Spieler nicht das gebracht haben, was sie zu leisten im Stande sind“, zollt Szlezak, der auch als TV-Experte im Einsatz ist, dem amtierenden Champion Respekt.

Ein wichtiges Puzzlestück im Konzept von Hard-Trainer Markus Burger in Wien war Bernd Friede. Der ehemalige Nationalspieler und letztjährige „Handballer des Jahres“ kam in Spiel eins nur wenig zum Einsatz, in der Hollgasse leitete er gewohnt abgeklärt und routiniert die Angriffe der „Roten Teufel“.

„Er war in der ersten Hälfte der entscheidende Faktor, dass man die Fivers auf dem falschen Fuß erwischt und teilweise auch dominiert hat. Im zweiten Abschnitt war es in der Offensive Marko Tanaskovic und in der Defensive Frederic Wüstner, ein Spieler über den man ganz wenig spricht, aber in der Deckung ein überragendes Spiel gemacht hat und den Rückraum der Fivers zur Verzweiflung

Der Kapitän darf wieder mitmischen

Edelmüller ist zurück

Doch bereits am Donnerstag werden die Karten neu gemischt. Die Fivers reisen in die Sporthalle am See und können eigentlich vor ausverkauftem Haus in Vorarlberg nur gewinnen.

„Wenn die Harder das jetzt verkacken, wäre das enttäuschend. Sie haben wieder mehr Druck als die Fivers. Beide Mannschaft haben offensichtlich Probleme mit der Favoritenrolle, das kann zur Last werden und spricht für die Wiener“, verweist der ehemalige ÖHB-Kapitän auf die beiden Auswärtssiege in dieser Finalserie.

Außerdem kann Trainer Eckl wieder auf seinen Kapitän zurückgreifen. Christoph Edelmüller hat seine Sperre abgesessen und wird seiner Mannschaft wieder zur Verfügung stehen.

„Er ist einer, der die Mannschaft emotional auch hoch hält, immer voran geht und von der Körpersprache einfach was darstellt. So gesehen, ist er ihnen abgegangen. Im Kollektivspiel, welches die Wiener spielen, kann aber nicht ein Akteur ein Spiel entscheiden“, lautet die Analyse von Szlezak.

Härte nicht überbewerten

Der gebürtige Wiener sah in einem hitzigen ersten Spiel die Rote Karte. Es war der einzige Platzverweis der Final-Serie bisher, obwohl immer wieder betont wurde, wie emotional aufgeladen und teilweise unfair die Spiele zwischen den beiden Kontrahenten von statten gehen.

Besonders nach dem ersten Duell gingen die Wogen hoch. Während die Harder die Gangart der Wiener kritisierten, rechtfertigten diese sich wiederum mit dem Verweis auf normale Härte in einem körperbetonten Sport.

„Wenn es im Finale nicht zur Sache geht, wann dann. Beide Mannschaften schenken sich nichts. Natürlich gibt es die eine oder andere Aktion, die ins Gesicht oder die über die Grenze geht. Die Jungs kennen sich untereinander aber sehr gut und ich würde niemandem unterstellen, dass er versucht, einen Gegenspieler zu verletzten“, relativiert Szlezak die Anschuldigungen.

Durch seinen Job als Manager der EHF sieht der ehemalige Profi der Rhein-Neckar Löwen viele Spiele auf internationalem Niveau und kann natürlich auch die Härte der heimischen Liga mit jener der Champions League vergleichen.

„Es wird auf höchstem internationalen Niveau sicherlich anders gespielt, aber das hängt mit der physischen Konstitution der Spieler zusammen. Internationale Spiele sind körperlich gesehen einfach eine andere Liga. Dadurch kommt es in Österreich einfach zu Aktionen, die vielleicht unglücklich aussehen, aber ungewollt geschehen, weil man zu spät dran ist. Die Deckungsspieler in der HLA sind nicht so gut geschult, da kommt es eben vor, dass man einen Schritt zu spät ist und dann aus Versehen den Gegenspieler falsch erwischt. Diesem Thema würde ich nicht zu viel Bedeutung zumessen.“

"Heimfluch" als Segen?

Dies tun die Fivers ohnehin nicht. Störfeuer von Außen werden ausgeblendet, es gilt sich nur auf die eigene Stärke zu verlassen. Auch die Tatsache, dass man auswärts antreten muss, passt den Wienern ganz gut ins Konzept.

„Scheinbar ist es in dieser Serie leichter, auswärts zu gewinnen als daheim. Das dritte Spiel findet auswärts statt...", sagt auch Fivers-Manager Thomas Menzl mit einem Augenzwinkern. Sollte es den Margaretnern tatsächlich gelingen, die „Roten Teufel“ erneut in der Sporthalle am See zu bezwingen, hätte Trainer Peter Eckl am Ende doch Recht behalten.

Denn dann wäre den Fivers der Titel tatsächlich nicht mehr zu nehmen.

Sebastian Rauch

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